Winterfahrplan

S-Bahner fordern mehr Personal und bessere Werkstätten

Rechtzeitig zum Start des sogenannten Winterfahrplans bei der Berliner S-Bahn gleichen an diesem Montag mehrere Verkehrsunternehmen im Umland ihre Fahrpläne an. Wie der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) mitteilte, wollen die Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG), die Woltersdorfer Straßenbahn, die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn und die Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming (VTF) Abfahrtszeiten anpassen oder Linien verlängern.

Auch die Bahntochter DB Regio sorgt für Entlastung. Vom Wochenstart an endet die stündlich verkehrende Regionalexpresslinie RE 6 aus Hennigsdorf zwischen 5 bis 19 Uhr nicht mehr in Spandau, sondern wird über Jungfernheide bis Gesundbrunnen verlängert.

Wie berichtet, sind die S-Bahn-Züge nur noch mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde unterwegs. Ziel ist es, den Fahrplan auch an Frosttagen verlässlicher zu machen. Weil die S-Bahn bei geringerer Geschwindigkeit mehr Fahrzeuge benötigt, gelten für einzelne Streckenabschnitte neue Einschränkungen. Nach Wartenberg, Spandau und Potsdam fahren die Züge nur noch alle 20 Minuten, nach Hennigsdorf nur alle 30 Minuten. Der Winterfahrplan (siehe Grafik) gilt vorläufig bis zum 27. Februar. Anfang kommenden Monats will sich die S-Bahn nach Angaben eines Sprechers mit dem VBB und den Ländern Berlin und Brandenburg verständigen, ob eine Verlängerung nötig ist.

Der Preis für die höhere Zuverlässigkeit sind um bis zu zehn Minuten verlängerte Fahrzeiten und geänderte Abfahrtszeiten im gesamten Netz. Vor allem in den Außenbezirken kommt es daher zu Problemen beim Umsteigen auf Busse und Bahnen anderer Verkehrsunternehmen. Um die Fahrgäste zu entlasten, will die OVG ihre Buslinie 807 verlängern. Die Busse enden nicht mehr in Hennigsdorf, sondern fahren bis Alt-Tegel. Dort besteht Anschluss an die Linie 824.

Die Woltersdorfer und die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahnen verschieben die Abfahrtszeiten ihrer Züge meist um zwei Minuten nach vorn, um den Anschluss an die S-Bahn-Linie S 3 zu gewährleisten. Die VTF passt die Fahrpläne der Buslinien 704, 710, 711, 713, 720, 792, 793, 794 und 797 an den neuen S-Bahn-Plan an. Die Aushänge an den Haltestellen sollen nach Unternehmensangaben so schnell wie möglich aktualisiert werden.

Alle Anschlüsse können aber nicht angepasst werden, wie der VBB bestätigte. Der Verkehrsverbund rät vor allem Fahrgästen aus den Außenbezirken und dem Umland, sich über die genauen Abfahrts- und Umsteigezeiten zu informieren. Alle Fahrplanänderungen der S-Bahn und der Umland-Unternehmen sind in der Online-Fahrplanauskunft des VBB bereits enthalten.

Über die Funktion "Fahrplanbuch online" können sich Nahverkehrsnutzer dort auch eigene Linienfahrpläne ausdrucken. Alle Informationen zum Winterfahrplan gibt es im Internet unter www.vbbonline.de . Telefonisch können sich Fahrgäste bei der VBB-Info-Hotline (Tel. 25 41 41 41) informieren.

Die Vorschläge der S-Bahner

Zeitgleich zur Erarbeitung des Winterfahrplans sorgen sich S-Bahner, Gewerkschafter und Betriebsräte um die Leistungsfähigkeit und die Zukunft der S-Bahn. "Ein Sofortprogramm für die Berliner S-Bahn zur Wiederherstellung eines planmäßigen Verkehrs ist nötig und möglich", sind sich Mitglieder des Betriebsrates der S-Bahn GmbH sicher und stellen einen Maßnahmenkatalog auf. Dieser richtet sich an den Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Deutschen Bundestag. Der hatte es abgelehnt, eine Delegation von S-Bahnern, Gewerkschaftern und Betriebsräten zu empfangen.

"Wir hätten Maßnahmen aufzeigen können, die einen sicheren Verkehr der S-Bahn ermöglichen", sagt Peter Polke, Triebfahrzeugführer und Mitglied im Betriebsrat. "Es war unser Anliegen, unsere Sichtweise, Vorschläge zur Überwindung des Chaos bei der S-Bahn vorzutragen." Nach Ansicht der Delegation dürfe die Bahn durch die Gewinnentnahme in Millionenhöhe nicht weiter kaputt gespart, sondern das Geld müsse investiert werden. In dem Sofortprogramm fordern sie unter anderem zusätzliches Personal dauerhaft in allen Bereichen und eine neue technische Ausstattung der Werkstätten. Die Bahnhöfe sollen mit Aufsichtspersonal besetzt werden, und S-Bahn-Züge der Baureihe 485 müssen wieder zum Einsatz kommen. Aus "S-Bahnern der betriebsnahen und schweren Instandhaltung" möchten sie eine Arbeitsgruppe "Klimaertüchtigung" (Sommer- und Wintereinsatz) einrichten.

Zu den mittelfristigen Planungen sind folgende Punkte aufgeführt: die direkte Einflussnahme auf Leistungen, die durch andere Konzernunternehmen für die S-Bahn erbracht werden. Modernisierung der dezentralen Stellwerke und Ausbildung von Fahrdienstleitern und die Erhöhung des Einflusses der Länder Berlin und Brandenburg auf die S-Bahn. "Zur langfristigen Planung gehört auch der Einkauf neuer Fahrzeuge", sagt Polke. Mit maximal 200 neuen Fahrzeugen könne "ein gesundes Durchaltern der Fahrzeugflotte" garantiert werden.

Mit einem Kontrollausschuss soll die Umsetzung der Planungen überprüft werden. Vertreter des Verkehrsausschusses des Bundestages sowie der Länder Berlin und Brandenburg, der Gewerkschaften, des Betriebsrates sowie Techniker, Kollegen und Kolleginnen des S-Bahn-Betriebes vor Ort sollen den Ausschuss bilden. Die Geschäftsführung der S-Bahn GmbH und Vertreter der Deutschen Bahn AG wären diesem Ausschuss auskunfts- und rechenschaftspflichtig, so die Forderungen.

"Berlin und angrenzende Landkreise haben ein Recht auf eine funktionierende S-Bahn"

Peter Polke, Triebfahrzeugführer und Betriebsratsmitglied