Prozess

Der Versuch, nach vier Jahren einen Raubüberfall aufzuklären

War Leopold L. bei dem Raubüberfall wirklich dabei? Der schmalgesichtige Mann auf der Anklagebank im Saal B306 des Moabiter Kriminalgerichts sieht eher aus wie ein gut betuchter Akademiker denn wie ein Räuber. Im Gefängnis wird er Professor genannt. Und er soll, so sein Verteidiger, "zwar eine Latte Vorstrafen haben", es sei aber "nie auch nur annähernd Gewalt im Spiel gewesen".

Was ihm vorgeworfen wird, war jedoch sehr gewalttätig. Es geht um einen Überfall auf einen Geldtransporter am 9. November 2006 vor einer Sparkassenfiliale in Friedrichshain. Der 59-jährige Otto R. war damals mit einer Schreckschusspistole auf drei Mitarbeiter der Geldtransportfirma zugerannt und hatte mehrfach abgedrückt. Doch es gelang nicht, sie einzuschüchtern. Die Wachmänner schossen sofort zurück. Otto R. wurde in die Brust getroffen und war sofort tot.

Leopold L. war damals schon verdächtigt worden, Mittäter gewesen zu sein. Die Wachmänner und auch Besucher eines angrenzenden Lokals hatten einen zweiten Mann gesehen. Er soll sich über den toten Komplizen gebeugt haben und anschließend langsam weggegangen sein.

Er hinterließ keine Spur. Doch der Tote hatte einen Schlüssel in der Tasche, der in das Schloss einer 500 Meter entfernten Wohnung passte - die Otto R. und Leopold L. gemeinsam bewohnten. Und es kam heraus, dass sich die beiden durch einen gemeinsamen Aufenthalt im Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel kannten.

Leopold L. wurde vernommen, beteuerte seine Unschuld und kam schnell wieder auf freien Fuß. Das änderte sich im August vergangenen Jahres, als plötzlich ein Zeuge auftauchte, dem Leopold L. von seiner Beteiligung an dem Raubüberfall berichtet haben soll. Leopold L. wurde verhaftet und in der Justizvollzugsanstalt Moabit einquartiert.

Vor Gericht schweigt er. Das darf ihm nicht negativ ausgelegt werden. Er muss jetzt durch Beweise und Indizien überführt werden. Doch die sind dünn gesät. Zeugen, die am ersten Prozesstag vernommen werden, können nichts Konkretes sagen. Ein Wachmann beschreibt den Komplizen als einen eher kleinen, korpulenten Mann. Leopold L. ist groß und schlank.

So wird sich das Hauptaugenmerk wohl vor allem auf den sogenannten Hauptbelastungszeugen richten. Jenen Mann, dem sich Leopold L. nach dem Überfall anvertraut haben soll. Er ist für den 20. Januar geladen. Und sein Kommen ist sehr wahrscheinlich. Er sitzt derzeit selbst im Gefängnis. Bevor er Leopold L. belastete, soll es zwischen den beiden einen Disput um Geld gegeben haben.

Das Gericht wird nun entscheiden, ob es diesem Zeugen glaubt. Es darf dabei keine vernünftigen Zweifel haben.