Bauarbeiten

Wenigstens die Bahn will beim BBI pünktlich fertig sein

Ratternd wühlt sich der Bagger durch den regennassen Boden. Noch vor wenigen Tagen rollten Autos über die Landesstraße 400 in Bohnsdorf. Jetzt klafft eine mächtige Lücke im Asphalt.

Autofahrer müssen an den Absperrungen kehrtmachen und auf die nahe Autobahn 117 ausweichen. Die Straße macht Platz für die Bahn. Knapp 5,6 Kilometer lang ist die Trasse durch den Wald. Auf ihr sollen Züge aus Osten kommend zum künftigen Großflughafen BBI in Schönefeld rollen. Ab März 2011 soll eine neue Straßenbrücke die L 400 über die Gleise führen.

Für die Bahn lautet die gute Nachricht: Der Bau der Ostanbindung liegt trotz monatelanger Verzögerungen beim Genehmigungsverfahren im Zeitplan. Der Unterbau für die Gleise ist fast fertig - bis auf die kleine Lücke an der L 400. Der Schotter liegt, Schienen und Schwellen werden gerade montiert, Oberleitung und Signale folgen. "Im Oktober 2011 könnten wir fahren", sagt Matthias Hudaff, Leiter des Großprojekts Nord-Süd-Achse Berlin bei der Bahntochter DB ProjektBau.

Doch nicht jeder freut sich darüber. "Unsere Natur wurde vernichtet für den BBI-Profit. Danke!", steht in schwarzen Buchstaben an einer Hausfassade nur einen Steinwurf von der Baustelle entfernt. Gut 19 000 Bäume mussten für die Trasse durch den Bohnsdorfer Wald fallen. Am Straßenrand liegen - meterhoch gestapelt - zersägte Stämme. 80 000 neue Bäume will die Bahn als Ausgleich an anderer Stelle pflanzen. Ein schwacher Trost für die Anwohner. "Ich kann nicht verstehen, dass hier gebaut wird, obwohl das Gericht noch gar nicht entschieden hat", sagt ein Mann in Trainingsjacke hinterm Gartenzaun. Eine andere Trasse wäre verträglicher und billiger gewesen, sagen andere Kritiker.

Unübersehbare Tatsachen geschaffen

Tatsächlich steht eine juristische Entscheidung über das umstrittene Vorhaben noch aus. Auch wegen der Streckenführung durch das Naherholungsgebiet hatte der Bahnkundenverband Brandenburg im Frühjahr gegen die Baugenehmigung vom Eisenbahn-Bundesamt geklagt. Einen Antrag auf sofortigen Baustopp zogen die Kläger im Juni aber zurück. Nach eigenen Angaben, um ihre Chancen im Hauptverfahren nicht zu verspielen. Ende November will nun das Oberverwaltungsgericht entscheiden. Für die Bahn steht viel auf dem Spiel. Sie hat mit dem Bau im Rekordtempo seit Februar 2010 bereits unübersehbare Tatsachen geschaffen. "Sollten wir wider Erwarten nicht Recht bekommen, müssten wir das alles hier zurückbauen", sagt Hudaff und zeigt von der neuen Brücke am Schwarzen Weg hinunter auf die Trasse, wo eine Maschine gerade die Gleise verlegt.

Der Schaden wäre enorm. "Es geht um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag", sagt der Projektchef. Leidtragende wären auch die Fluggäste, die mit der Bahn aus Osten zum BBI wollen, betont er. "Eins muss klar sein: Wenn wir verlieren, wird es über Jahre keine Ostanbindung für den Flughafen geben." Damit wäre es mit der guten Erreichbarkeit auf der Schiene wohl vorbei. Denn auch der Bau der sogenannten Dresdner Bahn steht in den Sternen. Die Trasse durch Lichtenrade ist umstritten. Noch gibt es keine Baugenehmigung. Anschließend drohen Klagen. Nach jetzigem Stand kann der Airport-Express wohl nicht vor 2016 auf der kürzesten Verbindung vom Hauptbahnhof zum BBI fahren.

Lieber redet die Bahn derzeit über die Erfolge - und zeigt sie. Die Arbeiten für den BBI-Bahnhof gehen zügig voran. An Wänden und Decken hängen schon Musterplatten für die Verkleidung. Die Halterungen für die Stromschiene der S-Bahn und die Deckenstromschiene der Regional- und Fernzüge hängen bereits. Auch am Flughafenbahnhof könnten in einem Jahr die ersten Züge fahren, planmäßig zum ursprünglichen Eröffnungstermin des BBI. Schon im Frühjahr soll der Testbetrieb auf der Westanbindung beginnen. Nur Oberleitungen und Signale fehlen noch auf der viergleisigen Strecke, die sich in den Terminal-Tunnel einfädelt. Messfahrten sind in wenigen Monaten geplant. Danach wird die Westanbindung ebenso wieder ruhen wie ihr zweigleisiges Pendant im Osten. Passagiere werden erst mit Flughafen-Eröffnung im Juni 2012 über die neuen Strecken transportiert. Lediglich Versorgungszüge für die Baustelle sollen einstweilen über die Ostanbindung fahren. Sie rollen auch jetzt schon mit Zement, Kies, Sand und Treibstoff nach Schönefeld - allerdings über die alte, sogenannte "Kerosin-Bahn". Das ist dem Berliner Fahrgastverband Igeb nicht genug. "Tausende arbeiten dann schon am Flughafen", sagt Igeb-Sprecher Jens Wieseke. "Warum sollte es bis zur Eröffnung nicht einen provisorischen Shuttle-Betrieb mit Fahrgästen geben?" Für die Bahn ist das kein Thema. Eine vorzeitige Inbetriebnahme sei wegen der Baustellensituation und der sensiblen Sicherheitsbereiche des Flughafens nicht möglich.