BBI

"Die Fluggesellschaften dürfen nicht verärgert werden"

Im Streit um die Flugrouten am künftigen Hauptstadtflughafen BBI sind die Fluggesellschaften Air Berlin und Lufthansa nicht mehr zu Umwegen bereit. Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel wies gestern anfängliche Äußerungen zurück, wonach die Airline jede Entscheidung zur Flugroutenführung - so auch das Umfliegen von Berlin - akzeptieren würde.

"Umwege und Zickzack-Kurse gehen aus wirtschaftlichen Gründen nicht", hieß es nun gestern. "Es darf kein Airline-Verärgerungsprogramm geben. Umwege sind keine Peanuts", sagte Hauptvogel. Schließlich konkurriere Berlin mit anderen Flughafenstandorten, und da müsse man die "Kirche im Dorf lassen".

Auch bei der Lufthansa ist man nicht mehr bereit, die Möglichkeit, Berlin zu umfliegen, in Erwägung zu ziehen. "Die Flugrouten müssen ökonomisch und umweltverträglich sein", sagte der Konzern-Bevollmächtigte der Lufthansa für Berlin, Thomas Kropp, gestern. Noch am 10. September hatte Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber der Berliner Morgenpost gesagt, die Kranich-Linie sei bereit, Umwege zu fliegen, wenn damit der Überflug dicht besiedelter Gebiete vermieden werden könne.

Parallelstarts wird es geben

Wie die Airlines hält auch die Flughafengesellschaft an gleichzeitigen parallelen Starts von den beiden BBI-Bahnen fest. Die Flughafengesellschaft lehnte gestern einen möglichen Verzicht auf Parallelstarts ab "Das ist nicht diskutierbar", sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. "Das würde 15 Jahre Flughafenpolitik konterkarieren." Flughafenchef Rainer Schwarz hatte bereits vor Wochen darauf hingewiesen, dass der unabhängige Parallelbetrieb in Spitzenzeiten notwendig sei, um den Flugverkehr abwickeln zu können. Kritiker aus der Luftverkehrsbranche indes bezweifeln dies und glauben, dass Maschinen auch zeitlich versetzt von den beiden Bahnen starten können, ohne an die Kapazitätsgrenze zu gelangen.

Zuletzt hatte der Vorsitzende der Fluglärmkommission, Bernd Habermann, den Verzicht auf gleichzeitige Starts gefordert. So könne der Fluglärm verringert werden, sagte er der "Märkischen Allgemeinen". Auch der niedrige Überflug über Berliner Stadtgebiet könnte damit verhindert werden. Denn bei gleichzeitigen Starts müssen Maschinen kurz nach dem Abheben zur Seite abdrehen. Dadurch überqueren sie nach den Plänen der Deutschen Flugsicherung (DFS) relativ früh Stadtteile im Berliner Süden und zusätzliche Orte in Brandenburg.

Air Berlin, die noch am Dienstag die Notwendigkeit des Parallelbetriebs infrage gestellt hatte, ruderte gestern zurück. "Ich glaube nicht, dass man den unabhängigen Parallelbetrieb auf den Prüfstand stellen sollte", sagte Air-Berlin-Sprecher Hauptvogel gestern der Berliner Morgenpost. Auch wenn das gleichzeitige Starten nicht in der Anfangsphase des BBI notwendig sei, werde es mit steigenden Luftverkehrsaufkommen und spätestens im Endausbau des Flughafens unabdingbar. Bei Air Berlin aber sieht man dennoch Möglichkeiten, die Flugrouten so zu legen, dass Berlin weniger belastet wird. "So könnte man beim Parallelbetrieb ähnlich wie am Münchner Flughafen von der Nordbahn geradeaus starten und dafür stärker von der Südbahn abknicken." Internationale Sicherheitsvorgaben wären auch damit eingehalten.

Auch die Flughafengesellschaft sieht noch "Optimierungspotenzial" bei den Flugrouten. Dies bekräftigte gestern Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Als Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft will Wowereit sich für eine Verlegung der Flugrouten einsetzen. "Die Vorschläge der Deutschen Flugsicherung sind nicht optimal", sagte Wowereit gestern am Rande seines Bezirksbesuches in Tempelhof-Schöneberg. "Wir müssen zusehen, dass wir neue Flugrouten bekommen. Das ist mein Bestreben."

Dialog mit Bürgerinitiativen

Der Regierende Bürgermeister will mit den Bürgerinitiativen in einen Dialog treten. "Ich kann die Sorgen der Anwohner und die Proteste gut verstehen", sagte er. Es komme jetzt darauf an, eng mit Brandenburg zusammenzuarbeiten, die Länder dürften sich in der Diskussion nicht auseinanderdividieren lassen.

Die Einflussmöglichkeiten des Senats und der Brandenburger Landesregierung sind allerdings begrenzt. Die Deutsche Flugsicherung ist für die Planung zuständig, genehmigt werden die Routen letztlich vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung. In der Fluglärmkommission aber wird die Planung der DFS zuvor mit den betroffenen Landkreisen, Kommunen und Bezirken diskutiert und können Änderungsvorschläge gemacht werden. Die Kommission tagt am 8. November. "Wir warten auf Vorschläge", sagte DFS-Sprecher Stefan Jaekel gestern. "Die Vorschläge werden von uns auf ihre Umsetzbarkeit geprüft. Wenn es bessere Lösungen gibt, werden diese auch übernommen."