Hochwasser

Krisentourismus an der Mosel

Regen und Tauwetter waren in den vergangenen Tagen in ganz Deutschland Grund für die angespannte Hochwasserlage an vielen Flüssen. Dabei war die Situation an der Mosel in Rheinland-Pfalz besonders kritisch. In Zell, Cochem und in weiteren Orten überstieg der Pegel des Flusses die errichteten Schutzwände und floss in die Ortschaften.

Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums sei das Hochwasser jedoch teilweise geringer ausgefallen als vorhergesagt. Trotzdem waren die Schutzwände nicht hoch genug, um die Wassermassen zurückzuhalten.

"Die Stadt ist geflutet", sagte ein Polizeisprecher in Zell. Nach Angaben der Behörde blieben die betroffenen Anwohner aber ruhig. Viele hätten die lange Vorlaufzeit genutzt und ihre Keller geräumt. "Die Moselaner gehen mit dem Hochwasser sehr routiniert um." Allerdings setze langsam ein "Hochwassertourismus" ein. Rund 60 Prozent der Altstadt standen stellenweise bis zu einer Höhe von 1,8 Metern unter Wasser, so der Wehrleiter Markus Morsch. Die Feuerwehr hatte einen Bootsverkehr eingerichtet.

In Cochem wurden für die Bewohner Stege aufgebaut. Boote werden erst ab einem Pegelstand von 8,50 Metern eingesetzt. Auch der Keller der Polizeidienststelle stand unter Wasser. "Das Hochwasser ist noch sehr beherrschbar", sagte Wehrleiter Berthold Berenz. "Die richtige Arbeit kommt erst, wenn das Hochwasser wieder zurückgegangen ist." Die neben der Mosel verlaufende Bundesstraße 49 war komplett überflutet und nicht befahrbar. Für Trier erwartete das Hochwasserzentrum einen Anstieg des Pegels auf 9,15 bis 9,25 Meter, die kritische Marke liegt bei neun Metern.

Am Montag wird in Koblenz, wo die Mosel in den Rhein fließt, mit der Spitze des Hochwassers gerechnet. Dort erwarten die Behörden Überflutungen in den Rhein-nahen Gebieten. Bis Sonntagabend wurden 7,05 bis 7,15 Meter erwartet. Nach Angaben einer Sprecherin legten die Organisatoren der diesjährigen Bundesgartenschau insgesamt 51 500 Sandsäcke zum Schutz eines Blumenhofes aus. "Wenn der Pegel nicht über acht Meter steigt, dann würde der Blumenhof davonkommen."