Hochwasser

Eisbrecher sind die große Hoffnung

Erstmals seit mehreren Tagen sind am Sonnabend die Wasserstände der Oder bei Hohensaaten-Finow leicht zurückgegangen. Von 7,54 Meter, dem zweithöchsten dort je gemessenen Wert, ging der Pegel auf 7,46 Meter zurück. Das teilt das Hochwassermeldezentrum in Frankfurt (O.) mit. Damit bleibt die Lage aber dennoch äußerst angespannt.

Mit 7,46 Metern liegt der Wert immer noch fast einen Meter über dem Richtwert für die höchste Alarmstufe 4. Diese wird vom Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz ausgerufen, wenn größere Flächen einschließlich Straßen und Anlagen in bebauten Gebieten überflutet sind.

Tauwetter lässt Flüsse anschwellen

Der Wettlauf gegen das Hochwasser läuft auf Hochtouren. Nach den starken Schneefällen der vergangenen Wochen hat das Tauwetter eingesetzt und lässt die Pegelstände der deutschen Flüsse extrem ansteigen. Zusätzlich lässt Regen die Flüsse anschwellen. Am stärksten betroffen ist die Oder, aber auch Spree, Schwarze Elster, und die Nebenflüsse der Elster, die Röder und die Pulsnitz, führen Hochwasser. Alle Hoffnungen liegen derzeit bei den Eisbrechern, die sich auf der Oder Richtung Süden bewegen. Ihre Aufgabe ist es, die Eisdecke auf dem Grenzfluss aufzubrechen, um den Abfluss der Wassermassen Richtung Ostsee zu erleichtern. Insgesamt sind 15 Eisbrecher auf der Oder im Einsatz. "Drei Schiffe sind auf dem deutschen Teil der Oder unterwegs und bis zu zwölf in Polen", sagt Tobias Seyfarth, Pressesprecher des Landkreises Märkisch-Oderland. Der deutsch-polnische Einsatz wird von Polen aus koordiniert. "Zurzeit kommen die Eisbrecher nicht so schnell voran, wie wir es gerne hätten." Am Sonnabend wurden die Eisbrecher nach Angaben des Pressesprechers im Raum Szczecin (Stettin) konzentriert, wo sie das Abschwimmen des bereits gebrochenen Eises gewährleisten sollten. Dadurch verzögere sich der Eisaufbruch südlich von Schwedt. Eisbrecher hatten am Vortag von Schwedt aus begonnen, das Eis in Richtung Hohensaaten aufzubrechen. Sie waren den Angaben zufolge knapp fünf Kilometer weit stromaufwärts gekommen. "Bis zur südlichen Eisgrenze bleiben aber noch rund 20 Kilometer", sagt Seyfarth. Dort befinde sich der Oder-Pegel Hohensaaten-Finow. "Wenn der Pegel dort auf unter sieben Meter sinkt, sind wir glücklich."

Besonders überwacht wird Kostrzyn (Küstrin). "An dieser Stelle sind Beobachtungsposten eingerichtet, da hier die Warthe in die Oder fließt", sagt Seyfarth. "Die Warthe ist immer noch auf einer Länge von ungefähr 70 Kilometern vereist." Die bis zu zwei Metern Höhe aufgeschobenen Eisschollen werden nach und nach brüchig. Sollten sich große Eisteile lösen und in die Oder treiben, dann kann das die Situation mit einem Schlag verschärfen", sagt Seyfarth. "Prognosen über die Folgen lassen sich nur schwer abgeben."

Tag und Nacht auf den Deichen

Der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, sagt einen Wasseranstieg auf der Oder um mindestens 80 Zentimeter voraus. Aber auch an Land kämpfen die Menschen gegen die Fluten. Täglich seien rund 150 Kräfte der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerkes im Einsatz. "Rund um die Uhr beobachten Deichläufer die Ufer der Oder", sagt Seyfarth. "50 tagsüber, 50 nachts." In Hohensaaten liegen 40 000 Sandsäcke bereit, in Altreetz im Oderbruch sind es 25 000 Stück. "Die werden nach und nach befüllt und sofort bei Schadstellen eingesetzt", sagt Seyfarth. "Zum Sicherstellen, dass das Wasser sich bei Löchern und Rissen nicht völlig ungehindert ausbreitet, werden schnell mal 500 bis 1000 Säcke benötigt."

Auch die Nebenflüsse Bober und Lausitzer Neiße sorgen für steigenden Wasserstände der Oder. Im Süden Brandenburgs lassen die Zuflüsse aus Sachsen die Flüsse anschwellen. Für die Schwarze Elster wurde die niedrigste Alarmstufe 1 ausgerufen. Diese gilt auch auf einigen Abschnitten der Spree. Zu deren Entlastung steht die Talsperre Spremberg zur Verfügung. Die Alarmstufe 1 wird zu Beginn der Ausuferung der Gewässer ausgerufen. Stufe 2 gilt bei der Überflutung von Grünland und forstwirtschaftlichen Flächen und die Ausuferung bis an den Deichfuß. Bei Alarmstufe 3 sind einzelne Grundstücke, Straßen oder Keller überflutet und die Wasserstände sind am Deich auf halber Deichhöhe.

Für Meldungen und Fragen zum Hochwasser der Oder in Märkisch-Oderland hat der Landkreis ein Bürgertelefon geschaltet: Tel. 0334/685 01 11