Stadtplanung

Star-Architekten planen in Mitte ihr neues Büro

Das renommierte Architektenbüro Graft will ein Designhaus für mehrere Kreativfirmen auf dem landeseigenen Grundstück Ackerstraße 28 in Mitte bauen. "Wir wollen dort arbeiten und wohnen und ein vorbildliches Beispiel für innerstädtisches Bauen geben", sagt Thomas Willemeit, einer der drei Graft-Geschäftsführer. Er hat das Vorhaben im Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks Mitte vorgestellt.

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Die Star-Architekten von Graft haben das Hotel "Q" in Charlottenburg entworfen, eine Villa von Brad Pitt in Los Angeles, und planen mit dem Hollywood-Star ein Hotel in Dubai. Graft hat Büros in Berlin, Los Angeles und Peking. Das Unternehmen will mit seinen 60 Mitarbeitern aus Tiergarten an die Ackerstraße ziehen. Möglicherweise würden auch Kräfte aus Los Angeles nach Berlin kommen, kündigte Willemeit an. Im Gebäude soll auch die Jette GmbH einziehen. Modedesignerin Henriette Joop will ihre Firma von Hamburg nach Berlin verlegen. Genaue Pläne für den Neubau gebe es noch nicht, sagt Willemeit.

Zunächst will die Baugruppe Graft und Joop das Grundstück in Mitte vom Liegenschaftsfonds erwerben. "Wir haben ein Kaufangebot unterbreitet", sagt Fonds-Geschäftsführer Holger Lippmann. Er rechne damit, dass es noch im ersten Quartal zur Vertragsunterzeichnung kommt.

Dagegen protestieren Mittes Bezirkspolitiker. Verordnete und Bezirksamt wollen das Areal Ackerstraße 28 als Tauschobjekt, um soziale Projekte im Haus Brunnenstraße 183 zu erhalten. Dort sind der sogenannte Umsonstladen und ein Wohnprojekt ansässig. Beides möchte der dortige Grundstückseigentümer, ein Arzt aus Passau, loswerden, weil er das Gebäude zum Mehrgenerationenwohnhaus umbauen will.

Er wäre jedoch bereit, sein Projekt auf dem Grundstück Ackerstraße 28 zu verwirklichen, wenn ihm die Fläche verkauft würde. Er würde im Gegenzug das Areal Brunnenstraße 183 an die bisherigen Nutzer veräußern. Dieser langwierig ausgehandelte Deal scheint nun geplatzt. Der Steuerungsausschuss des Liegenschaftsfonds habe den Vorschlag des Bezirksamtes Mitte abgelehnt und für den direkten Verkauf der Ackerstraße 28 an die Baugruppe Graft und Jost entschieden, teilt Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) mit.

"Wir sehen es nicht gern, dass Joop und Graft in die Ackerstraße kommen", sagt Annette David, SPD-Fraktionsvize in der Bezirksverordneten-Versammlung. Die Fraktionen von SPD, Linken und Grünen hatten im Dezember 2008 einen offenen Brief an Henriette Joop geschrieben und sie gebeten, sich ein anderes Grundstück in Mitte zu suchen. Die Designerin habe nicht auf das Schreiben reagiert, sagt David. Architekt Willemeit lehnt einen anderen Standort ab. "Wir haben lange nach einem geeigneten Grundstück gesucht", sagt der Graft-Geschäftsführer. Es sei die beste Fläche. "Unsere Kinder gehen in dieser Gegend in die Kita und in die Schule und wollen dort bleiben." Es sei unvorstellbar für Graft, an einen Gewerbestandort, zu ziehen.

Neben Graft und Joop will sich der Deutsche Chorverband ansiedeln. Er möchte auf dem Nachbargrundstück, Invalidenstraße 5, ein Zentrum mit Probensälen, Übungsräumen, Büros und Veranstaltungssaal etablieren. Auch der Chorverband hat ein Kaufangebot vom Liegenschaftsfonds bekommen. Die Baugruppe Graft und Joop ist mit dem Verband über eine gemeinsame Entwicklung der beiden Flächen im Gespräch.