Verkehr

Bahn-Reisende sitzen stundenlang fest

Reisende der Bahn haben in der Region Berlin-Brandenburg auch über den Jahreswechsel hinweg erhebliche Beeinträchtigungen hinnehmen müssen. "Wir fahren - aber oft mit Verspätungen", sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn AG. Besonders betroffen war am Silvestermorgen die Strecke von Berlin nach Dresden wegen eines Oberleitungsschadens zwischen Baruth (Teltow-Fläming) und Golßen (Dahme-Spreewald). Am Neujahrstag verlief der Bahnverkehr dagegen mit nur geringeren Verspätungen.

Auf der Strecke von Berlin nach Dresden saßen Silvester rund 70 Reisende stundenlang fest. Auch Ersatzbusse konnten zunächst nicht eingesetzt werden - nach Angaben der Bahn wegen Straßenglätte. Erst Stunden später konnten die Gestrandeten per Bus nach Dresden gebracht werden. Der Zug blockierte bis in den Abend die Strecke Berlin-Dresden. Die Bügel zu der defekten Oberleitung müssten abgebaut werden. Der Fernverkehr wurde zwischenzeitlich über Jüterbog (Teltow-Fläming) umgeleitet. Im Schnitt hatten die Züge im Nah- und Fernverkehr 30 Minuten Verspätung.

Ob der Schaden an der Oberleitung durch das Wetter verursacht wurde, war zunächst unklar. Witterungsbedingt waren dagegen Probleme auf der Strecke zwischen Beelitz (Potsdam-Mittelmark) und Jüterbog (Teltow-Fläming). Dort fielen die Züge der Märkischen Regiobahn bis zum Nachmittag aus. Acht umgestürzte Bäume hatten die Gleise blockiert. "Sie sind unter der Schneelast zusammengebrochen", sagte eine Bahn-Sprecherin. Es wurde vorübergehend ein Pendelverkehr mit Bussen für die Reisenden eingerichtet.

In Berlin formulierte es eine S-Bahn-Sprecherin mit einem Vergleich: "Bei einem Kranken müsste man sagen, es geht den Umständen entsprechend gut." Es fuhren Züge, wenn auch fast nur im 20-Minuten-Takt - lediglich die Ringbahnen kamen alle zehn Minuten. Insgesamt waren 228 sogenannte Viertelzüge im Einsatz statt der gemäß S-Bahnvertrag zugesicherten 562. Die Folge waren während der gesamten Silvesternacht: volle Züge, Gedränge an den Gleisen, Fahrgäste, die auf den zweiten oder dritten Zug warten mussten, bis sie einsteigen konnten.

Vor diesem Hintergrund kritisiert Jens Wieseke vom Fahrgastverband Igeb die Preiserhöhung um 2,8 Prozent. Ein Einzelticket kostet mit 2,30 Euro seit dem 1. Januar 20 Cent mehr und die Monatskarte nun 74 statt 72 Euro. "Es ist schlicht das falsche Signal zur falschen Zeit", sagt er. Der Verband habe schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass eine Preiserhöhung mitten im Winter sehr schlechtes Timing bedeuten würde. "Vielmehr sollte sich die Bahn noch ein weiteres Mal entschuldigen bei den Fahrgästen und Freimonate anbieten."

Für den 2. Januar hatte das Unternehmen zudem eine weitere Ausdünnung des Fahrangebotes angekündigt. Ab dann sollen voraussichtlich etwa 200 Viertelzüge auf die Schiene gebracht werden. Das bedeutet im Einzelfall, dass die Streckenabschnitte Strausberg-Strausberg Nord, Spandau-Westkreuz, Wartenberg-Springpfuhl und Hennigsdorf-Schönholz überhaupt nicht bedient werden. Zwischen Hennigsdorf, Tegel und Wilhelmsruh sowie zwischen Strausberg und Strausberg Nord sollen Busse fahren.

Der Fahrgastverband rät Berlinern, in den kommenden Wochen die S-Bahn zu meiden. "Nur so kann erreicht werden, dass genug Platz für diejenigen in der Bahn ist, die keine andere Möglichkeit haben." Viele könnten auf Umwegen oder mit Hilfe der U-Bahn oder Bussen zum Ziel kommen. Das gelte auch für Fahrgäste, die zum Flughafen Schönefeld fahren wollen. Ein Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sagte der Berliner Morgenpost, dass derzeit alle verfügbaren BVG-Fahrzeuge im Einsatz seien.

Grund für die erheblichen Einschränkungen im Berliner S-Bahn-Verkehr ist ein Wartungs- und Instandhaltungsstau an den Zügen, der durch die extremen Temperaturen noch verschlimmert wird. So hat es nach Bahnangaben seit dem 1. Dezember über 1000 Antriebsstörungen gegeben. Deshalb mussten 220 Motoren ausgetauscht werden.

Doch nicht nur in Berlin steigen die Ticketpreise an. Für das ABC-Ticket (Berlin und Umland) müssen die Fahrgäste künftig monatlich statt 88,50 Euro 91 Euro zahlen, also ebenfalls 2,8 Prozent mehr. In den kreisfreien Städten in Brandenburg wird der Preis für einen Einzelfahrschein (AB) einheitlich von 1,20 auf 1,30 Euro erhöht. Für Monatskarten in Potsdam, Brandenburg/Havel, Frankfurt (Oder) und Cottbus müssen Fahrgäste zwischen 1,4 und 3,9 Prozent mehr zahlen.

Eine positive Meldung gibt es noch von der BVG: Mehr als 100 Mitarbeiter werden mit neuer Dienstkleidung ausgestattet. "Die neuen Jacken sehen zusammen mit dem Basecap einfach moderner aus und sind dem Zeitgeist angepasst", sagt Klaus Wazlak von der BVG. "Außerdem waren die alten Jacken auch schon etwas verschlissen." Sollte der Testlauf erfolgreich sein, sollen alle Mitarbeiter neu eingekleidet werden.