Berliner Morgenpost: Frau Kaiser, sehen Sie eine größere Chance für Rot-Rot als nach der Wahl 2004?
Kerstin Kaiser: Ja. Es gibt für Rot-Rot eine realistische Chance. SPD und Linke stimmen in ihren Programmen vielfach überein. 50 000 Wählerinnen und Wähler haben uns dieses Mal mehr gewählt. 91 Prozent unserer Anhänger möchten, dass wir Regierungsverantwortung übernehmen, damit aus unserem Wahlprogramm Politik wird.
Berliner Morgenpost: SPD-Fraktionschef Günter Baaske hat Mindestlohn und Schüler-Bafög für unverhandelbar erklärt. Für Sie kein Problem, oder?
Kerstin Kaiser: Die SPD wird mit uns bei Mindestlohn und Schüler-Bafög kein Problem haben, mit der CDU schon. Das ist das Problem, das die Union hat. Die Linke stellt keine K.o.-Kriterien in den Vordergrund: Wir wollen die Möglichkeiten für sozial gerechte Politik für die nächsten fünf Jahre ausloten.
Berliner Morgenpost: Was ist mit dem Braunkohleabbau?
Kerstin Kaiser: Der von uns verlangte Ausstieg aus der Braunkohleverstromung bis 2040 wird nicht Bestandteil des Koalitionsvertrags sein, denn der gilt nur bis 2014. Uns ist aber eine klare Weichenstellung wichtig. Wir wollen einen Energiemix - und einen öffentlichen Energie-Dialog. Uns ist klar, dass jetzt noch 10 000 Arbeitsplätze von der Braunkohle abhängen. Es braucht einen Strukturwandel.
Berliner Morgenpost: Trägt die Linke den Sparkurs mit?
Kerstin Kaiser: Wir werden aufpassen, dass der von Gelb-Schwarz angekündigte radikale Sozialabbau durch die Landesregierung nicht mitvollzogen wird. Auch wir haben die Finanzen im Blick, allerdings brauchen wir Arbeit, von der man leben kann, und mehr öffentlich finanzierte Beschäftigung.
Berliner Morgenpost: Ihre Stasi-Vergangenheit lässt viele in der SPD skeptisch gegenüber Rot-Rot sein. Bestehen Sie auf einem Ministeramt?
Kerstin Kaiser: Über Personalien wird zum Schluss gesprochen. Klar ist: Ich bin die Verhandlungsführerin der Linken. Ich habe zum dritten Mal mein Direktmandat gewonnen. Und die Linke hat unter mir als Spitzenkandidatin ein gutes Ergebnis eingefahren.