Entscheidung verschoben

Gnadenfrist für Lügenmuseum in Gantikow

Ursprünglich sollte im Lügenmuseum in Gantikow bei Kyritz bereits vor einer Woche Schluss sein. Freunde und Liebhaber des wohl ungewöhnlichsten Museums Brandenburgs kamen, um Abschied vom singenden Fisch, von van Goghs abgeschnittenem Ohr und Theodor Fontanes moosbewachsenem Wanderschuh zu nehmen.

Doch der Abgesang war wohl verfrüht. "Wir haben dem Zwangsverwalter ein Angebot gemacht, das zumindest Sicherheit bis Ende Oktober verspricht", sagt der Kyritzer Bürgermeister Hans-Joachim Winter (CDU). Die Offerte der Stadt, vorübergehend Miete und Betriebskosten für das hoch verschuldete Museum zu übernehmen, sei zwar noch nicht schriftlich bestätigt, gleichwohl sei man zuversichtlich. "Uns ist eine wohlwollende Prüfung zugesagt worden", sagt Winter. Damit hat vor allem Museumsdirektor Reinhard Zabka eine Gnadenfrist in einer Zitterpartie erhalten, die seit Jahren andauert. Rund 15 000 Euro Mietschulden soll der aus Thüringen stammende Künstler für die Nutzung des sanierungsbedürftigen Gutshauses in der Prignitz begleichen. "Mit den Einnahmen aus dem Museum komme ich gerade auf Hartz-IV-Niveau. So viel Geld kann ich niemals aufbringen", sagt der 60-Jährige.

Das Lügenmuseum in Gantikow ist eine Ideensammlung im Stile des Dadaismus. Es umfasst zwölf Räume auf insgesamt 400 Quadratmetern. Für sein Lügenmuseum sammelte Zabka schon in den 80er-Jahren erste Exponate.

Mit dem Lügenmuseum würde nach 20 Jahren Bestehen ein Brandenburger Unikat verschwinden. Rund 6000 Gäste besuchen jährlich die nicht ganz ernst gemeinte Ausstellung.