Betrieb eingestellt

Letzte Klappe für Filmschule in Babelsberg

Die Entwicklung des Medienstandorts Babelsberg hat einen Rückschlag erlitten: Die vor gut einem Jahr gegründete Babelsberg Film School (BFS) hat ihren Betrieb eingestellt.

Der Studiengang "Digital Film Design" wird nun als Teil des Studienprogramms der privaten Berliner Mediadesign Hochschule angeboten. Diese ist bislang Träger der BFS.

Das Wissenschaftsministerium des Landes Brandenburg hatte für "weitere Zugeständnisse" an die BFS keine Chance mehr gesehen. "Wir hatten zuletzt eine Verlängerung der befristeten staatlichen Anerkennung von drei auf fünf Jahre angeboten, dazu den einstweiligen Verzicht auf eine Bankbürgschaft, sofern die Studierenden im Vertrag auf mögliche Risiken für den Fortbestand ihres Ausbildungsangebotes hingewiesen werden. Darauf kam aber keine Reaktion des Anbieters", sagte Ministeriumssprecher Holger Drews gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Den letzten Kontakt zur BFS habe es im Dezember vergangenen Jahres gegeben. "Der Antrag liegt noch bei uns. Er ist formal noch nicht zurückgezogen worden", sagte Drews. Der Verlust des Angebots in Babelsberg sei bedauerlich, habe aber offenbar nicht mehr vermieden werden können. "Gerade im Interesse der Studierenden müssen wir auf Mindeststandards bestehen, etwa auf eine absehbare Anerkennung der Bildungseinrichtung und der Studiengänge durch den Wissenschaftsrat", so Drews.

Nachfolger der Elstaler Schule

Vonseiten des Trägers war gestern kein Verantwortlicher für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Mediadesign Hochschule hatte in den vergangenen Monaten versucht, die BFS als Nachfolgeeinrichtung der aus finanziellen und formalen Gründen zuvor ebenfalls gescheiterten German Film School (GFS) in Elstal aufzubauen. Unterstützung erhielt die BFS auch vom Filmdienstleister Studio Babelsberg AG. Das international erfolgreiche Unternehmen hatte die Neugründung finanziell und logistisch unterstützt - unter anderem, um langfristig fachspezifischen Nachwuchs vor Ort ausbilden und binden zu können.

An der BFS konnten Studenten in einer gebührenpflichtigen Ausbildung hochspezialisierte Kenntnisse in der Erzeugung und Verarbeitung digitaler Filmeffekte erwerben. Das Angebot war in dieser Form nahezu einzigartig in Deutschland. Seit April haben sich Medienberichten zufolge an der Mediadesign Hochschule in Berlin ein Dutzend neuer Studierender für das bisherige Babelsberger Fach eingeschrieben. Zudem soll der Antrag auf Anerkennung des Studienganges "Digital Film Design" nun bei der Senatsverwaltung für Wissenschaft gestellt werden. Für die Studierenden ändert sich - abgesehen vom neuen Studienort - nicht viel. Sie können in Berlin ihren Abschluss machen. Der ist in der Branche hoch angesehen.

Das Scheitern des Angebots in Babelsberg bedauert auch das brandenburgische Wirtschaftsministerium. Es hatte sich im vergangenen Jahr maßgeblich für den Start der BFS eingesetzt. Zuletzt hatte es intensiv mit dem Wissenschaftsministerium über Möglichkeiten des Weiterbetriebs gesprochen - offenbar vergeblich. "Diese Komplettierung des Angebots in Babelsberg zu erhalten, wäre schön gewesen. Doch am Ende ist das Sache der Kollegen im anderen Ressort", sagte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Alexander Gallrein. Zu Details über die Gespräche wollte er sich nicht äußern. "Wir sind zumindest froh, dass das Angebot angesichts des internationalen Konkurrenzdrucks in der Medienbranche wenigstens in der gemeinsamen Region Brandenburg-Berlin geblieben ist", so Gallrein.

Potsdams Medienbeauftragter Gerhard Bergfried sieht einen Verlust bei der geplanten Zusammenarbeit der BFS-Studenten mit Studio Babelsberg und der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf". "Gerade die räumliche Nähe zu diesen Häusern hatte ja einen Charme. Das ist so einfach nun nicht mehr möglich", so Bergfried.

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