Brandenburg erleben

Mit dem Floß direkt in den Wilden Westen

Hier wird Minimalismus zum Programm. Alles Nötige ist vorhanden, aber ein Hauch von Abenteuer und gewollter Bescheidenheit bleibt.

Christian Schneider und Patrick Kalupa setzen beim Konzept für das Unternehmen Rent a Floss ( www.rentafloss.de ) in Ringsleben bei Fürstenberg (Landkreis Oberhavel) auf Natur pur. Einfach ausgestattet, mit einem kleinen führerscheinfreien Fünf-PS-Außenborder versehen und wetterfest sind ihre Flöße: Naturverbundene Romantik à la "Huckleberry Finn".

Die selbst konzipierten und gebauten Wohnflöße haben auch die Jury des diesjährigen Tourismuspreises des Landes Brandenburg überzeugt. Gelobt wurden die Qualität und die variablen Einsatzmöglichkeiten der schwimmenden Unterkünfte. Die Jury bescheinigte den Unternehmern ein stimmiges Konzept und ehrte sie mit dem dritten Preis. "Das ist eine tolle Werbung für uns", sagt Patrick Kalupa.

Begonnen hatte alles im Jahr 2007 mit zwei Flößen. Inzwischen sind es vier, zwei weitere sollen noch in diesem Jahr hinzukommen. Bei vier Personen sind in der Hauptsaison pro Tag mit Übernachtung insgesamt 95 Euro und damit 23,75 Euro pro Person für das Floß zu zahlen.

Wer auf Tour geht, für den haben die Unternehmer auch gleich Routenvorschläge parat. "Eine interessante Strecke führt nach Templin", sagt Kalupa. Nach einer guten Tagesfahrt - zwei Schleusen sind zu überwinden, eine davon handbetrieben - ist man direkt im Wilden Westen, im Westernpark "El Dorado" am Templiner Röddelinsee. Ebenfall per Floß zu erreichen ist der Ziegeleipark Mildenberg.

Wer sich im Land Brandenburg für einen Urlaub auf dem Floß entscheidet, wird inzwischen an vielen Stellen fündig. Erst seit einem Jahr im Geschäft sind Christiane und Ingo Dierich in der Stadt Brandenburg. "Havelfloß" haben sie ihr Unternehmen an der Altstädtischen Fischerstraße genannt, zu dem neben vier Flößen u. a. auch eine Pension mit neun Zimmern gehört ( www.pension-havelfloss.de ).

"Die erste Saison lief gut", freut sich die Chefin. Auch 2009 lassen sich gut an. Viele Berliner nutzten die Gelegenheit, um Brandenburg an der Havel von der Wasserseite zu erleben, oder um die Umgebung von Floß aus zu erkunden. Besonders an den Wochenenden gebe es eine starke Nachfrage, so Christiane Dierich. Die Internet-Seite gibt einen Überblick zu den noch freien Terminen.

Von der Ostsee ins Märkischen verschlagen hat es Ulrich Horstkott. Der Kieler hat sich in Molchow bei Neuruppin mit dem Floßverleih "Treibgut" selbstständig gemacht ( www.flossverleih-treibgut.de ). Seine Gäste schätzten besonders die Ruhe der Ruppiner Gewässer, fernab von jeglichem Schiffs-Durchgangsverkehr.

Die Flößerstadt in Brandenburg schlechthin ist Lychen in der Uckermark. Hier wird nicht nur jährlich zum Flößerfest geladen (31. Juli bis 2. August), auch das Flößereimuseum lohnt einen Besuch. Die Flößerei in Lychen kann bis auf das Jahr 1720 zurückverfolgt werden. Die wald- und seenreiche Umgebung bot dafür ideale Voraussetzungen. Wer an einer öffentlichen Floßtour teilnehmen möchte, kommt bei den Fahrten von "Treibholz" ( www.treibholz.com ) auf seine Kosten. Die Touren finden bis September jeweils samstags und sonntags um 15 Uhr statt. In den Monaten Juli und August legen die Föße auch mittwochs, donnerstags und freitags ab.