Grabungen

Suche nach Massengrab in Jamlitz geht weiter

Die Suche nach dem vermutlich bundesweit größten Massengrab jüdischer KZ-Opfer außerhalb der einstigen Hauptlager beginnt morgen in Jamlitz (Dahme-Spreewald).

Das rund 5000 Quadratmeter große Grundstück gelte als "Hauptverdachtsfläche" für das Massengrab von 753 jüdischen Häftlingen des Außenlagers Lieberose, die Anfang Februar 1945 von der SS erschossen wurden, teilte das Potsdamer Innenministerium gestern mit.

Die Grabungen seien nun möglich, weil das Amt Lieberose/Oberspreewald im Herbst 2008 eine zuvor jahrelang erfolglos angestrebte Einigung mit dem Grundstückseigentümer erzielt hatte. Der Beginn der Suchaktion fällt zusammen mit dem 64. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge des KZ Sachsenhausen. Ein Außenlager dieses Konzentrationslagers war zwischen 1943 und 1945 in Jamlitz. In dem Ort werden bis heute die Überreste von mehr als 700 vor allem ungarischen Juden vermutet, die kurz vor der Räumung des Lagers ermordet wurden. Die Landesregierung hatte bisher vergeblich rund 20 Teilflächen untersuchen lassen. Danach erhärtete sich der Verdacht, dass sich das Massengrab auf dem Privatgrundstück befinden könnte.

Jahrelang verhinderte der Grundstückseigentümer den Beginn der Grabungen. Vor dem Oberlandesgericht Brandenburg konnte erst im vergangenen Herbst eine Einigung getroffen werden. Über Einzelheiten war Stillschweigen vereinbart worden. Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, hatte die Einigung begrüßt, zugleich jedoch Zorn über den Grundstückseigentümer geäußert. Nach einem Gutachten der Stiftung sind aufgrund eines Befehls zur Evakuierung und Ermordung nicht marschfähiger Gefangener vom 31. Januar 1945 kurz danach in Jamlitz mehr als 1300 Menschen getötet worden. Die sterblichen Überreste von knapp der Hälfte der Opfer wurden in den Jahren 1959 und 1971 in einer Kiesgrube bei Staakow (Dahme-Spreewald) gefunden.