Beelitz

Die Sonne lässt den Spargel sprießen

Feinschmecker fiebern alljährlich im April dem Termin entgegen - dem offiziellen Beginn der Spargelernte. Nun ist es wieder soweit: Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Dietmar Woitke (SPD) eröffnet heute um 10 Uhr an der Bockwindmühle in Beelitz die Spargelsaison.

- Strahlender Sonnenschein und Wärme sorgen dafür, dass die bleichen Stangen seit Tagen kräftig sprießen. Die Hofläden und Verkaufsstände an den Straßen haben volle Kisten und erwarten die Berliner Käufer.

So ein idealer Start war noch vor Wochen nicht zu erwarten. Es war noch kalter Winter, als sich während der "Grünen Woche" die Spargelbauern bei einem Glas Bier trafen, um die Vermarktung des Edelgemüses zu planen. Und auch der Minister schaute vorbei, den Terminkalender in der Tasche. In der Regel wird etwa fünf Tage vor oder nach dem 20. April die brandenburgische Spargelsaison im Beelitzer Raum eröffnet - in diesem Jahr sollte es der 16. April sein. Teilweise beginnen - je nach Wetterlage - die Spargelbauern auch schon bis zu zwei Wochen vorher mit dem Stechen. Dank der Folienabdeckungen wird die für das Wachstum nötige Wärme besser aufgenommen und im Boden gehalten, wodurch sich die gesamte Erntezeit verlängert. Nach wie vor aber endet sie am 24. Juni. Dann können die Stauden herauswachsen und sich regenerieren.

Manfred Schmidt, Sprecher des Beelitzer Spargelvereins, erwartet ein gutes Spargeljahr: "Wir haben einen vielversprechenden Start, denn der erste Schub ist der Wichtigste. Auch wenn es in den nächsten Tagen etwas kühler wird, sprießen die Stangen weiter, denn der Boden hat die Wärme gespeichert."

Nicht nur das Wetter spielt mit, auch die osteuropäischen Erntehelfer interessieren sich verstärkt für die Arbeit auf den brandenburgischen Feldern. Nachdem sie in den vergangenen Jahren teilweise in andere Länder abgewandert waren und manche Spargelfelder stillgelegt werden mussten, weil es an Erntehelfern mangelte, kehren sie nun zurück. "Wir hatten in diesem Jahr doppelt so viele Anfragen wie Arbeitsplätze", berichtet Jürgen Jakobs, stellvertretender Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins. Als Folge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise sind der starke Eurowechselkurs und der deutlich niedrigere Kurs des britischen Pfundes ein Grund für die neue Attraktivität Brandenburgs. "Polnische Arbeitnehmer, die gut bezahlte Arbeit in England oder Irland hatten, kommen jetzt wieder zu uns zurück", sagt Jakobs. Außerdem schlügen dort die höheren Lebenshaltungskosten gerade für die polnischen Saisonarbeiter stark zu Buche. Brandenburgs Nähe zu den heimischen Versorgungsquellen machen diese Arbeitsstellen zusätzlich attraktiver. Rund 2500 bis 3000 Erntehelfer aus Polen, Rumänien, Bulgarien, Kroatien und der Ukraine arbeiten auf den brandenburgischen Spargelfeldern. Zirka 15 Prozent der zeitweise Beschäftigten stammen aus Deutschland - sie sind aber eher im Verkauf tätig.

Während im vergangenen Jahr Saisonkräfte nur Verträge über vier Monate abschließen konnten, wurde im Dezember eine Verordnung verabschiedet, nach der die Vertragslaufzeit auf maximal sechs Monate festgesetzt ist. Für die landwirtschaftlichen Betriebe immer noch zu kurz, da auf die Spargelsaison weitere Obst- und Gemüseernten folgen. Nach Wunsch der Bauern sollten die saisonalen Arbeitskräfte bis zu neun Monate in Deutschland arbeiten dürfen.

Über die im Vergleich zum Vorjahr etwas niedrigeren Preise können sich die Kunden freuen. Noch vor einer Woche kostete ein Kilo bis zu 13 Euro, inzwischen liegt der Kilopreis dank der sommerlichen Temperaturen bei sechs bis acht Euro - im Vorjahr waren es deutlich über zehn Euro.

Kein anderes Gemüse hat eine solche "Erfolgsstory" wie der Spargel. Von Jahr zu Jahr wurde die Anbaufläche vergrößert, aber auch der Ertrag pro Hektar stieg an. Es werden leistungsstärkere Sorten eingesetzt und auch die Anbautechnik hat sich verbessert. Der Raum Beelitz ist das größte zusammenhängende Spargelanbaugebiet Deutschlands. Brandenburg liegt bei der Spargelproduktion bundesweit an dritter Stelle.

"Der spargeltypische Geschmack ist bei den Beelitzer Produkten besonders gut ausgeprägt", schwärmt Manfred Schmidt vom Beelitzer Spargelverein. Der leichte, sandige Boden mit seinen unterschiedlichen Lehmanteilen bietet fast ideale Verhältnisse an. Aufgrund der kurzen Wege ist zudem die Frische der Spargelstangen garantiert.

Die Beelitzer Spargelstraße hat sich zudem als Marketingerfolg etabliert. Inzwischen sind die Höfe nicht nur landwirtschaftliche Betriebe, sondern touristische Anziehungspunkte. Sie kombinieren das gastronomische Angebot und die Direktvermarktung mit Naturerleben, Unterhaltung und sportlicher Betätigung wie Reiten.

Auch in der Prignitz und in Ostprignitz-Ruppin gibt es vereinzelt Spargelbauern. Ihre Adressen sind auf der Seite des Landesverbandes Gartenbaus Brandenburg unter www.gartenbau-brandenburg.de zu finden.