Galopprennbahn

Hoppegarten lädt zur Saisoneröffnung

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Matthias Brzezinski

Kreischende Geräusche von Kettensägen, das Rasseln von Planierraupen, an- und abfahrende Baufahrzeuge, schier unzählige Telefonate, Gespräche mitbesorgten Umweltschützern, verärgerten Anliegern, Anfragen, Beschwerden - und doch beginnt die 141. Saison auf der Galopprennbahn Hoppegarten.

Ab Ostersonntag 13 Uhr öffnen die Tore, um 14.15 öffnen sich die Startboxen zum ersten von insgesamt acht Rennen. "Wir gehen mit Zuversicht in das Rennjahr", sagt Besitzer Gerhard Schöningh und lächelt. Dabei ist dem 47-jährigen ehemaligen Investment-Banker der Stress der Umbau- und Restrukturierungsarbeiten anzusehen - auch wenn es ihm mühelos gelingt, jedem Gesprächspartner lebensbejahend ins Gesicht zu schauen. Heute darf er den Stress für ein paar Stunden vergessen. Der gebürtige Krefelder ist ein Turf-Profi, hat ("in Besitzergemeinschaften") acht Galopper in seiner Wahlheimat England stehen und träumt den Traum, die schönste Bahn Deutschlands zurück in die 20er- und 30er-Jahre zu führen.

800 Pferde in den Ställen

Damals war Berlin das Galopp-Mekka Deutschlands, vier Bahnen (Hoppegarten, Karlshorst, Grunewald und Strausberg) wurden betrieben, zwei Traberstrecken (Mariendorf und Ruhleben) kamen dazu. Allein in Hoppegarten standen bis zu 800 Pferde, die an rund 20 Renntagen bewegt wurden. Seit am 17. Mai 1868 unter den obligatorisch strengen Blicken von Kaiser Wilhelm I. und seines Reichskanzlers Otto v. Bismarck der erste Start erfolgt war, war "die Bahn im Grünen" eine Erfolgsgeschichte.

"Wir wollen an diese Zeiten wieder anknüpfen, weil wir von den Möglichkeiten unseres Sports und der Anlage überzeugt sind", sagt Schöningh und belässt es nicht bei Lippenbekenntnissen. Nach jahrelangen Wirren um Besitzverhältnisse und der damit verbundenen Unsicherheit über den Fortbestand, investierte der "Galoppfan aus Leidenschaft" allein 2008 rund 800.000 Euro in die Sanierung der historischen Tribünen, der sanitären Anlagen, in Stallungen und auf den Trainingsbahnen. "2009 werden es weitere 900.000 sein", stellt Schöningh in Aussicht.

Treffpunkt für alle

Das Erlebnis Sport und Natur und der große individuelle Spielraum einen schönen Tag zu verleben, soll künftig die Menschen nach Hopegarten ziehen. "Menschen, die in entspannter Atmosphäre Geschäfte und Unterhaltung miteinander verbinden wollen, genau wie die Familie, die unbeschwert einen sechsstündigen Kurzurlaub verleben will, sind willkommen. Wir wollen jedem etwas bieten, das zum Wiederkommen animiert", legt sich Gerhard Schöningh die Latte bewusst hoch. "Um das zu erreichen, müssen wir von der VIP-Loge bis zum Familienticket für elf Euro eine ganz breite Angebotspalette vorweisen. Besonderen Wert legen wir auch auf ein ausgewogenes Catering. Von der Rostbratwurst für zwei Euro bis zum Top-Dinner."

Insgesamt stehen 2009 neun Renntage auf dem Programm in Hoppegarten. Höhepunkt ist der Preis der Deutschen Einheit am 3. Oktober. Zur Saisonpremiere 2009 (die Eintrittspreise liegen zwischen vier und 30 Euro) reist Spitzenjockey Filip Minarik (Tschechien) an. Der Champion von 2006 geht in allen acht Rennen an den Start. "Ich bin fit und rechne mir mit Karibiksturm, Burning Love und vor allem Asian Tiger sehr gute Chancen aus", gibt der 34-Jährige allen noch unentschlossenen Wettern eine kleine Tipp-Hilfe.