Finanzierung nicht gesichert

Airport-Express droht weitere Verzögerung

Wer mit der Bahn zum künftigen Großflughafen BBI in Schönefeld fahren will, muss möglicherweise noch länger auf eine schnelle Direktverbindung warten als bislang bekannt. Der Ausbau der Dresdner Bahn zwischen dem Bahnhof Südkreuz und Blankenfelde steht auf einer Liste von Projekten, deren Finanzierung bis 2025 nicht gesichert ist.

Über die Trasse soll der Airport-Express rollen, der Fluggäste aus Berlin in knapp 20 Minuten zum Terminal bringt.

Bahnchef Rüdiger Grube hatte die Liste in der Vorwoche vorgelegt. 1,8 Milliarden Euro jährlich benötigt die Bahn nach eigenen Angaben, um den geplanten Ausbau des bundesweiten Schienennetzes zu realisieren. Die Bundesregierung will bislang nur gut 1,2 Milliarden ausgeben. Lediglich durch Mittel des 2011 auslaufenden Konjunkturpaketes liegt der Etat derzeit noch bei gut 1,6 Milliarden Euro. 46 Projekte des "vordringlichen Bedarfs" seien bundesweit gefährdet, wenn der Bund finanziell nicht aufstockt, hatte Grube betont - darunter die Dresdner Bahn zum BBI.

Deren Planung und Ausbau verzögert sich seit Jahren. Vor 2015/2016 können die Züge ohnehin nicht über die Direktverbindung rollen. Weil auch die Ostanbindung aus Richtung Cottbus frühestens einige Monate nach der Flughafen-Eröffnung (Oktober 2011) fertig wird, fahren zunächst lediglich S-Bahnen, ein stündlicher "Bummelzug" über Potsdam und der langsamere Airport-Express in den Terminal-Bahnhof.

Bis die Dresdner Bahn gebaut ist, müssen die Express-Züge aus Berlin einen Umweg über die Anhalter Bahn nehmen. Knapp 30 Minuten wird die Fahrt dauern.

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sieht die Verbindung daher nur als "Zwischenschritt auf dem Weg zu einer optimalen Anbindung" des BBI. "Die Dresdner Bahn ist langfristig unverzichtbar", sagte gestern VBB-Chef Hans-Werner Franz. Auch angesichts der offenkundigen Unterfinanzierung der bundesweiten Projekte müsse sie "oberste Priorität genießen."

Ob dem Projekt tatsächlich das Aus oder eine jahrelange Verzögerung droht, ist eine Frage, die der Bund beantworten muss. Die von Grube aufgemachte Rechnung stelle lediglich den Status quo dar, sagte ein Bahnsprecher. "Letztlich entscheidet das Bundesverkehrsministerium, welche Investitionsmittel in welche Projekte fließen."

Hoffung schöpft angesichts der unsicheren Finanzierung hingegen die Bürgerinitiative Dresdner Bahn in Lichtenrade. Sie will verhindern, dass die Strecke oberirdisch durch den Süden Berlins führt und fordert eine Tunnellösung. "Der Flughafen-Shuttle kann in den nächsten Jahren wegen fehlender Mittel nicht realisiert werden", sagte ein Sprecher der Initiative und forderte, das gesamte Genehmigungsverfahren zu stoppen. Bereits mehrfach hatte die Initiative mit Klagen gegen den Bau gedroht.