Zossen

Nazi-Schmierereien: Soko ermittelt

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Nach neuen rechtsextremistischen Vorfällen in Zossen hat das brandenburgische Landeskriminalamt (LKA) die Ermittlungen übernommen und eine Sonderkommission eingerichtet.

Nach Angaben der Kripo wurden am Wochenende in Zossen und Königs Wusterhausen zahlreiche Hakenkreuz-Schmierereien festgestellt, darunter allein 27 in Zossen. Zudem gab es eine Morddrohung gegen ein Mitglied der Bürgerinitiative "Zossen zeigt Gesicht", dessen Geschäft mit dem Spruch "Du wirst sterben" beschmiert wurde. Es war die zweite Morddrohung gegen ein Mitglied der Bürgerinitiative.

In Königs Wusterhausen wurden unter anderem vier Stolpersteine mit Hakenkreuzen geschändet. Bereits am Donnerstag hatte in Zossen ein Auto gebrannt, das dem Vater des mutmaßlichen 16 Jahre alten Brandstifters des örtlichen "Hauses der Demokratie" gehört. Hinweise deuteten nach Angaben der Polizei darauf hin, dass neben dem bereits eine Woche nach dem Feuer festgenommenen 16-Jährigen noch fünf weitere Jugendliche zwischen 13 und 23 Jahren an der Brandstiftung beteiligt gewesen sein könnten. Sie seien teilweise der rechten Szene zuzuordnen, teilte das LKA gestern in Eberswalde mit. Vor diesem Hintergrund durchsuchten etwa 25 Beamte drei Objekte in Brandenburg und Berlin. Dabei wurden auch Datenträger sichergestellt, die noch ausgewertet werden müssen.

Das Gebäude der Bürgerinitiative "Zossen zeigt Gesicht" war in der Nacht zum 23. Januar bis auf die Grundmauern abgebrannt. Der Sachschaden wurde auf etwa 200 000 Euro geschätzt. Unterdessen hat der Sprecher der Bürgerinitiative, Jörg Wanke, die Zossener Stadtverwaltung scharf kritisiert. "Wir hatten von Anfang an ein Messer im Rücken", sagte er gestern in Berlin. "Wir werden von der Stadt als Nestbeschmutzer betrachtet, weil wir das Problem des Rechtsextremismus angeblich selbst anziehen." Die Initiative habe es aber "satt, in einer Stadt zu leben, in der Nazis immer häufiger die Bürger im Alltag herausfordern".

Die Stadt Zossen verurteilte die erneuten Vorfälle am Wochenende. Auch die Schändung von vier "Stolpersteinen" zur Erinnerung an in der NS-Zeit deportierte jüdische Bürger zeige auf bedrückende Weise die Auseinandersetzung mit den Themen Antisemitismus und Neonazismus, teilte die Stadtverwaltung mit. Im Zusammenhang mit der Brandstiftung im Januar war Kritik an der zögerlichen Haltung der Stadtverwaltung im Umgang mit dem Thema Rechtsextremismus laut geworden.

( epd/ddp )