Wohnung

Mieten steigen um bis zu 100 Prozent

Als die städtische Wohnungsbaugesellschaft Howoge vor einem halben Jahr 3127 Plattenbauwohnungen im Pankower Ortsteil Buch von der Gesobau kaufte, freuten sich die meisten Mieter. Schließlich weisen die unsanierten Plattenbauten überwiegend noch den Vorwendestandard auf.

Doch die Freude währte nicht lange. Ende vergangenen Jahres erhielten die Mieter Post vom neuen Eigentümer mit der Modernisierungsankündigung. Nach Durchführung der umfassenden Sanierung, so erfuhren die betroffenen Bewohner, wird die Miete drastisch angehoben - um bis zu 100 Prozent.

In den Wohnblöcken an der Walter-Friedrich-Straße, Franz-Schmidt-Straße, Karower Straße oder Schwanebecker Chaussee geht seitdem die Angst um. Denn ein Großteil der Bewohner, darunter viele Rentner und Empfänger von Hartz-IV-Bezügen, werden die Miete nach der Sanierung nicht mehr zahlen können. "Bei uns haben sich viele verunsicherte Mieter gemeldet", sagt Reiner Wild, Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins. "Wir sind fassungslos, dass ein städtisches Wohnungsunternehmen auf diese Weise mit den Mietern umspringt", so der Jurist.

Nach den dem Mieterverein vorliegenden Fällen soll die Miete nach Durchführung einer umfassenden Sanierung mit Wärmedämmung, Fahrstuhlumbau, Heizungsumstellung und Elektroarbeiten um 3,60 bis 3,80 Euro pro Quadratmeter und Monat steigen. Bei einer "80 Quadratmeter großen Wohnung kommen so monatliche Mehrkosten von 300 Euro zusammen", sagt Wild. Nach der Sanierung müssten die Mieter rund 7,25 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete zahlen. "Das sind Werte, die deutlich über der ortsüblichen Vergleichsmiete von durchschnittlich 4,60 Euro liegen", so Wild. Auch die in Aussicht gestellten sinkenden Heizkosten nach der energetischen Sanierung würden die Mietsteigerungen nur geringfügig abfedern: "Die Betriebskosten sollen lediglich von 2,90 Euro pro Monat und Quadratmeter auf 2,20 Euro sinken."

Generell haben Mieter kaum Möglichkeiten, sich gegen die Umlage von Modernisierungskosten zu wehren. Wild: "Es gibt leider keine Obergrenze bei Mieterhöhungen nach Modernisierungen." Ausnahme: Die Modernisierung stellt aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen eine besondere Härte dar oder die Ankündigung ist formell unwirksam. Wilde: "Der Mieterverein ist der Auffassung, dass die Ankündigung der Howoge tatsächlich formell unwirksam ist."

Aufgeschreckt von der harschen Kritik des Mietervereins versprach die Howoge gestern, "die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Mieter zu berücksichtigen", so Howoge-Sprecherin Angela Reute. "In unseren Schreiben an die Mieter haben wir die Maximalmaßnahmen und deren Kosten vorgestellt", so die Unternehmenssprecherin. Darin seien etwa auch neue Bäder inbegriffen. "Mieter, die auf solche Maßnahmen verzichten, zahlen entsprechend weniger." In der kommenden Woche würden Begehungen in den Häusern stattfinden. "Dann können die Mieter uns mitteilen, welche Form der Sanierung sie wünschen." Allerdings: "An der energetischen Sanierung der Häuser führt kein Weg vorbei", so die Sprecherin. Man wolle sich aber an der Obergrenze des Mietspiegels orientieren. Der liegt in dieser Gegend bei einer sanierten Wohnung (60 bis 90 Quadratmeter) bei sechs Euro pro Quadratmeter (kalt). "Die Einsparungen, die sich aus der energetischen Sanierung bei Heizung und Warmwasser ergeben, werden wir zuzüglich berechnen", sagt Reute. Die Howoge ist mit 51 000 Wohnungen eines der größten städtischen Wohnungsunternehmen in Berlin.