Raum der Stille

Konflikt um Kapelle am Flughafen BBI

Die beiden großen Kirchen haben gestern erneut eine christliche Kapelle oder einen christlich geprägten Raum der Stille am künftigen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld gefordert.

Auch wenn Georg Kardinal Sterzinsky und Bischof Markus Dröge ihre Forderungen moderat vortrugen, ist klar, dass hinter der gestern einberufenen Pressekonferenz der beiden Kirchenoberhäupter ein handfester Konflikt mit der staatlichen Flughafengesellschaft steckt. Denn bislang ist der Flughafen von seiner Absicht, einen gemeinsamen, 120 Quadratmeter großen "Ort der Stille" für alle Religionsgemeinschaften in der Mitte des neuen Terminals einzurichten, nicht abgerückt. Bereits im September 2008 hatte der damalige Bischof Wolfgang Huber gegenüber Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) einen Ort in Trägerschaft der beiden christlichen Kirchen gefordert, der ausschließlich Christen vorbehalten ist. Wowereit, der Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist, hatte versprochen, sich für die Belange der Kirchen einzusetzen.

Der Konsistorialpräsident der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Ulrich Seelemann, machte gestern deutlich, dass die beiden christlichen Kirchen einen neutralen Ort der Stille nicht in ihre Trägerschaft übernehmen würden. Der Flughafen müsse schon Mindestanforderungen erfüllen und einen christlich geprägten Ort sowie zwei Büros für je einen katholischen und einen evangelischen Pfarrer bereitstellen und finanzieren. "Wir würden anderen Religionen Gastrecht gewähren, das Kreuz aber ungern abnehmen", sagte Bischof Dröge.

Vorstellbar sei aber auch, dass der 120 Quadratmeter große Raum für eine christliche Kapelle und einen Raum für andere Konfessionen geteilt würde, sagte Seelemann. "Wir erwarten jetzt Vorschläge vom Flughafen." Dort wurde gestern Gesprächsbereitschaft signalisiert. "Angesichts der Internationalität des Flughafens aber halten wir unser Konzept, einen Raum für alle Religionen vorzuhalten, für sinnvoll", sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel.