Millionen-Auftrag für Schuke

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Dieter Weirauch

Die Königin der Instrumente wird jetzt in Werder gebaut. Der Wegzug aus Potsdam und die Investition in die neue Werkstatt waren die "richtigen Entscheidungen für die Zukunft", sagt der Firmenchef in dritter Generation, Matthias Schuke.

Potsdam - Mit dem Guß der ersten Pfeife für den Magdeburger Dom beginnt am Donnerstag in Werder der Bau der bisher größten von der Alexander Schuke Orgelbau gefertigten Orgel. Die neue Königin der Instrumente, die 93 Register, vier Manuale und 6240 Pfeifen haben wird, soll bis 2007 im Dom St. Mauritius und Katharina aufgebaut werden. Preis: 1,7 Millionen Euro.

Bisher wurden die Schuke-Orgeln im Holländischen Viertel in Potsdam gefertigt. Jetzt befindet sich der Sitz der renommierten Firma an der Otto-Lilienthal-Straße in den Havelauen. "Der Umzug von Potsdam nach Werder und die Investition in eine moderne Produktionsstätte waren die einzig richtigen Entscheidungen für die Zukunft der Firma und seit 25 Jahren Wunschtraum", betont der 49jährige Orgelbaumeister Matthias Schuke.

Die Auftragslage für die 32 Mitarbeiter der mehr als hundertjährigen Firma ist gut. Kurz vor Weihnachten konnte in der Franziskanerkirche von Graz in Österreich eine Konzertorgel fertiggestellt werden. Zu den Restaurierungsvorhaben zählen eine seltene Carling-Orgel aus dem Jahre 1705 in Loburg (Sachsen-Anhalt), die Orgel der Suhler Kreuzkirche, aber auch in Erfurt, Hamburg sowie in Marwitz und Neuhardenberg in Brandenburg sind die Restauratoren zu Gange.

In Poznan (Posen) soll 2007 in der dortigen Musikakademie eine Orgel entstehen. In den Domen von Brandenburg/Havel und Schwerin wurden die Orgeln von Wagner beziehungsweise Ladegast restauriert.

Zu den Referenzen der Firma zählt die 1981 im Leipziger Neuen Gewandhaus eingeweihte Konzertorgel, die mit 6638 Pfeifen und 89 Registern noch die derzeit größte von Schuke gebaute Orgel ist. Mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung wird dieses Jahr die Orgel im Dom von Fürstenwalde fertiggestellt, sie stammt aus der Leipziger Thomaskirche. Schuke hatte die Orgel dort 1966 installiert.

Auch in Istanbul steht eine in Potsdam gebaute Orgel. Durch einen Zufall wurde in der Kirche der Deutschen Evangelischen Gemeinde der türkischen Metropole am Bosporus eine bislang verschollen geglaubte Orgel aus der Werkstatt von Carl Eduard Gesell, einer Vorgängerfirma von Schuke, "wiederentdeckt". Ein Freundeskreis bemüht sich um die Restaurierung.

Die Tradition des Orgelbaus in Potsdam begann 1820, als Orgelbaumeister Gottlieb Heise das Unternehmen gründete. 1894 erwarb Alexander Schuke den Betrieb und gründete damit ein erfolgreiches Familienunternehmen. 1933 übernahmen die Schuke-Söhne Karl Ludwig und Hans Joachim die Firma. Von 1953 führte letzterer die Alexander Schuke Orgelbauanstalt Potsdam als alleiniger Geschäftsführer weiter. Knapp 20 Jahre später wurde das Unternehmen wie viele andere in der DDR auch verstaatlicht und hieß fortan "VEB Potsdamer Schuke Orgelbau". Seit 1974 arbeitet mit Matthias Schuke die dritte Generation in dem Unternehmen. "Allerdings war ich zunächst nur Mitarbeiter", sagt er. In der DDR Betriebsleiter zu werden, widerstrebte dem Orgelbauer. Doch 1990 ergriff Matthias Schuke die Chance. Er reprivatisierte das Familienunternehmen und führt seitdem die Geschäfte.

Der Neubau einer Schuke-Orgel kostet zwischen 10 000 Euro und mehreren Millionen Euro. Mittlerweile gibt es mehr als 800 Orgeln des Unternehmens in Kirchen, Kathedralen und Konzerthäusern weltweit.