ICE testet Trasse mit Tempo 255

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Guntram Doelfs und Dieter Salzmann

Berlin - Vier Jahre nach Beginn der Arbeiten startet jetzt in Brandenburg die heiße Phase beim Ausbau der ICE-Strecke Berlin - Hamburg: Vom kommenden Montag an beginnt auf einem Teilabschnitt im Havelland und in einem Teil von Ostprignitz-Ruppin der Probetrieb. "Während der Erprobung werden Testzüge mit bis zu Tempo 255 über die Strecke fahren, um die Sicherheitsreserven zu prüfen", kündigte Bahnsprecher Burkhard Ahlert an.

Bislang gilt auf der Strecke nach Hamburg als Höchsttempo 160 Stundenkilometer. Denn bei der ersten Ausbaustufe in den 90er-Jahren wurde mit Rücksicht auf eine mögliche Transrapid-Trasse darauf verzichtet, sie für höhere Geschwindigkeiten anzulegen. Nach dem Verzicht auf den Transrapid kam die Rolle rückwärts und der Beschluss, Berlin - Hamburg für Tempo 230 aufzurüsten. Im Sommer 2000 begannen die Bauarbeiten für das 500 Millionen Euro teure Projekt, das zum Start des Winterfahrplans am 12. Dezember abgeschlossen sein wird. Danach wird sich die Fahrzeit nach Hamburg um mehr als 20 Minuten auf rund 90 Minuten verkürzen.

Für das neue Spitzentempo mussten umfangreiche Veränderungen an der Strecke vorgenommen werden. So wurden der Gleisoberbau angepasst und neue Signal- und Zugüberwachungstechnik installiert. Zudem ist die Trasse nach dem Ausbau durch neue Tunnel und Überführungen komplett kreuzungsfrei. 17 von insgesamt 18 Brandenburger Bahnübergängen sind bereits beseitigt, der letzte bei Glöwen folgt im November.

Wegen der Tempoerhöhung gibt es auf der Strecke und in den Bahnhöfen verschärfte Sicherheitsmaßnahmen, denn die ICE werden zukünftig durch fast ein Dutzend Bahnhöfe und Haltestellen mit Höchstgeschwindigkeit brausen. Um die Menschen dort zu schützen, wurden Geländer angebracht und besondere Flächen markiert, die den Bahnsteig in eine Warte- und eine Einstiegszone trennen. Letztere darf erst dann betreten werden, wenn ein Regionalzug hält und aus- und eingestiegen wird. Für Wartende könnte nämlich der Sog gefährlich werden, den die ICE-Züge verursachen. Immerhin rasen sie mit 63 Metern pro Sekunde an ihnen vorbei. Ein Zug von 370 Metern Länge braucht für eine Durchfahrt gerade einmal sechs Sekunden.

Aus diesem Grund wird es auch alle 15 Minuten Lautsprecheransagen mit Sicherheitshinweisen geben. Immerhin steigen im am meisten frequentierten Bahnhof an der ICE-Strecke, in Finkenkrug bei Falkensee, täglich 2200 Zugreisende ein oder aus, und der ICE rast quasi mitten durch. 300 Schulen im Bereich der Trasse haben Unterrichtsmaterial über sicheres Verhalten an den Bahnanlagen erhalten.

Damit gibt sich die Bahn aber nicht zufrieden. Zusätzlich wird sie heute auf vier Bahnhöfen über Sicherheitsdetails und den Stand des Streckenausbaus informieren. "Wir haben dazu Streckenplaner und Bundesgrenzschutzexperten vor Ort, die über die neuen Sicherheitsdetails informieren", so Bahnsprecher Ahlert.

Da es sich um die erste Ausbaustrecke für Tempo 230 handelt, befahre die Bahn Neuland. Bisher seien Strecken allenfalls für Spitzengeschwindigkeiten von 200 Stundenkilometer ausgebaut worden. Dafür seien Sicherungsgitter nicht notwendig.