Strahlend schönes Brandenburg: Eine Stifterin machts möglich

Potsdam - Ruth Cornelsen, die Frau des 1989 verstorbenen Verlagsgründers Franz Cornelsen, gilt als Grande Dame der Berliner Stifterlandschaft. Wenn sie nicht an ihrem Arbeitsplatz in der Mecklenburgischen Straße tätig ist, dann ist sie meist in Potsdam oder dem nahen Umland zu finden, wo sie nach "ihren" Projekten schaut und so mancher Kastellan ihr zur Begrüßung spontan einen roten Teppich ausrollen möchte. Warum kümmert sich die Dame mit privatem Geld so um den Erhalt von Kulturgütern in Berlin und Brandenburg? Mit der Mäzenin sprach Dieter Weirauch.

Berliner Morgenpost: Frau Cornelsen, könnten Sie nicht einfach eines der vielen leer stehenden Schlössern im Land Brandenburg kaufen und darin Salons veranstalten?

Ruth Cornelsen: Abgesehen davon, dass ich Kaffeekränzchen nicht so sehr mag, habe ich im übertragenen Sinne ja bereits mehrere Schlösser im Land. Schauen Sie nach Caputh. In dem 1662 erbauten einzigen erhaltenen Schloss des Großen Kurfürsten haben wir 1998/99 mit 2,3 Millionen Mark die Außenfassade, Deckengemälde, Bilder und Rahmen restauriert. Die Wiederherstellung der Originaltapeten von Paretz wurde mit 1,5 Millionen Mark ermöglicht. Das sind nur Beispiele. Ich jedenfalls kann mich immer wieder an den Ergebnissen unseres Mäzenatentums erfreuen. Durch das Stiften bekommt man fast mehr zurück, als man gibt. Für mein Leben bedeutet das eine neue Dimension, die mir früher nicht zugänglich war.

In Paretz wäre ja ohne Ihre Hilfe nicht viel geschehen...

Die Mittelvergabe für die Tapetenrestaurierung war mit der Auflage verbunden, den ursprünglichen Wohnsitz der Königin Luise wiederherzustellen. Das ist ein Grundprinzip unserer Stiftung: Die anderen müssen mit ins Boot, bevor wir tätig werden. Verstehen Sie nun, warum ich keine eigenen Schlösser brauche? Wenn ich über den Parkettfußboden im Großen Saal des Marmorpalais gehe, dann habe ich ein ganz erhabenes Gefühl. Da steckt was von mir drin.

Ist das die Gegenleistung, die Sie erhalten?

Ich will mit der Cornelsen Kulturstiftung Beispiel geben und Bürgersinn deutlich machen. Die Menschen sollen sich an den Kunstwerken erfreuen und Geschichtsbewusstsein durch Anschauung vertiefen.

Entbinden Sie den Staat da nicht von seinen Pflichten?

Überhaupt nicht. Bund und Länder müssen sich in irgendeiner Form beteiligen. Gelegentlich gibt es auch für ein Projekt mehrere Förderer. Ich achte immer darauf, dass andere nicht einfach entlastet werden. Denn wir wollen keine Lückenbüßer sein. Der Staat oder die Länder sollen ermutigt werden, Dinge anzugehen, die allein nicht zu schultern sind. Durch tätige Hilfe wollen wir Anstöße und Mut zur Realisierung von Projekten geben. So verstehe ich Bürgersinn.

Sie bekommen sicher viel Post mit der Bitte um Unterstützung. Wie entscheiden Sie dann, wer was bekommt?

Die Stiftung wird vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft in Essen verwaltet. Im Beirat arbeiten neben mir und meiner Tochter Andrea neben anderen auch die Kunsthistoriker Thomas Gaehtgens und Hans-Joachim Giersberg sowie Günther Braun und Volker Hassemer mit. In der Beiratssitzung werden die Projekte und Vorhaben besprochen. Nicht jeder Antrag kann angenommen werden.

Wie kamen Sie zum Einsteinhaus in Caputh, ist das nicht etwas abwegig?

Die Idee dazu hatte Hans-Joachim Giersberg, der im dortigen Förderverein mitarbeitet. Ich war von Anfang an begeistert. Für uns waren sowohl die Pläne wie auch die Baubeschreibung sehr überzeugend. Obwohl wir bisher keinen modernen Bau finanziert haben, war es mir wichtig, mich für ein Denkmal dieser historischen Qualität einzusetzen.

Sie gelten als bescheidene Westfälin und sind dennoch viel in der Öffentlichkeit unterwegs, auch um über Ihre Stiftung Rede und Antwort zu stehen.

Die Zeiten haben sich gewandelt. Als mein Mann 1978 die Cornelsen Stiftung Lehren und Lernen gründete, galt für ihn noch das Motto "Tue Gutes und schweige darüber." Ich dagegen habe gelernt, dass ich mich als Stifterin outen muss, um damit ein Beispiel zu geben. Und mehr Öffentlichkeit dient der guten Sache. Nur wenn ich andere von der Notwendigkeit und dem Sinn meines Tuns überzeuge, kann ich sie auch zum Stiften anstiften. Und es sollte mehr Stifter geben.

Was ist, wenn alle Schlösser und Kunstwerke restauriert sind?

Der Satzungszweck erlischt nie. Gäbe es irgendwo einmal nichts mehr zu restaurieren - natürlich ist das eine Utopie - würde mindestens Schloss Caputh wieder restaurierungsbedürftig sein. Denkmalpflege ist eine Aufgabe ohne Anfang und Ende. Das Gefühl, weit über das eigene Leben hinaus etwas zu bewirken, ist sehr reizvoll. Es war auch eine Hommage an meinen Mann, dem ich meine Tätigkeit widme.