Zu Schwedenlinde, Kampfläufern und Effi Briest

Brandenburg/H. - Brandenburg an der Havel gilt vielen als Wiege der Mark. Auf der heutigen Dominsel lag die Hauptfestung des slawischen Stamms der Heveller - die Brandenburg. Markgraf Albrecht der Bär brach 1157 endgültig die slawische Herrschaft in diesem Gebiet und gründete die Markgrafschaft Brandenburg. Heute ist Brandenburg/H. auf Grund der mittelalterlichen Stadtkerne und der Lage am Wasser beliebtes Ausflugsziel.

Die Radler verlassen die Stadt in nordwestlicher Richtung über den Fritze-Bollmann-Weg. Kurz vor Brielow geht es auf schmalem Grat durch eine urwüchsige Tonstichlandschaft. Die bei Anglern und Naturfreunden beliebten Tonlöcher lieferten den Ziegeleien der Umgebung ihren Rohstoff.

Auf dem Friedhof von Brielow steht die Schwedenlinde, mit einem Stammdurchmesser von fast 13 Metern angeblich stärkster Baum der Mark Brandenburg. Der Sage nach ließ eine schwedische Gräfin, Braut eines im Dreißigjährigen Krieg gefallenen Offiziers, den Geliebten unter einer markanten Linde begraben, um das Grab immer wieder finden zu können. Für uns beginnt bei Brielow die Fahrt durch den Naturpark Westhavelland, eine der gewässerreichsten Regionen Deutschlands. Die Dörfer glänzen mit Fachwerk- und Ziegelbauten.

Natürlich bereiste auch Theodor Fontane das Havelland. Dabei lernte er die Landratstochter von Briest kennen und machte sie zum Vorbild für seinen berühmten Roman "Effi Briest".

Nur wenige Menschen leben in der Region, dafür um so mehr bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Internationale Bedeutung hat sie als Lebensraum für Wat- und Wasservögel. Wappentier des Naturparks ist der prächtige Kampfläufer, der hier faszinierende Balzspiele vorführt und seine Jungen großzieht.

Vor 250 Jahren begann man unter Friedrich dem Großen die Niederungen trockenzulegen, das sumpfige Land wurde durch Deiche, Schöpfwerke, Wehre und Gräben entwässert. Zum Glück blieben Teile von diesen Maßnahmen unberührt, so dass der landschaftliche Reiz noch heute erlebbar ist.

Von Brielow geht es autofrei auf einer unbefestigten Allee durch eine heitere Wiesenlandschaft in Richtung Hohenferchesar. Kurz vor dem Ort biegen wir scharf links ab und radeln am Fuße des Gallbergs nach Fohrde, einem kleinen Ort mit hübschem Dorfanger. Von dort wenden wir uns nach Pritzerbe, eine der ältesten und kleinsten Städte Brandenburgs. Der Ort liegt im Zentrum des Naturschutzgebietes Pritzerber Laake. In dem unzugänglichen Erlenbruchwald konnten sich seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten. Von Pritzerbe setzen wir mit der Fähre über nach Kützkow.

Längs des Naturschutzgebietes Untere Havel Süd radeln wir auf Betonplatten über Bahnitz nach Jerchel. Das Schutzgebiet ist gekennzeichnet durch den oftmals noch natürlich mäandrierenden Verlauf des Flusses mit Altwässern, Senken und Nebenarmen.

In Jerchel stößt die Gruppe auf die Landstraße. Über Milow, wegen seiner Fachwerkkirche von 1695 und der Villa des Berliner Milchpioniers Bolle bekannt, geht es weiter nach Premnitz und von dort durch ein großes Waldgebiet bis zum Etappenziel Rathenow.

Nicht vergessen: Heute ist um 10.30 Uhr Start am Bahnhof Groß-Kreutz (Südseite).