Kommunen

Zahl der Korruptionsfälle verdreifacht

Fast 270 Fälle von Korruptionsverdacht hat Brandenburgs Polizei im vergangenen Jahr registriert und damit dreimal so viele wie noch 2006. Damals waren es nach Auskunft des Potsdamer Innenministeriums 87 Verdachtsfälle.

- Minister Jörg Schönbohm (CDU) verwies gestern darauf, dass die Bürger inzwischen sensibler seien und mehr Anzeigen erstatten würden. Die Ermittlungen der Polizei richteten sich im vergangenen Jahr gegen 238 Tatverdächtige. Als "Nehmer" standen vor allem Beschäftigte von Kommunalbehörden unter Verdacht. In den vergangenen Jahren kam es in Brandenburg bereits zu mehreren Verfahren gegen hohe Amtsträger.

Korruptionsdelikte gibt es verschiedene: Der betrunkene Autofahrer, der einem Polizisten 500 Euro in die Hand drückt, damit dieser von einer Anzeige wegen Alkohols am Steuer absieht. Lehrer, die sich Sprachreisen sponsern lassen. Beamte, die kleinere und größere Geschenke annehmen. Die Ermittlungen zu solchen Fällen seien schwierig, weil es nicht die klassische Täter-Opfer-Konstellation gebe und auch das Messer in der Leiche fehle, sagte ein Mitarbeiter der Abteilung Korruptionsbekämpfung bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin. Das heißt, dass die Beteiligten - weil sich eben beide Seiten bei Korruption oder Bestechung schuldig machen - zwangsläufig kein Interesse an einer Aufklärung haben. Deswegen müssten sich die Ermittler oft durch Berge von Rechnungen und Bilanzen quälen, hieß es.

Von Korruptionsverdacht betroffen waren im vergangenen Jahr allein 63 Mal öffentliche Verwaltungen, wie das Ministerium auf dpa-Nachfrage weiter erklärte. Allerdings ging die Zahl im Vergleich zu 2006 (97 Fälle) zurück.