In Templin entsteht ein Elite-Internat

Im uckermärkischen Templin soll in idyllischer Lage am Stadtsee ein Elite-Gymnasium für deutsche und ausländische Schüler entstehen.

Berlin/Templin Im uckermärkischen Templin soll in idyllischer Lage am Stadtsee ein Elite-Gymnasium für deutsche und ausländische Schüler entstehen. Der Berliner Immobilienkaufmann Christian Kolbe (51) hat das ehemalige traditionsreiche Joachimsthalsche Gymnasium, einst eine der wichtigsten Bildungsstätten Preußens, vor etwa vier Wochen für 1,55 Millionen Euro ersteigert. Und arbeitet seitdem mit Hochdruck an dem Konzept für eine exklusive Schule mit angeschlossenem Nobel-Internat.

"Wir werden beim Potsdamer Bildungsministerium in den nächsten Wochen den Antrag auf eine Ersatzschule stellen", kündigt der neue Besitzer an. Klappt alles, könnte das Gymnasium nach einjähriger Bauzeit bereits zum Schuljahr 2008/9 mit bis zu 350 Schülern seinen Betrieb aufnehmen. Die Zielgruppe: Kinder aus "gutem Haus". Das Schulgeld inklusive Internat soll bis zu 3000 Euro betragen. Vorgesehen sind auch Stipendien für begabte Schüler. "Wir wollen im internationalen Bereich akquirieren und auch mit anderen Internaten kooperieren. Für viele gibt es lange Wartelisten", sagt Managerin Jutta Ribacki. 40 Prozent der Schüler sollen aus dem Ausland kommen, Eltern aus den USA und China zeigen großes Interesse an exklusiven deutschen Schulen.

Englisch als Hauptsprache ab Klasse 10

Das Gymnasium ab 7. Klasse wird nach den bisherigen Plänen Englisch als Hauptsprache ab der 10. Klasse anbieten und mit dem deutschen Abitur enden. Die Initiatoren wollen jedoch parallel dazu in Genf den Antrag auf internationale Abschlüsse stellen. Der Schwerpunkt werde auf Sprachen und Naturwissenschaften liegen. "Große Aufmerksamkeit wird dem IT-Bereich geschenkt", sagt Ribacki. Kolbe will rund 16,5 Millionen Euro in das seit 1996 leer stehende Gebäude und die Außenanlagen investieren. "Wir werden keine Kosten scheuen", sagt der Investor. Geplant ist eine Schule der Superlative: Mit der neuesten technischen Ausstattung, internationalem Lehrerkollegium und attraktiven Freizeitangeboten direkt vor der Tür. Der See ermöglicht Segeln ebenso wie Kanusport.

Den Investor hat nicht nur die wundervolle Lage des Gebäudes fasziniert, er schätzt auch die traditionsreiche Geschichte des Joachimsthalschen Gymnasiums. Die Schule war im Jahr 1607 von dem Kurfürsten Joachim Friedrich in Joachimstahl (heute im Kreis Barnim) als königlich-humanistisches Gymnasium gegründet worden. 1880 war es in Berlin-Wilmersdorf an der Bundesallee untergebracht, 1912 siedelte es nach Templin über. Ein Templiner Abitur war sehr anerkannt.

Noch heute gibt es die Vereinigung "Alte Joachimsthaler". Sie unterstützt die Wiederbelebung des Gymnasiums mit seiner 400-jährigen Geschichte. Auch in der 17 800-Einwohner-Stadt Templin stoßen die Pläne des Berliner Investors auf großes Interesse, da das renovierungsbedürftige Gebäude jahrelang leer stand.

"Sobald das Schulkonzept eingeht, werden wir es prüfen", sagt Ministeriumssprecher Stephan Breiding. "Wenn die Schule zum Schuljahr 2008/9 eröffnet werden soll, muss uns der Antrag auf die freie Schule spätestens bis 30. September vorliegen." Sollten die Voraussetzungen für eine sogenannte Ersatzschule vorliegen, würde das Land wie derzeit üblich 94 Prozent der mit staatlichen Schulen vergleichbaren Personalkosten erstatten. Übernimmt ein bewährter Träger das Gymnasium, erhält er die Unterstützung ab dem Start. Handelt es sich jedoch um einen im Land Brandenburg bislang unbekannten Träger, muss er drei Jahre ohne staatliche Unterstützung auskommen. So sieht es das neue Schulgesetz vor.

Nachholbedarf an freien Schulen

Privatschulen "boomen" auch in Brandenburg. Für das kommende Schuljahr liegen dem Potsdamer Bildungsministerium 46 Neuanmeldungen von freien Schulen vor - darunter 29 für allgemeinbildende Schulen. Damit hat die Privatschul-Welle einen neuen Höhepunkt erreicht. "Brandenburg hatte wie die anderen neuen Länder einen enormen Nachholbedarf an freien Schulen", sagt der Ministeriumssprecher. "Mit derzeit knapp fünf Prozent haben wir uns dem Bundesniveau angeglichen." Im Durchschnitt besuchen sechs Prozent der Schüler in Deutschland eine Privatschule.

In Brandenburg gibt es derzeit 129 Schulen in freier Trägerschaft - 89 allgemeinbildende und 40 berufliche Schulen.