Billig-Amtskette für Bürgermeisterin

Der Potsdamer Oberbürgermeister hat eine, seine Kollegen in Cottbus und Frankfurt (O.

Brandenburg/H. Der Potsdamer Oberbürgermeister hat eine, seine Kollegen in Cottbus und Frankfurt (O.) auch: Bei festlichen Anlässen, wenn Stadt und Bürgerschaft nach würdevoller Repräsentation verlangen, legen Jann Jakobs, Frank Szymanski und Martin Patzelt ihre Amtskette um. Nur Dietlind Tiemann, die Oberbürgermeisterin von Brandenburg/H., steht ohne da.

Das soll sich nun ändern - und spaltet glatt die Einwohnerschaft von Brandenburgs drittgrößter Stadt. "Haben wir keine anderen Probleme?" war eine häufig gestellte Frage. Die Stadt-SPD war befremdet über den Wunsch der CDU-Oberbürgermeisterin, die lokale PDS lehnte den Schmuck als "Klimborium" ab.

Denn Amtsketten sind keine Massenware, sondern handgefertigte Unikate und mithin nicht ganz billig.

12 000 Euro soll die Sparvariante mit einem Medaillon kosten. Sie besteht aus mit Gold überzogenem Silber, deren geschwungene Kettenglieder den Verlauf der Havel symbolisieren sollen. Auf dem Medaillon ist das Wappen der Stadt zu sehen: Altstadt und Neustadt unter einer Krone vereint. Die deutlich schwerere Luxusausführung mit einer zweiten Kettenreihe und fünf Medaillons wird auf den doppelten Preis veranschlagt.

Etwa 100 Spender gaben Geld für die Anfertigung der Kette. 15 800 Euro kamen zusammen. Und die reichen für eine mittlere Variante: eine Kette mit zwei Medaillons für 14 000 Euro.

Geld aus der Stadtkasse soll auf keinen Fall verwendet werden, also hat die Luxusvariante keine Chance. Zur Spendenaktion hatte der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Thomas Krüger (CDU), aufgerufen. Für ihn geht der Preis in Ordnung. "Schließlich soll die Kette 100 Jahre halten", sagt er.

Deutlich kürzer in Gebrauch war die in den 70er-Jahren angefertigte Amtskette, die auf ihrem Medaillon das DDR-Emblem sowie die fünf Schornsteine des Stahlwerks zeigte. Sie kam mit der Wende aus der Mode, obgleich sie noch im Archiv verwahrt wird. Ihre Vorgängerin aus dem 19. Jahrhundert ging 1945 in den Kriegs- und Nachkriegswirren verloren.

Bis Ende des Jahres will der Hauptausschuss über die neue Kette entscheiden, die dann von einer Brandenburger Künstlerin angefertigt werden kann.

Oberbürgermeisterin Tiemann freut sich: "Das ist für mich auch ein sichtbares Zeichen für den in letzter Zeit deutlich gewachsenen Bürgerstolz in unserer Stadt."