Der schwebende Bronzesoldat von Seelow

E r war in die Jahre gekommen, der Bronzesoldat von Seelow. Wind und Wetter sowie der Zahn der Zeit nagten jahrzehntelang an dem weit sichtbaren Wahrzeichen der Gedenkstätte Seelower Höhen, das schließlich von seinem Kalkstein-Sockel zu stürzen drohte. Seit gestern nun strahlt die anderthalb Tonnen schwere Statue wieder in einem edlen, goldgelb wirkenden Schimmer. Ursache des neuen Glanzes ist die künstliche Patina, die der Beeskower Metallrestaurator Thomas Heyde über die bronzene Außenhaut des Soldaten gezogen hat. Während der fünfmonatigen Schönheitskur baute er außerdem ein Edelstahlgerüst in den Hohlkörper, das mit dem Sockel verschraubt wurde, eine aufwendige Restaurierung für gut 45 000 Euro und für Heyde die einmalige Chance, das Soldaten-Denkmal dauerhaft zu sichern.

Das Ergebnis konnten Schaulustige und Vertreter der russischen, ukrainischen sowie weißrussischen Botschaften gestern begutachten. Zumindest solange, wie der vier Meter große Bronzekoloss noch auf dem Tieflader stand. Schon kurze Zeit später schwebte der Soldat per Kran zurück auf den sechs Meter hohen Sockel. Stilecht inszeniert zu russischen Akkordeonklängen, begleitet von zufrieden Gesichtsausdrücken der osteuropäischen Diplomaten. Im Anschluss an die Wiederaufstellung lobten sie das Engagement der deutschen Seite, die sich mit dem Abzug der russischen Streitkräfte aus der Bundesrepublik zu Erhalt und Pflege der 3500 Kriegsgräberstätten und Ehrenmale verpflichtet hatte. So wurde der Bronzesoldat zum «wichtigen Symbol der russisch-deutschen Beziehungen» und zum Beispiel der «Wahrung gemeinsamenr Geschichte.» Ein Gipsabdruck des Soldatenkopfes wurde als Geschenk an die russische Botschaft übergeben.

Aufgestellt worden war das Werk des russischen Bildhauers Lew Kerbel schon wenige Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Nicht zufällig, sondern gezielt hatten die Vertreter der Staaten ehemaligen Sowjetunion auf die Wiederaufstellung der Statue am 8. Mai gepocht: Vor 57 Jahren hatte Deutschland bedingungslos kapituliert. Bei der dem Angriff auf Berlin vorangegangenen Schlacht um die Seelower Höhen waren neben vielen Zivilisten auch 33 000 sowjetische, 5000 polnische und 12 000 deutsche Soldaten gefallen. jb