Friedrichs Tisch bleibt in Potsdam

Friedrich der Große hatte ein Faible für opulenten Bronzeschmuck. An seinem prächtigen französischen Rokoko-Schreibtisch wird das sichtbar: Der schmale Korpus und die schlanken Beine sind mit ausgefallenen feuervergoldeten Rocaillen, Akanthusranken und Palmwedeln besetzt.

Potsdam - Friedrich der Große hatte ein Faible für opulenten Bronzeschmuck. An seinem prächtigen französischen Rokoko-Schreibtisch wird das sichtbar: Der schmale Korpus und die schlanken Beine sind mit ausgefallenen feuervergoldeten Rocaillen, Akanthusranken und Palmwedeln besetzt. Sehr extravagante Verzierungen stellen die zwei Jünglings- und Mädchenköpfe dar. Der preußische Monarch ließ den Tisch samt Aktenschrank für sein Schlafzimmer, das ihm gleichzeitig als Büro diente, 1746 durch Graf von Rothenburg in Paris erwerben. Seit gestern steht fest, dass das Möbel dem Schloss Sanssouci erhalten bleibt.

Vor sechs Jahren hatte eine jüdische Erbengemeinschaft "überraschend" - wie es bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) heißt - einen Antrag auf NS-bedingte Restitution gestellt. Mit den Erben wurde nun ein Rückkauf ausgehandelt. SPSG-Generaldirektor Hartmut Dorgerloh sprach von einem "hohen Betrag"; vergleichbare Stücke könnten im Handel einen siebenstelligen Betrag erzielen.

1926 war der Schreibtisch an den jüdischen Kunsthändler Jakob Oppenheimer in Berlin geraten. Um seiner Verhaftung durch die Nazis zu entkommen, floh er 1933 nach Paris, das Möbel nahm er mit. 1934 belastete ihn die Reichsfluchtsteuer, die er, in der Hoffnung auf Rückkehr und um seinen Sohn zu schützen, beglich - in Form der Abgabe des Tisches an das Finanzministerium. Von dort ging das Möbel an die Schlösserverwaltung.

GW.