Bürgermeister wechselt von CDU zur Linken

Kaum einer in Deutschland kennt Bliesdorf oder René Krone. Der 40-Jährige ist Bürgermeister der Gemeinde nordöstlich von Berlin etwa zehn Kilometer vor der polnischen Grenze.

Bliesdorf - Kaum einer in Deutschland kennt Bliesdorf oder René Krone. Der 40-Jährige ist Bürgermeister der Gemeinde nordöstlich von Berlin etwa zehn Kilometer vor der polnischen Grenze. Nun aber wird Krone über die Grenzen von Märkisch-Oderland hinaus bekannt. Denn der Bürgermeister hat getan, was in der deutschen Politik einmalig ist: Er ist aus der CDU aus- und in die Linkspartei eingetreten. Ein Vorgang, der auf beiden Seiten mächtig Erstaunen ausgelöst hat - umso mehr, als Krone nicht nur einfaches Parteimitglied war. Er arbeitete als Geschäftsführer für den örtlichen CDU-Kreisverband und war Mitarbeiter eines Landtagsabgeordneten. Beide Jobs ist er jetzt los. Damit hat Krone mehr als eine politische Wende vollzogen. Es ist fast ein Neuanfang, gut 18 Jahre nach dem Mauerfall. Heute kann Krone "überhaupt nicht mehr nachvollziehen", wie er 1998 CDU-Mitglied wurde.

Die Geschichte beginnt am 11. August 1990. Krone ist, 23 Jahre alt, einer der letzten Soldaten der Nationalen Volksarmee, die noch zum Offizier ernannt werden. Weil er bei der Armee aber zum Politoffizier ausgebildet worden war, wird er, einst Mitglied der SED, nicht von der Bundeswehr übernommen. "Siegermentalität" nennt er das heute. Krone macht eine kaufmännische Ausbildung, arbeitet in der Versicherungswirtschaft und sucht "eine neue politische Heimat". Für die CDU macht er Wahlkampf, wird Mitglied und Mitarbeiter des CDU-Landtagsabgeordneten Dierk Homeyer. Heute ist das für ihn eine andere Welt. "Ich wollte das alte System ablegen und mich im neuen System integrieren. "Ich habe mich damals ziemlich verbogen."

Irgendwann ging das nicht mehr. Der äußere Anlass für seinen Parteiaustritt war die Umbenennung einer Straße in der Kreisstadt Seelow. Die CDU in der Stadtverordnetenversammlung wollte einen Feldweg nach dem U-Boot-Kommandanten Günter Seibicke benennen. Der war nicht nur Seelower Bürger, sondern auch Nationalsozialist. "Das war der berühmte Tropfen, der das Fass überlaufen lässt", sagt Krone. Voll wurde das Fass vor allem durch die Streitereien, die in der CDU in Brandenburg zur Tagesordnung gehören. Nicht nur im Landes-, auch in den Kreisverbänden sind sich die Mitglieder zum Teil spinnefeind. CDU-Generalsekretär Rolf Hilke sagt, der Weggang des ehemaligen SED-Mitglieds sei "kein Verlust"; er kehre offenbar "zu seinen Wurzeln zurück". René Krone sieht das genauso. Nicht, dass er sich die DDR zurückwünsche, "auf keinen Fall", beteuert er mehrfach. Aber: "Man hat sich geborgener gefühlt." Es folgen die bekannten Schlagworte: die Verlustangst der Mittelschicht, die Schere zwischen Arm und Reich, die hohen Managergehälter, der soziale Friede. Man könnte das als Phrasen abtun, wenn Krone nicht einfach nur aus dem Fenster zeigen müsste: Von den fast 1000 Bliesdorfern haben etwa 200 keine Arbeit. Und die, die welche haben, müssen dafür weit fahren. Irgendwann ziehen sie weg. "Viele Leute hier fühlen sich als Verlierer."

Als Kommunalpolitiker könne er wenig daran ändern, sagt Krone und schimpft auf die Landesregierung. Es gebe zu viele bürokratische Hürden, nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für Privatleute. "Wir brauchen mehr Freiheit, mehr Raum für Kreativität." Es klingt überhaupt nicht nach Linkspartei. Dann sagt er, dass "nicht jeder die Kraft habe, sich der Ökonomie zu unterwerfen". Nicht alles dürfe Rendite und Gewinn geopfert werden. "Das Soziale hatte in der DDR eine andere Gewichtung."