Religion

Buddhisten restaurieren Schloss Sommerswalde

Ein Jahr lang haben die buddhistischen Mönche und Nonnen am Schloss gekratzt. Schicht für Schicht haben sie Bausünden aus der DDR-Vergangenheit von Schloss Sommerswalde beseitigt. Sie schabten dicke Latexanstriche und Tapeten von den Wänden und befreiten 3000 Quadratmeter Holzböden von rotbrauner Brandschutzfarbe. Die Arbeit hat sich gelohnt: Einen "Schatz", einen "Höhepunkt der damaligen Handwerksarbeit" hätten die Buddhisten hervorgeholt, schwärmt Restaurator Jochen Hochsiedler.

- Nun wird das ungewöhnliche Objekt, das dem Berliner Reichstag erstaunlich ähnelt, als Meditationszentrum der Neuen Kadampa-Tradition genutzt. Das ist eine international präsente buddhistische Organisation.

Mühevolle Handarbeit

"Wir sind ungeheuer stolz auf das, was hier in den vergangenen Monaten entstanden ist", sagt Gen Kelsang Ananda, der 34-jährige Leiter der buddhistischen Neue Kadampa-Tradition aus Kreuzberg. Seine Glaubensgemeinschaft hat das Ende des 19. Jahrhunderts vom Berliner Immobilienmillionär Richard Sommer in der Nähe von Oranienburg errichtete Schloss im Jahr 2006 erworben und vor einem Jahr mit der Sanierung begonnen - "in mühevoller Handarbeit", betont Gen Kelsang Ananda. Lediglich bei der Erneuerung des Daches und für den Einbau einer Heizung wurden Firmen benötigt.

Für die Zusammenarbeit mit den handwerklich begabten Schlossbesitzern findet Restaurator Hochsieder nur lobende Worte. "Mit seinen Forderungen hat man es als Restaurator bei Bauherren oft nicht leicht. Im Falle von Sommerswalde wurde mir aber fast jeder Wunsch erfüllt."

Besonders die Stuckdecken in den beiden Ballsälen des 120 Jahre alten Schlosses haben es dem detailverliebten Restaurator angetan. "Die Decken waren zu DDR-Zeiten abgehangen worden, niemand hat erahnen können, was für ein Schatz sich darüber verbirgt."

Im Zuge der Sanierungsarbeiten in dem seit Anfang der 1990er-Jahre leerstehenden Schloss kamen nun aufwendige Deckenverzierungen zum Vorschein. "Was man dort sieht, darf man ohne Übertreibung als den Höhepunkt der damaligen Handwerkskunst bezeichnen", sagt Hochsieder. Mit dem handwerklichen Können der Buddhisten ist Hochsieder, der auch leitender Restaurator von Schloss Rheinsberg ist, zufrieden. Es sei fraglich, ob eine professionelle Firma die Arbeiten in der gleichen Qualität abgeliefert hätte, sagt er. Insgesamt schätzt Hochsieder den Wert der Eigenleistungen auf 150 000 Euro.

Über die genaue Höhe des Kaufpreises und die Sanierungskosten schweigt man sich aufseiten der Neuen Kadampa-Tradition allerdings aus. Der spirituelle Leiter Gen Kelsang Ananda will nur soviel sagen: "Immobilien in dieser Größe und dem Zustand werden üblicherweise als Schnäppchen verkauft." Finanziert hat er den Kauf aus einem Spendenfonds der internationalen Glaubensgemeinschaft für entsprechende Tempelprojekte.

Ganz abgeschlossen sind die Sanierungsarbeiten voraussichtlich erst im kommenden Jahr. Vor allem die Außenfassade des Gebäudes, das eine Miniatur des Berliner Reichstags im Maßstab 1:3 ist, muss bis komplett erneuert werden.

Genutzt wird das Schloss aber schon als neuer Hauptsitz der Neuen Kadampa-Tradition in Deutschland. "In Sommerswalde bieten wir künftig Meditationswochenenden und Seminare für unsere Mitglieder an", erklärt Gen Kelsang Ananda. Für bis zu 120 Menschen bietet das Schloss jetzt Übernachtungsgelegenheiten.

Offen soll das Haus auch für nichtbuddhistische Besucher sein. Am 20. September gibt es einen Tag der offenen Tür, bei dem das Schloss besichtigt werden kann.

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