Energie

Vattenfall startet Pilotkraftwerk

Dampf aus zwei riesigen Kraftwerksblöcken verdeckt die Sonne. Vor dem Braunkohle-Kraftwerk des Energiekonzerns Vattenfall im Spremberger Ortsteil Schwarze Pumpe stehen rund 20 Demonstranten. Sie halten Plakate hoch. Auf einem steht: "CCS-Technologie - Sicher wird die nie". Das sieht Vattenfall anders. Der Konzern eröffnete gestern die nach eigenen Angaben weltweit erste Pilotanlage für Kohlekraftwerke mit sogenannter CCS-Technologie zur Abscheidung von Kohlendioxid.

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30 Megawatt Leistung

Die 30-Megawatt-Anlage nahmen Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Nachmittag gemeinsam mit dem schwedischen Forschungsminister Lars Leijonborg offiziell in Betrieb. "Die Pilotanlage ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer annähernd emissionsfreien Kohleverstromung", sagt Vattenfall-Chef Lars G. Josefsson. In das Projekt habe der Konzern rund 70 Millionen Euro investiert.

In der Pilotanlage in Schwarze Pumpe werde das beim Verbrennungsprozess anfallende CO2 im Kraftwerksprozess zu mehr als 90 Prozent abgeschieden und für den Transport zur unterirdischen Speicherung gesammelt. "Unsere Vision ist eine komplett CO2-freie Kohleverstromung", ergänzt Josefsson.

Der Konzernchef geht davon aus, dass Kohle noch mindestens 50 Jahre einen Hauptanteil bei der Stromerzeugung ausmache. Die neue Technik werde aber nur eingesetzt, wenn sie wirtschaftlich sei. Die höheren Kosten sollen soll durch die weniger benötigten Emissionszertifikate ausgeglichen werden. Nach Ansicht von Vattenfall-Europe-Chef Tuomo Hatakka hat die Kohle Zukunft. Die Lausitz als Energiestandort sei auf lange Zeit gesichert. Mit dem Beginn des Testlaufs schreibe Vattenfall Industriegeschichte. Damit zeige das Unternehmen, "dass Kohle und Hightech keinen Widerspruch darstellen".

Vattenfall plant nach weiterer Forschung und Tests zwischen 2013 und 2015 den Bau eines Demonstrationskraftwerkes im südbrandenburgischen Jänschwalde. Dabei soll ein bestehender 500 Megawatt-Block umgerüstet werden. Für die Realisierung des neuen Projekts verlangt Vattenfall-Chef Josefsson eine größere Unterstützung von Deutschland und Europa. Brandenburgs Regierungschef betont: "Brandenburg steht mit dem Start der Pilotanlage an der Spitze dieser industriellen Entwicklung." Die Lausitz könne zu einem "Innovationslabor" für eine umweltfreundliche und sichere Energieversorgung werden. Das sichere Arbeitsplätze und diene obendrein dem Klimaschutz.

Die märkische Linke hält die neue CCS-Technologie dagegen nicht für eine langfristige Lösung des weltweiten Energie- und Klimaproblems. "Nur ein mittelfristiger Ausstieg aus der Kohleverstromung ist der Garant für die dringend erforderliche Reduzierung der klimaschädlichen CO2-Emissionen", sagt der energiepolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Wolfgang Thiel.

Die wenigen Demonstranten vor dem Betriebsgelände versuchen mit Plakaten und Gesängen auf sich aufmerksam zu machen. "Lasst Euch nicht verkohlen", steht auf einem Transparent. Vattenfall versuche mit der Pilotanlage von den Grundproblemen abzulenken. "Der Konzern bleibt der größte Umweltverschmutzer Europas", sagt Sprecher René Schuster. Die Tagebau-Gegner fordern zudem, dass keine weiteren Lausitzer Dörfer abgebaggert werden.

SPD-Generalsekretär Klaus Ness kritisiert die Proteste als "zynisch". Es sei paradox, dass Umweltschützer gegen Projekte protestierten, die zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes beitragen sollen. Wenn die Technologie funktioniere, könne sie möglicherweise auch in anderen Bereichen als nur in Kraftwerken eingesetzt werden. SPD-Landtagsfraktionschef Günter Baaske ist optimistisch, dass die CCS-Technologie funktionieren wird. Brandenburg werde dann weltweit Vorreiter für eine klimafreundliche Braunkohle-Verstromung.

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