Lepsius-Haus setzt ein Zeichen der Versöhnung der Völker

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Dieter Weirauch

Foto: GURLT

Potsdam - Im früheren Wohnhaus des Pfarrers Johannes Lepsius (1858-1926) am Fuße des Pfingstberges entsteht eine Forschungs- und Begegnungsstätte. Mit einer Zeremonie von Erzbischof Karekin Bekdjiandas, Oberhaupt der Armenischen Kirche in Deutschland, begann gestern die auf rund 400 000 Euro veranschlagte Sanierung des Lepsius-Hauses. Bis Mitte 2004 sollen Dach und Fassade fertig sein. Die Kosten tragen Land, Stadt und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

In dem zum Bereich des Unesco-Weltkulturerbes gehörenden ehemaligen Wohnhaus des Pfarrers und Gründers des internationalen Armenier-Hilfswerkes soll auch an den Völkermord an den Armeniern in der Türkei erinnert werden. Dem Genozid fielen 1915 und 1916 rund 1,5 Millionen Menschen zum Opfer. Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, würdigte Lepsius als "international wichtigsten Zeugen" für den Völkermord an den Armeniern und verurteilte zugleich die jüngsten Terroranschläge in der Türkei als "Angriffe auf die Grundbedingungen von Zivilisation". Mit dem Lepsius-Haus werde ein Zeichen für die Versöhnung zwischen den Völkern und die "Zuwendung zu Zukunftsaufgaben" gesetzt.

Die armenische Botschafterin Kariné Kazinian würdigte Lepsius als "einen der großen Humanitäre seiner Zeit". Brandenburgs Kulturstaatssekretär Christoph Helm (CDU) lud ausdrücklich auch die türkische Seite ein, sich an den Aktivitäten des Lepsius-Hauses zu beteiligen. Im Vorfeld hatte es Einwände seitens der Türkei gegen die Einrichtung gegeben. Ziel sei die Schaffung eines "Zentrums der gelebten Toleranz", in dem Christentum, Judentum und Islam sich begegnen können. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sieht in der Einrichtung einer Forschungs- und Begegnungsstätte eine Bereicherung der Wissenschaftslandschaft. Er betonte, "dass Wiederherstellung und künftiges Wirken des Lepsius-Hauses einen konkreten Beitrag Potsdams für Toleranz und Menschlichkeit darstellen".

Lepsius, Gründer der Deutschen Orient-Mission, lebte von 1907 bis 1925 in der Villa, in die nun auch das Lepsius-Archiv der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit mehr als 50 000 Dokumenten aus dem Nachlass des Theologen und historische Ausgaben von 13 Zeitschriften einziehen sollen. Für die benachbarten Villen Quandt und von Schlieffen werden noch Interessenten gesucht.