Nur ein Jahr im Amt - Polizeipräsident geht

Polizeipräsident Klaus Kandt wirft das Handtuch. Nach knapp einem Jahr im Amt wird der 48 Jahre alte Chef des Potsdamer Polizeipräsidiums demnächst zur Bundespolizei wechseln.

Polizeipräsident Klaus Kandt wirft das Handtuch. Nach knapp einem Jahr im Amt wird der 48 Jahre alte Chef des Potsdamer Polizeipräsidiums demnächst zur Bundespolizei wechseln. Wer sein Nachfolger wird, ist noch unklar. Genau wie die Gründe, die Kandt zur Aufgabe seines Amtes bewegen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll Kandt bereits zum 1. Juli die vakante Stelle des Präsidenten der Bundespolizeidirektion Berlin übernehmen. Das Innenministerium will den Wechsel offiziell noch nicht bestätigen.

Versetzungsurkunde überreicht

So schnell wie der 48-Jährige in sein Amt eingeführt worden ist, so schnell scheint er sich auch wieder aus ihm zu verabschieden: Mitte Juli vergangenen Jahres hatte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) Klaus Kandt die Versetzungsurkunde überreicht. Der Berliner leitete bis dato das Polizeipräsidium in Frankfurt (Oder). Doch der Innenminister hatte sich mit Bruno Küpper, dem Vorgänger Kandts, überworfen und ihn mit sofortiger Wirkung in den einstweiligen Ruhestand geschickt. Hintergrund war, dass Bruno Küpper auf einer Führungskräftekonferenz die Pläne Schönbohms, die Kriminalpolizei in den Präsidien aufzulösen, abermals kritisierte. Dem Innenminister platze damals der Kragen - Küpper war plötzlich Pensionär. Ein Neuer musste her, die Wahl fiel auf Kandt.

Der Polizeipräsident wehrte sich noch zaghaft am Telefon; er habe seine Arbeit in der Oderstadt noch nicht beendet, sagte er Schönbohm. Doch der Ex-General gab ihm dennoch einen klaren Marschbefehl. Keine 24 Stunden später saß Kandt im Präsidium in Potsdam: Unter den kritischen Augen des Innenministers, und umgeben von starken Polizeigewerkschaften.

"Ich schließe die entstandene Lücke", war der erste Satz von Kandt bei dessen Einführungsfeier. Wer in einen Traumjob wechselt, formuliert anders.

Doch der 48-Jährige machte seinen Job: Er bereiste jeden seiner Schutzbereiche, setzte die Reform der Kripo um und meisterte ohne Blessuren auch seine erste mediale Feuertaufe, als im September während einer Anti-Nazi-Demonstration in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) eine Bundestagsabgeordnete der Linken von Polizisten mit Pfefferspray verletzt wurde. Auch die engsten Mitarbeiter berichten Gutes über ihn, obwohl die Vorbehalte aufgrund seiner beruflichen Vergangenheit bei der GSG 9 zunächst groß waren.

Grund der Amtsaufgabe noch unklar

Warum der 48-Jährige das Amt aufgibt ist unklar. Spekuliert wird in Polizeikreisen, dass Kandt in Anbetracht der kommenden Wahlen "sein Schäfchen ins Trockene" bringt. Denn das Amt des Polizeipräsidenten gilt mit dem falschen Parteibuch als wackelige Position.

Anderseits heißt es, bei einem Landespolizeipräsidium, das vielleicht in naher Zukunft gebildet wird, würde Kandt bei der Chefposten-Verteilung den Kürzeren ziehen. Andere Beamte meinen hingegen, der Druck des benachbarten Innenministeriums mache den Potsdamer Arbeitsplatz zum "Schleuderstuhl".

Das Innenministerium wollte sich gestern zu Kandts Kündigung nicht eindeutig äußern: "Ich kann bestätigen, dass es Personalgespräche gegeben hat. Eine abschließende Personalentscheidung ist allerdings noch nicht getroffen worden", sagte Sprecher Geert Piokowski.

Nach Informationen dieser Zeitung hatte Staatssekretär Hans-Jürgen Hohnen bis gestern Zeit, dem Innenminister Vorschläge für den Nachfolger Kandts zu unterbreiten. Im Gespräch sollen Dieter Büddefeld, Leiter des Landeskriminalamtes (LKA), sowie auch Jürgen Jacobs, Inspekteur der Brandenburger Polizei, sein.