Potsdam

Kritik an Schönbohm nach Rückzug des Polizeichefs

Das Innenministerium hat offenbar noch keinen geeigneten Nachfolger für den Potsdamer Polizeipräsidenten Klaus Kandt gefunden.

Das Innenministerium hat offenbar noch keinen geeigneten Nachfolger für den Potsdamer Polizeipräsidenten Klaus Kandt gefunden. Ein Sprecher wollte lediglich bestätigen, dass über den Wechsel des 48-Jährigen in eine andere Behörde gesprochen worden sei; ein genauer Termin oder gar der Name eines eventuellen Nachfolgers könne nicht mitgeteilt werden.

Wie berichtet, soll Kandt nach nur einem Jahr im Amt zum 1. Juli die vakante Stelle des Präsidenten der Bundespolizeidirektion Berlin übernehmen. Dort war er bereits seit Wochen den Mitarbeitern als "externer Überraschungskandidat" mit Bezügen zur Bundespolizei - Kandt war bei der Elitetruppe GSG 9 - angekündigt worden.

Warum er das Amt aufgibt, ist unklar. Der Sprecher des Innenministeriums, Geert Piorkowski, machte aber darauf aufmerksam, dass Klaus Kandt in der Behörde ein hohes Ansehen genieße. Er sei eine hervorragende Führungsperson und mache eine sehr gute Arbeit. Offenbar soll damit auch Gerüchten zuvorgekommen werden, Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) habe sich mit Kandt überworfen: Seinen Vorgänger Bruno Küpper hatte der Innenminister wegen Meinungsverschiedenheiten zur Reform der Kripo im Juli vorigen Jahres in den Ruhestand versetzt. Als mögliche Kandidaten für das Amt des Polizeipräsidenten werden Dieter Büddefeld, Leiter des Landeskriminalamtes, sowie Jürgen Jacobs, Inspekteur der Brandenburger Polizei, und ein externer Regierungsdirektor gehandelt.

Der CDU-Innenexperte Sven Petke nannte den Rückzug Kandts einen herben Verlust. Für den innenpolitischen Sprecher der Linksfraktion, Hans-Jürgen Scharfenberg, haben bei der Entscheidung Kandts der geplante Personalabbau und die neuen umstrittenen Strukturen bei der Kriminalpolizei mit Sicherheit eine Rolle gespielt. Der Rückzug des Präsidenten gebe auch Gerüchten neue Nahrung, wonach langfristig eines der zwei Polizeipräsidien abgeschafft werden soll. Scharfenberg wirft Schönbohm vor, sich nicht mehr genügend für das Innenressort einzusetzen. "Anders als in den ersten Jahren seiner Amtszeit geht Schönbohm Auseinandersetzung über Personalstellen aus dem Weg", kritisiert der Innenexperte. Und er mutmaßt: "Schönbohm übt sich wohl vor allem deshalb in Kabinettsdisziplin, um die rot-schwarze Koalition über diese Legislaturperiode hinaus zu retten." Schönbohm selbst hatte voriges Jahr den CDU-Landesvorsitz aufgegeben. Er kündigte an, nur noch bis zu den Landtagswahlen 2009 Innenminister zu bleiben.