Lebuser Land ist Landschaft des Jahres

Foto: hkl/ag

Lebus - Ein vom Namen her fast vergessener Landstrich beidseits der Oder steigt in die Champions League der europäischen Regionen auf. Die «Naturfreunde Internationale» ernannte das grenzüberschreitende Lebuser Land zur «Landschaft des Jahres 2003/2004». Damit hat die alte Kulturregion zwischen Spree und Obra die unvergleichliche Chance, künftig in einem Atemzug mit Alpen, Böhmerwald oder Maas erwähnt zu werden, die in den Vorjahren diesen Titel trugen.

«Genau das ist auch das Ziel des Ganzen, nämlich das Lebuser Land europaweit bekannt zu machen», sagt der Chef des brandenburgischen Naturfreunde-Landesverbandes, Burkhard Teichert. Schon in Berlin wisse heute kaum noch jemand etwas mit dem Namen anzufangen. Dabei war das nördlich von Frankfurt gelegene Lebus seit 1124 Sitz eines der drei märkischen Bistümer. Später gab es einen Kreis Lebus, seit 1999 trägt die westpolnische Wojewodschaft Lubuskie - Lebuser Land - wieder diesen Namen.

Nun werden Tausende Menschen aus ganz Europa die Region an der mittleren Oder kennen lernen. Schon zur Proklamation der Landschaft des Jahres vom 6. bis 8. Juni in Lebus werden Gäste aus vielen Ländern erwartet, sollen Chöre und Gruppen aus Deutschland, Polen und Tschechien auftreten. Traditionell setzen die Naturfreunde dann einen Gedenkstein. Weil es in Lebus keine Brücke über die Oder gibt, werden erstmals zwei Steine aufgestellt, in jedem Land einer, kündigt Teichert an.

Zudem soll an jenem Wochenende erstmals seit dem Krieg über die Oder eine Fähre fahren, das Städtchen kämpft seit Jahren darum. Notfalls werden Pontons beschafft. Dieser symbolische Brückenschlag ist Pflicht, denn nur grenzübergreifende Regionen werden zur Landschaft des Jahres erhoben. Überdies soll die Auszeichnung «ein Beitrag sein, die EU-Osterweiterung mit vorzubereiten und Vorurteile zu überwinden.»

Teichert hatte das Projekt entscheidend mit initiiert und dazu im Tourismus- und Landeskundeverband PTTK den Partner auf polnischer Seite gefunden. Die Organisatoren verständigten sich darauf, das alte Bistum, das von Fürstenwalde über Frankfurt bis weit hinter die Oder reichte, zur geografischen Grundlage für die Landschaft des Jahres zu machen. Wegen der Grenzübergänge werden auch die außerhalb der historischen Grenzen gelegenen Städte Küstrin und Guben einbezogen.

Durch diese gesamte Region wird ein Natur-Kultur-Weg ähnlich dem Beispiel in den Alpen führen, erläutert Teichert. Der bis zu 600 Kilometer lange «Ringweg mit vielen Dellen» soll Sehenswürdigkeiten in beiden Ländern verbinden. Dazu gehören Naturschönheiten wie die Adonisröschenhänge im Oderbruch oder das größte europäische Vogelbrutgebiet im Naturpark Warthemündung ebenso wie Museen und militärhistorische Stätten, etwa die alten Bunkeranlagen bei Miedzyrzecz (Meseritz), die heute zu den größten Fledermausquartieren des Kontinents gehören. ddp

Naturfreunde

Die Organisationen im Net unter www.nfi.at und www.naturfreunde-brandenburg.de