Quiz

Wie gut kennen Sie Kurt Tucholsky?

Er war ein genialer Spötter, ein großer Liebhaber, ein Seelenfranzose und ein Kunstliebhaber: Wieviel wissen Sie über das Leben Tucholskys? Mit diesen zehn Fragen finden Sie es heraus!

1. Die Sache mit den Eltern

Im Jahr 1926 veröffentlichte Kurt Tucholsky eine fiktive Autobiografie, in der er seine Herkunft satirisch verfälschte. „Soweit ich mich erinnere“, hieß es da, wurde ich am 9. Januar 1890 als Angestellter der Weltbühne zu Berlin geboren. Meine Vorfahren haben, laut Miesbacher Anzeiger, auf Bäumen gesessen und in der Nase gebohrt. Ich selbst lebe still und friedlich in Paris, spiele täglich nach Tisch mit Doumergue und Briand ein halbes Stündchen Schafkopf, was mir nicht schwer fällt, und habe im Leben nur noch einen kleinen Wunsch: die Rollen der deutschen politischen Gefangenen und ihrer Richter einmal vertauscht zu sehen.“ In Wahrheit war natürlich alles ganz anders. Welches Verhältnis hatte Kurt Tucholsky zu seinen Eltern?

a Zu seinem Vater unterhielt er eine enge und zugewandte Beziehung. Als der Vater 1905 an Syphillis starb, traf ihn das schwer. Die Beziehung zu seiner Mutter war weitaus schwieriger

b Es war umgekehrt: Wie etwa auch beim drei Jahre später geborenen Franz Kafka war der Vater für Tucholsky eine problematische und autoritäre Figur.

c Kurt Tucholsky hatte zu beiden Elternteilen ein überwiegend positives Verhältnis.

2. „Nichts, nichts, nichts“: Die schwere Schulzeit

Tucholskys Vater Alex, ein Bankkaufmann, zog in der frühen Kindheit Tucholskys mit der Familie berufshalber nach Stettin, kehrte aber 1899 mit ihr nach Berlin zurück. Kurt besuchte zuerst das Französische Gymnasium am Reichstagufer und wechselte 1903 auf das Königliche Wilhelms-Gymnasium im Tiergarten. Er selber zeigte sich schnell entnervt von seinen Lehrern und ihren pädagogischen Versuchen. „Langweilige Pedanten gab es überall“, schrieb er, „Unzulänglichkeiten der Lehrer, viele Fehler, wir waren auch nicht die Besten. Aber was hat man uns denn gelehrt – ? Was hat man uns beigebracht –? Nichts. Nicht einmal richtig denken, nicht einmal richtig sehen, richtig gehen, richtig arbeiten – nichts, nichts, nichts. Wir sind keine guten Humanisten geworden und keine guten Praktiker – nichts.“ Welchen Tadel schrieben die Lehrer Tucholsky 1906 ins Zeugnis?

a Er habe eine „dramatische Neigung zu Verspätung und unentschuldigtem Fehlen“.

b Er sei „konzentrationsschwach und leistungsverzögert“.

c Er habe eine „Neigung zum Schwatzen“.

3. Akademische Erfahrungen

Wie konnte ein so freier Geist, ein so spottlustiger Skeptiker mit den standesbewussten Professoren der damaligen Universitäten zurechtkommen? Diese Frage sollte die nächsten Jahre prägen. 1909 schrieb sich Tucholsky für ein Jurastudium ein. Er brachte ein Auslandssemester in Genf hinter sich. Doch die kaisertreuen Gelehrten mit ihrer konservativen Rechtsauffassung begannen ihm bald auf die Nerven zu gehen: „Sie fassen das Recht als eine Art Mathematik auf, als ein Schema starrer Dogmen, das vom Himmel auf ihre Köpfe fiel. Was soll mir alles Geschrei über den Übergang des Eigentums bei den Römern, wenn ich das Gehalt, das mir der Chef verweigert, nicht in einer Woche einklagen kann?“ Um welches Thema kümmerte sich Tucholsky in seiner Doktorarbeit, die er nach mehreren Überarbeitung 1914 erfolgreich einreichen konnte?

a Um das Arbeitsrecht von Angestellten.

b Um erbschaftsrechtliche Fragen.

c Um das Hypothekenrecht.

4. Der Schriftsteller beginnt zu schreiben

Kurt Tucholsky war noch auf dem Gymnasium, als der erste Text von ihm gedruckt wurde. In der Satirezeitschrift „Ulk“, die im Mosse-Verlag erschien, konnte man 1907 einen Text des Schülers lesen, in dem er über den Kunstgeschmack des Kaisers herzog. Fünf Jahre später erschien dann die bis heute berühmte Erzählung „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“, das sein Freund Kurt Szafranski illustrierte. Mit welcher ungewöhnlichen Aktion versuchten Tucholsky und Szafranski die Erzählung auf dem Berliner Kurfürstendamm unter die Leute zu bringen?

a Sie schenkten jedem Käufer einen Schnaps aus.

b Sie sangen den Text lauthals vor.

c Sie spielten die Handlung nach.

5. Eine Liebe im Krieg

Seine journalistische Karriere nahm ebenfalls an Fahrt auf. Im Januar 1913 erschien sein erster Artikel in der Theaterzeitschrift „Die Schaubühne“, die später in „Die Weltbühne“ umbenannt wurde und von Siegfried Jacobssohn herausgegeben wurde, einem wichtigen Freund und Weggefährten Tucholskys. Tucholsky hatte in der Kommandantenstraße das jüdische „Herrnfeld-Theater“ besucht und darüber eine Rezension verfasst – und Jacobssohn damit beeindruckt. Die beiden trafen sich. „Ein kleiner schwarzer Mann, der freundlich lächelte, über alles ruhig und klug redete, immer mit dem wundervollen Motto: Medias in res“, erinnerte sich Tucholsky später.

Im Frühjahr 1915 wurde Tucholsky an die Ostfront geschickt. In der Verwaltung der Artillerie-Fliegerschule in Alt-Autz lernte er Mary Gerold kennen. Seiner späteren Frau schreibt er viele Briefe. „Er hatte einen solchen Hunger nach Zärtlichkeit, die ihm in seiner Kindheit nicht zuteil geworden war“, sollte seine spätere zweite Ehefrau später rückblickend schreiben. Welche Spitznamen hatte Tucholsky für die geliebte Frau?

a Er nannte sie „Meli“ oder „Malzen“.

b Er nannte sie sein „Mariechen“.

c Er nannte sie „Marymary“.

6. In der neuen Republik

Tucholsky kehrte 1918 aus dem Krieg zurück und sah Deutschland in Aufruhr. Seine Freude am Publizieren war ungebrochen. Er wurde Chefredakteur des „Ulk“ und schrieb wieder regelmäßig für die „Weltbühne“ – und zwar soviel und in so vielen verschiedenen Rubriken, dass er die Pseudonyme Ignaz Wrobel, Peter Pander, Theobald Tiger und später auch Kaspar Hauser verwandte, um zumindest den Anschein des Abwechslungsreichtums zu wahren. Doch dabei blieb es nicht. Wie lautet einer seiner weniger bekannten Decknamen?

a Paulus Bünzly.

b Jacques d’Artagnan.

c Magnus Clausen.

7. Die Mörder gehen um

Die Weimarer Republik war eine schwache Demokratie. Immer wieder wurde sie von links und rechts attackiert. Saalschlachten, Handgemenge auf offener Straße und Attentate mit Todesfolge gehörten zu ihrem politischen Alltag. Tucholsky verfolgte die Verfahren gegen rechtsradikale Fememörder vor Gericht. Er war entsetzt. „Der deutsche politische Mord der letzten vier Jahre ist schematisch und straff organisiert“, schrieb er. „Alles steht von vornherein fest: Anstiftung durch unbekannte Geldgeber, die Tat (stets von hinten), schludrige Untersuchung, faule Ausreden, ein paar Phrasen, jämmerliches Kneifertum, milde Strafen, Strafaufschub, Vergünstigungen – ,Weitermachen!‘ Das ist keine schlechte Justiz. Das ist keine mangelhafte Justiz. Das ist überhaupt keine Justiz. Balkan und Südamerika werden sich den Vergleich mit diesem Deutschland verbitten.“ Wessen Ermordung wurde hier verhandelt?

a Die der Sozialistin Rosa Luxemburg

b Die des Zentrumspolitikers Matthias Erzberger.

c Die des Publizisten Maximilian Harden.

8. Große Veränderungen

Im Krisenjahr 1923 wurde Deutschland von der Inflation geschüttelt. Auch für Tucholsky machte sie das Leben nicht eben leichter. Weil ihm seine publizistische Arbeit kein sicheres Auskommen mehr ermöglichte, trat er eine Stelle in einem Berliner Bankhaus an. Auch sein Privatleben durchlitt eine instabile Phase: Er trennte sich von seiner ersten Ehefrau Else Weil, um im August 1924 seine langjährige Geliebte Mary Gerold zu heiraten. Als Korrespondent der „Weltbühne“ und der „Vossischen Zeitung" zog er im Frühjahr 1924 nach Paris um. Dort geht es ihm bald besser: Paris mache ihn „völlig betrunken“, schrieb er begeistert an Mary: „Du kannst dir das nicht denken, was das für ein Land ist. Es ist, wie wenn es die Arme öffnet und sagt: Nimm mich – ganz einfach und nett und weich.“ Mit Begeisterung versinkt er im französischen Kulturleben der Zwischenkriegszeit. Wessen Mutter besucht er in Toulouse?

a Henri de Toulouse-Lautrec.

b Henri Matisse.

c Claude Monet

9. Der Absturz

Tucholsky hatte Hitler lange unterschätzt: „Den Mann gibt es gar nicht“, hatte er schon früh geschrieben, „Er ist nur der Lärm, den er verursacht.“ Ähnlich sein Freund Carl von Ossietzky, den er zum Herausgeber der „Weltbühne“ erhoben hatte. „Die nationalsozialistische Bewegung hat eine geräuschvolle Gegenwart, aber gar keine Zukunft“, schrieb er 1930. In einer Mischung aus intellektuellem Hochmut und blinder Verkennung der Lage übersahen die beiden klugen Geister, welche Stunde es für Deutschland geschlagen hatte. Das hinderte Tucholsky natürlich nicht daran, die politischen Irrwege Deutschlands regelmäßig mit beißendem, am Ende auch verzweifelten Spott zu überziehen. Wie lautet der ironisch gebrochene Titel des Buches, das Tucholsky 1929 mit dem Grafiker John Heartfield publizierte und das zugleich Abrechnung und Liebeserklärung war?

a Die Reihen fest geschlossen.

b Deutschland, Deutschland über alles.

c Deutschland. Ein Lügenmärchen.

10. Das Ende

Tucholsky ging, gebeutelt von gesundheitlichen Beschwerden und gezeichnet von Niedergeschlagenheit, ins Exil nach Schweden. Seine Resignation lässt sich einem Brief entnehmen, den Tucholsky 1934 an seinen Freund Walter Hasenclever schrieb: „Dass unsere Welt in Deutschland zu existieren aufgehört hat, brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen. Und daher: Werde ich erst mal das Maul halten. Gegen einen Ozean pfeift man nicht an.“ Tucholsky starb wenige Wochen vor Weihnachten in Göteborg, nachdem er sich eine Überdosis Tabletten verabreicht hatte – ob absichtsvoll oder versehentlich, ist umstritten. Welchen Grabspruch hatte er in der Satire „Ein Requiem“ schon 1923 für sich vorgeschlagen?

a Ein Mann, ein Wort, ein Sarg – macht’s gut!

b Hier ruht ein Unruhestifter – wer hätte das gedacht?

c Hier ruht ein goldenes Herz und eine eiserne Schnauze. Gute Nacht!

Literatur: Michael Hepp, Kurt Tucholsky. Rowohlts Monographien. 189 Seiten, 8,99 Euro.

Die Auflösung: 1A, 2C, 3C, 4A, 5A, 6A, 7C, 8A, 9B, 10C.