Kurt Tucholsky

Der fliegende Berliner

Kurt Tucholsky war eine Berliner Pflanze, auch wenn es ihn stets fortzog. Zwischen allen Stühlen, zwischen vielen Frauen: So war sein kurzes Leben. Seine Geburtsstadt ließ ihn nie los. Er wurde hier zur berühmtesten Stimme der Zwanziger Jahre. Wo findet man heute Spuren?

Da gibt es etwas, das Kurt Tucholsky mit seinem Schriftstellerkollegen Alfred Döblin (1878–1957) und dem Gewerkschafter Hans Böckler (1875–1951) verbindet. Etwas im heutigen Berlin, etwas sehr Gemeines: Von allen dreien wurden die Bronzebüsten geklaut. Die Metalldiebe gehen um. Ganz besonders dreist gingen sie bei Tucholsky zu Werke. Sie sägten die Skulptur, die auf dem Gelände der nach dem Dichter benannten Oberschule in Pankow stand, mitten am Tage weg. Einfach so, während der sechsten Unterrichtsstunde.

Wie würde Tucholsky da dichten? Arme Banausen, arme Schweine, armes Deutschland? Möglich. Was würde die spitze Zunge überhaupt dazu sagen, dass ein kritischer Schriftsteller wie er mittlerweile, im 21. Jahrhundert, im gleichen Kurs steht wie kupferne Regenrinnen oder Signalkabel der S-Bahn? Also bei den Kupferdieben, versteht sich. Diese Raffkes klauen alles von der Straße weg, vom Friedhof, von Baustellen, solange es dafür Geld auf dem Schrottplatz gibt. Was für eine Vorlage für eine Satire! Nur ist es leider eben auch wahr.

Es war die einzige Tucholsky-Büste in Berlin. Sie fand sich nie wieder auf. Also hat man an der Pankower Schule, die nahe der Vinetastraße liegt, selbst ein neues Dichterporträt gestaltet. Daneben steht an der Hauswand in bunten Graffiti-Buchstaben der Name der Schule. Das ist der Empfang hier. In den kommenden Tagen, wenn die Schule im neuen Jahr wieder beginnt, findet eine Projektwoche statt. Der Namenspate der Schule und seine Geschichte sollen unter anderem ein Thema sein – „der Mann mit 5 PS“, wie Tucholsky über sich und sein Spiel mit den Pseudonymen schrieb.

Peter Panter, Ignaz Wrobel und die anderen. Allein das fasziniere sie an Tucholsky, urteilt eine achtzehnjährige angehende Abiturientin am Schultor. Hastig, im Vorbeilaufen, sagt sie das. Das war am letzten Schultag, als es ab in die Ferien ging. Aber sie urteilt sehr bestimmt: „Alles ist da drin.“ Also was ist Tucholsky heute? Viel für einen guten Deutschunterricht, sagt sie. Liebesgeschichten. Politik. Witz und Spott, oft die Berliner Schnauze. Aber selten Bitterkeit. Genau dieser Tucholsky ist Programm. „Lasst Euch Euer Denken niemals abnehmen“, predigte den Kindern und Jugendlichen der Schule vor einiger Zeit auch einmal eine uralte Schwedin, die in der Aula zu Besuch war. Es war Sonja Sonnenfeld, damals schon Ende 90. Was sie sagte, hätte genauso gut von Tucholsky stammen können. Diese Sonja war jüdische Exilantin. Sie floh in den 1930ern aus Berlin, sie überlebte die Nazizeit dort, wohin Tucholsky genauso floh: im hohen Norden. Kontakte wie zu ihr sind der Tucholsky-Schule wichtig. Man trägt mit Stolz den Namen.

In Moabit gibt es ferner eine Tucholsky-Grundschule, ganz nah dem Haus, in dem der Schriftsteller 1890 geboren wurde. In der Lübecker Straße lebte seine Familie aber nur kurz. Eine Tafel erinnert an der Fassade trotzdem daran, außerdem nennt sich eine Galerie im Erdgeschoss „Kurt Kurt“ , ein Kinderladen daneben heißt „Tiger, Panther und Co“ (Panter mit „h“, im Gegensatz zum Alter Ego Tucholskys). Immerhin, einige solcher Adressen gibt es in seiner Geburtsstadt. Eine Stadtteilbibliothek von Moabit ist nach ihm benannt, noch eine Tucholsky-Bücherei liegt im Bötzowviertel. Ein Verein von Bürgern hat sie vor der Schließung bewahrt. Aufrechte Demokraten müssen doch lesen! Klar. Es gibt eine Tucholsky-Buchhandlung, sie liegt in Mitte, in der Tucholskystraße. Und ein Restaurant.

Viele Tucholsky-Forscher arbeiten in der Stadt, tagen regelmäßig, betreiben Internet-Blogs. An drei Universitäten gibt es Seminare zur politischen Literatur der Zwanziger, für die der Journalist und Schriftsteller besonders steht. Die „Weltbühne“ war Tucholskys Abspielbühne Nummer eins. Sie ist ein Muss für Germanisten, Historiker, Politikwissenschaftler. Tucholsky und Berlin – nicht schlecht, alles drin. Spuren gibt es überall. Vor allem nicht schlecht dafür, dass Tucholsky eigentlich mehr aus dem Koffer lebte als in der Stadt selbst. Es zog ihn weg.

Schon 1924 kehrte er der Stadt ganz den Rücken. Los kam er dennoch nicht, Berlin schimmert immer in seinen Texten durch. „Sogar vieles von dem, was heute noch ist“, sagt der Tucholsky-Biograf Rolf Hosfeld. Hosfeld meint die nassforsche Art. Dieses Hoppla-jetzt-komm-ich. Über Jahre hat sich Hosfeld, 66, selbst Journalist, mit dem Journalisten Tucholsky befasst, „Ein deutsches Leben“ (btb Verlag, 320 S., 10,99 Euro) betitelte er sein Buch. Tucholsky meinte, ein Journalist wie er habe Erfolg, aber keine Wirkung – und widerlegte selbst vortrefflich diese These. Er war zu seiner Zeit Kult, sagt Hosfeld. Ein Kultautor aus Berlin. Was ist er heute? Ein Kultautor.

Nu komm Se mal zum Poäng, würden an dieser Stelle wohl Panter/Wrobel und die anderen PS im Chor aufschreien. Wo denn nur liegt Tucholskys Berlin genau, der Ort, der alles auf den Punkt bringt? Es muss ihn geben. Und da landet man mit dem Biografen Hosfeld auf der Friedrichstraße, am Bahnhof. Vor den Schaufenstern eines Drogeriemarktes und einer Sparkasse, zwischen Hunderten geschäftigen Menschen, die eilen, und ein paar, die sich nicht rühren, weil sie die anderen, die eiligen, nur stumm um Almosen bitten. Der Häuserblock an der Friedrichstraße, Ecke Dorotheenstraße ist modern. Nichts ist von früher erhalten. Genau an dieser Stelle lag vor 125 Jahren das Central-Hotel. Verschnörkelt, mit Wintergarten am Trottoir. Das war das Varieté Wintergarten, lange Zeit ein Mekka der Unterhaltungskunst. Eine Manege für Stars, auch für neue, freche Lieder. „Es lag am Schulweg des kleinen Kurt Tucholsky“, sagt Rolf Hosfeld.

Aus der Wohnung an der Dorotheenstraße Nummer 11 läuft Tucholsky in den Jahren um 1900 jeden Tag ins Französische Gymnasium, das am Reichstagsufer liegt. Kurt soll genau diese Schule besuchen, der Vater will es. „Das ist Präventivmedizin gegen den überbordenden Nationalismus“, erläutert Hosfeld. Die Familie lebt in großbürgerlichen Verhältnissen, ihre Wohnung hat schon Telefon. Der Vater ist gut bezahlter Manager im Kaiserreich, ein assimilierter Jude, der einen liberalen Ton pflegt. Gleich vor der Haustür tummelt sich tout Berlin. Es gibt die Kaiserpassage, Hotels, Varietés und Theater. Heute zeugt davon nur noch der Admiralspalast.

Rolf Hosfeld weiß, dass gerade diese schillernde Welt, die Tucholsky als Kind erlebt, ihn prägt. Die Welt der Artisten, der schrägen Gestalten. Tucholsky hat früh ein Gefühl dafür, welch harte Arbeit hinter jedem Ulk, jeder Revuenummer steckt. Wenn jede Silbe sitzen muss. Daran verdient Tucholsky später ja auch gut: mit seinen Couplets und Chansons, Artikeln, Satiren, Vorträgen, Büchern. Später fasst er zusammen: „Tucholsky hat zu den bestbezahlten deutschen Journalisten gehört.“ Das schreibt er 1934 in einem Lebenslauf, mit dem er sich um die schwedische Staatsbürgerschaft bewirbt.

Und irgendwie lag’s wohl am Wintergarten. Der bleibt für Tucholsky der Aristokrat unter den Bürgervarietés, leuchtender als der Rest. Er steht für die alte Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, ein nicht vergehender Luxus, sozusagen immer fünf Sterne. Zum Inventar gehört Otto Reutter, der berlinische Couplets singt. Jahrzehntelang, er macht einfach weiter. Auf ewig hängt Tucholsky genauso dieser Welt an. Er lebt darin. Ohne gediegenen Luxus geht gar nichts, zum Beispiel beim Reisen. „Er reist immer mit zwei großen Koffern, wohnt im ersten Hotel am Platz“, sagt Hosfeld. Tucholsky war vieles, nur gewiss kein Bohemien. Manche eher konservative Züge prägen ihn. Das wollen einige Forscher und Anhänger nicht unbedingt wahrhaben. Der linke Schriftsteller soll ein geradezu aristokratischer, zu Teilen in der Lebenswelt der Belle Epoche verwurzelter Mann gewesen sein?

Na logisch. Wie sein vermögender, von ihm zutiefst bewunderter Vater, der Kaufmann Alex Tucholsky, kleidet er sich immer tiptop. Bevor die Familie 1899 die Wohnung an der Dorotheenstraße, Ecke Planckstraße bezieht, lebt sie für ein paar Jahre in Stettin. Der Vater soll ein Eisenbahnunternehmen leiten. Dort sind sich Vater und ältester Sohn besonders nah. Alex Tucholsky stammt ursprünglich aus Greifswald, Platt ist seine erste Sprache. Daher lernt der Junior Kurt das Niederdeutsche auch so gut. Im Werk des Schriftstellers begegnet es dem Leser oft. Genauso die ewige Sehnsucht nach dem Norden, nach der Ostsee. Je älter er wird, desto größer. „Er ist weniger Großstadtmensch als gemeinhin angenommen“, sagt Rolf Hosfeld. Tucholsky sehnsüchtelt immer und überall, sucht das, was gerade nicht ist.

Mit 15 Jahren ist seine Kindheit auf einen Schlag vorbei. Der Vater stirbt. Der Jugendliche muss das häusliche Regiment seiner Mutter aushalten, die er nicht mag. Er bringt die Schule leidlich zu Ende, ein Privatlehrer fördert ihn, immerhin. Tucholsky geht – auch das konservativer als gedacht – erst einmal an die Universität, gleich um die Ecke Unter den Linden, um Jura zu studieren. Bald muss die Mutter die große Wohnung verlassen, sie zieht nach Schöneberg.

Tucholsky nimmt sich eine Dachwohnung in der Wilmersdorfer Nachodstraße, und das, typisch, tut er ziemlich standesgemäß. Denn es sind nur wenige Schritte zur prächtigen Kaiserallee und nur etwa 20 Minuten zu Fuß zum Kurfürstendamm. Diese Ecke ist in Mode. Bis zum April 1915, bis er als Soldat in den Krieg an die Ostfront ziehen muss, lebt er so, frei und ungebunden. Er beginnt, Artikel zu veröffentlichen, etwa im Berliner Tageblatt von Theodor Wolff. In Kürze, im Frühjahr 2015, erscheint ein kleines, fundiertes Buch über Tucholskys Wohnorte in Berlin, die Germanistin Sunhild Pflug hat die Archive durchforstet. Sie hebt hervor, dass Tucholsky mit seinem 21. Geburtstag, 1911, den Zugriff auf das väterliche Erbe hat. Das Leben kann losgehen. Der Volljährige reist. Den Sommer 1911 verlängert der Student, solange es irgend geht. Erst verbringt er mit seiner Freundin, der Medizinstudentin Else Weil, ein paar späte Augusttage in Rheinsberg. Dann mietet er sich für länger an der Küste ein. Seine Liebesgeschichte Rheinsberg wird ein Verkaufshit, sie ist unendlich unbeschwert. Typisch, diese Leichtigkeit, sobald er aus der Stadt heraus ist.

Zurück in Berlin, darf er wieder spotten. Die Stadt sei so aufgeheizt, „ein wahnwitzig gewordenes Dorf“, meckert Tucholsky bei einem seiner ersten Treffen mit Siegfried Jacobsohn, dem Verleger der „Schaubühne“, der späteren „Weltbühne“. Trotzdem verdanke er seiner Geburtsstadt alles, fügt Tucholsky hinzu. Wo, wenn nicht hier, liegen die Themen für ihn auf der Straße? Er erfindet Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel. Es sind Namen aus Fallbeispielen seines Jura-Repetitors im Studium. Die Autoren wechseln sich ab, werden Mitglieder in Organisationen, halten Reden, bringen Bücher heraus. Mit Siegfried Jacobsohn entsteht eine echte Freundschaft, sie reicht bis zu dessen Tod 1926.

Insgesamt arbeitet Tucholsky bis 1931 für die „Weltbühne“. Bis zu jenem folgenschweren Ignaz-Wrobel-Artikel über Schlachtfelder, in dem es an einer Stelle heißt: „Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.“ Ein Prozess folgt, ein Freispruch. Gebrandmarkt ist er dennoch. Später, als die Nazis an der Macht sind, werden seine Bücher verbrannt. Tucholsky schaut aus Schweden zu. Zumindest in jüngster Zeit hat der Soldaten-Satz wieder größte Berühmtheit. Radikale Pazifisten nutzen ihn, er prangt auf Berliner Häuserwänden.

Wie aber genau trifft Tucholsky auf Jacobsohn? Wie kommt er auf seine Bühne? Es gibt da eine merkwürdige Pointe, man darf sie nicht versäumen: Ein mörderischer Spaß macht den Anfang. Tucholsky besucht 1913 das „Herrnfeld“-Theater. Er sieht einen billigen Schwank, die jüdischen Brüder Anton und Donat Herrnfeld sind Hauruck-Unterhalter. Derbe Späße über Ostjuden, gewiefte Großstadtjuden. Wahrlich nicht jedermanns Sache. Tucholsky hält die Brüder für verkannte Genies, schickt einen Text an Jacobsohn. Der empfängt und engagiert den Mann, der so gegen den Strich bürstet, sofort.

Es ist wohl kein Wunder, dass die ganze Sache mit einem Stück aus dem Showgeschäft beginnt. Jener Welt, auf die Tucholsky fliegt wie die Motte ins Licht. In den Kriegsjahren 1915 bis 1918 ist Tucholsky dann Soldat, erst im Baltikum, später in Rumänien. Zurück in Berlin, erlebt er, wie sich viele in der Stadt gegen den Frieden, die Republik und überhaupt gegen eine zivile Gesellschaft stemmen. Das macht ihn nur zum noch stärkeren Pazifisten. 1919 legt er los, hackt sich auf der Maschine die Finger wund, veröffentlicht auf allen Kanälen. Er ist kein radikal Linker, sondern ein zutiefst ziviler Mensch. Durch seine Polyphonie, „mit 5 PS“, mit einer guten Selbstvermarktung und unbändigem Arbeitseifer wird er die Berliner Stimme seiner Zeit.

Außerdem hat er ein Dreigestirn im Rücken, das ihn mächtig antreibt, auch neue Liedtexte fürs Kabarett zu schreiben. Zum einen der Theaterchef Max Reinhardt (Kabarett „Schall und Rauch“, „Deutsches Theater“), der ein unternehmerisches Genie ist. Dann Rudolf Nelson, der eine Revue-Bühne am Kurfürstendamm hat und der Komponist Friedrich Hollaender. „Wenn der alte Motor wieder tackt“ heißt ein berühmtes Lied, der Biograf Rolf Hosfeld kenne es seit seiner eigenen Jugend, erzählt er. Solch altmodischen Couplets, die einen Berliner Witz und einen feinen, jüdischen Humor vereinen, haben es Hosfeld angetan. Tucholsky komponiert einige in seinen Berliner Jahren selbst am Klavier, sagt der Biograf bewundernd.

Als Junge lernt er das Spielen, das gehört einfach dazu. Ein Piano darf später an keinem Wohnort fehlen. Ganz gewiss steht eines in jener großen Vierzimmerwohnung in der zweiten Etage in Friedenau, wo er etwas überstürzt im Frühsommer 1920 einzieht. Es ist die Wohnung der Ärztin Else Weil, frisch promovierte Medizinerin, sie arbeitet in der Gynäkologie der Charité. Tucholsky und Weil kennen sich seit bald zehn Jahren – sie war schließlich die Figur der Claire im Rheinsberg-Abenteuer 1911. Dass sie nun heiraten, im Mai, und zusammen leben, überrascht doch viele. In der Kaiserallee 79 steht das Haus, der heutigen Bundesallee. Ein gelb leuchtender Altbau, mit vielen ovalen Sprossenfenstern. Im Bürgersteig vor der Haustür glänzt ein Stolperstein aus Messing für Else Weil, „in Auschwitz ermordet“ steht da.

Von Tucholsky trennt sie sich bereits nach kurzem Zusammenleben, seine Eskapaden mit anderen Frauen sind Schuld. 1924 wird die Ehe geschieden, und Tucholsky reist aus Berlin ab in Richtung Paris – mit der nächsten, Mary Gerold. Sie wird seine zweite Ehefrau, ebenfalls für vier Jahre. Doch wirklich zusammen sind sie kürzer, sie halten sich gegenseitig nicht recht aus. Es gibt immer wieder neue Frauen in seinem Leben, aber trotzdem bleibt Mary, die er schon 1917 in Riga kennen lernt, die Liebe seines Lebens. Sehnsüchtig erhofft, doch unerreicht – ganz sein Stil. Treffend beschreibt Tucholsky diesen Wesenszug in „Schloss Gripsholm“. Da zieht Lydia den Schriftsteller mit einem Brief, den er erhält, auf: „Von einer Braut? Einer dieser alten Exzellenzen, die du so liebst?“

Tucholsky arbeitet, nachdem er Berlin den Rücken kehrt, auch getreu seiner Gewohnheiten weiter: als „Fliegender Berliner“. Er ist nicht da, und doch da. Ob er nun in Paris ist, bei längeren Aufenthalten in Dänemark oder Schweden – er veröffentlicht Momentaufnahmen über die Stadt und seine Gestalten, als wäre er dort. Das Futter geht ihm nicht aus, egal wo. Legendär ist der jüdisch-deutsche Spießer Herr Wendriner, eine Figur, die er bis 1930 in Artikeln der Weltbühne formt und immer weiter ausschmückt. Das pralle Leben.

In Berlin, ganz wahrhaftig, ist Tucholsky zuletzt 1929 für einen kurzen Besuch.

Er wohnt im Hotel.