Die letzte Frage: Robert Pattinson, Schauspieler

Haben Sie Angst vor Liebesentzug, Herr Pattinson?

Er ist der Lieblings-Vampir einer ganzen Generation: Robert Pattinson, Star der "Twilight"-Reihe, hat ebenso viel erotische Ausstrahlung wie Gruselqualitäten. Bei dem Treffen mit unserem Autor indes gab sich der 23-Jährige bescheiden. Mit verwuscheltem Haar und einem alten T-Shirt schlurfte er in eine Suite im "Four Seasons"-Hotel in Beverly Hills. So sieht ein Poet aus, der sich verkannt fühlt. Aber kein Filmstar, der gerade zum "World's Sexiest Man" gewählt wurde.

Berliner Illustrirte Zeitung: Wie fühlt man sich so als der neue Leonardo DiCaprio?

Robert Pattinson: Oh nein, muss das sein? Ich finde, mit diesem Vergleich tut man mir unrecht. Von Leo mal ganz zu schweigen. Wann hat dieser Kerl seine erste Oscar-Nominierung bekommen? Mit elf Jahren oder so. Wir wollen mal die Kirche im Dorf lassen. Ich bin nicht der neue Leo!

Berliner Illustrirte Zeitung: Zumindest das Ausmaß der Kinderzimmer-Poster-Wandabdeckung dürfte bei Ihnen ähnlich hoch sein wie bei DiCaprio kurz nach "Titanic".

Robert Pattinson: Das kann gut sein. Es gibt eine gewisse Parallele, obwohl ich noch mal darauf hinweisen möchte, dass ich mich mit ihm nicht vergleichen möchte. Bei Leonardo DiCaprio war es eben so wie bei mir, dass wir ziemlich zeitig gern Schauspieler werden wollten. Aber der damit verbundene Ruhm war und ist uns relativ egal. Das Schöne ist ja, dass man wirklich nicht planen kann, wer wann der nächste Star wird.

Berliner Illustrirte Zeitung: Man versucht es hin und wieder.

Robert Pattinson: Meistens scheitert es dann. Und zwar grandios. Nehmen Sie doch nur mal meine Figur, die des Edward. Denn es ist ja nicht nur Robert, dem die Kids da zujubeln. Sie wollen zum großen Teil Edward sehen. Und der hat, wie es sich für einen Vampir gehört, einen sehr blassen Teint. Wenn die Industrie vor ein paar Jahren versucht hätte, das zum Trend aufzublasen, wäre das schief gegangen. Jetzt ist es der letzte Schrei. Wissen Sie, ich versuche, all das gelassen zu ertragen.

Berliner Illustrirte Zeitung: Auf den Fotos in Zeitschriften oder im Internet sieht das manchmal ziemlich erschreckend aus.

Robert Pattinson: Na ja, da muss man dann durch. Letztens war ich in Japan, um den neuen Film vorzustellen. Und dort war ich auf der Straße auf einmal der einzige Nicht-Japaner. Aber dafür wurde ich auch in Ruhe gelassen. Das war mal eine völlig neue Erfahrung. Ich muss bei diesem ganzen Hype immer ein bisschen lächeln. Niemand, wirklich niemand, der mich als Kind oder als Jugendlicher kannte, hätte gedacht, dass ich mal als Star herhalten muss. Schon verrückt!

Berliner Illustrirte Zeitung: Aber wie bekommt man das hin, wenn man mitten im Fan-Sturm steht. Man aber trotzdem nicht so recht an die Euphorie glauben mag. Weil der Absturz danach so groß sein kann.

Robert Pattinson: Ich habe ein ganz einfaches Mittel. Das hat mir mal ein Kollege verraten, der schon Erfahrung mit so etwas hatte. Er hat mir gesagt: "Stell Dich einfach neben Dich selbst und schau Dir zu". Mag im ersten Moment etwas merkwürdig klingen. Aber es funktioniert sehr gut. Manchmal stehe ich einfach nur neben mir. Wenn man diesen ganzen Hype als etwas versteht, mit dem man selbst nur bedingt etwas zu tun hat und bei dem man davon ausgehen sollte, dass er bald wieder vorbei sein könnte, dann überlebt man das sicher am besten.

Berliner Illustrirte Zeitung: Können Sie in Ihrer Heimatstadt London unbehelligt über die Straße gehen?

Robert Pattinson: (lacht) Wissen Sie, das ist wirklich komisch. Aber ich kann Ihnen darauf keine Antwort geben. Ich denke, dass man mir auch dort zujubeln wird. Aber ich weiß es nicht. Wir drehen unentwegt an den nächsten Teilen. Überall auf der Welt, aber nicht in London. Dummerweise verändern sich Vampire ja nur ganz minimal im Laufe der Jahre. Deshalb müssen jetzt die vier Teile so schnell wie möglich gedreht werden, damit wir noch einigermaßen jugendliche und frische Gesichter haben.

Berliner Illustrirte Zeitung: Wenn man von jungen Schauspielern liest oder hört, die gerade sehr populär sind, dann heißt es oft: "enjoy the moment". Können Sie das?

Robert Pattinson: Hin und wieder schon, ja. Wenn ich zum Beispiel an die ganzen Premieren denke, die wir gerade mit den Fans gefeiert haben. Wenn ich mir ausmale, wie sich die Fans auf den zweiten Teil freuen, der meiner Ansicht nach viel lockerer, viel entspannter ist als der erste. Dann genieße ich diese Momente auf jeden Fall.

Berliner Illustrirte Zeitung: Das erste Mal hatte ich Sie bei den Dreharbeiten zu "Harry Potter" gesprochen ...

Robert Pattinson: ... oh ja, Cedric, der einen frühen Tod sterben musste. Aber es war ja, wenn man so möchte, für eine gute Sache.

Berliner Illustrirte Zeitung: Damals erzählten Sie davon, dass Sie sich noch gar nicht sicher wären, in welche Richtung Ihre Karriere gehen würde. Da war von Gedichten und Geschichten die Rede, von einer eventuellen Karriere als Musiker.

Robert Pattinson: Um ehrlich zu sein, halte ich mir alle Optionen offen, halte alle möglichen Wege für beschreitbar. Aber nehmen Sie zum Beispiel den ersten "Twillight"-Teil. Da ist ein Stück Musik von mir drauf.

Berliner Illustrirte Zeitung: "Never Think" von Bob Pattinson. Eine dunkle Ballade, vorgetragen zur Gitarre.

Robert Pattinson: Genau. Was glauben Sie, wie viele Menschen danach mit der Idee kamen, dass ich nun gleich ein Album nachschießen müsste?!

Berliner Illustrirte Zeitung: Und könnten Sie?

Robert Pattinson: Das genau ist ja mein Problem. Wie viele Menschen würden es mir denn ehrlich sagen, falls dieses Material nicht wirklich so gut wäre, wie ich es gern hätte? Nein, ich warte lieber noch ab. Natürlich habe ich weitere Songs. Aber die werden ja nicht schlecht. Ich lasse sie noch ein wenig reifen und konzentriere mich momentan eher auf die Schauspielerei.

Berliner Illustrirte Zeitung: Wären Sie gern "mehr" als ein Schauspieler?

Robert Pattinson: Das lässt sich zurzeit schlecht sagen. Wenn ich die Frage bejahe, dann heißt es: "Schaut, er ist unzufrieden". Würde ich sie verneinen, dann wären all die Leute, die mich kennen, verunsichert. Weil sie wissen, dass ich mehr sein möchte. Ich bin mir nicht sicher, aber es muss einen Weg geben, sich in mehreren Disziplinen auszutoben, in mehreren Künsten gut zu sein. Aber ich will nicht die Geduld verlieren oder undankbar sein für den Weg, den ich bisher gehen konnte.

Berliner Illustrirte Zeitung: Welcher ist Ihr Lieblings-Vampirfilm?

Robert Pattinson: Ganz eindeutig "Blade".

Berliner Illustrirte Zeitung: Warum ausgerechnet dieser Film? Das ist alles andere als ein Klassiker.

Robert Pattinson: Kann sein, aber ich bin ein Fan von Wesley Snipes. Wie cool er da den Vampir spielt, das hat mir schon immer gefallen.

Berliner Illustrirte Zeitung: In Europa wird die "Twilight"-Reihe ein bisschen anders gesehen als in den USA.

Robert Pattinson: Wieso?

Berliner Illustrirte Zeitung: Na ja, man sieht in den Büchern von Stephenie Meyer einen erzreaktionären Hintergrund. Man könnte zugespitzt auch sagen: Kein Sex vor der Ehe!

Robert Pattinson: Nun ja, das kann man sicher hineinlesen.

Berliner Illustrirte Zeitung: Nein, sorry, aber das steht ziemlich genau so da.

Robert Pattinson: Okay, lassen Sie es mich anders sagen. Es hat für unsere Verfilmung keine Rolle gespielt. Wir hatten während der Dreharbeiten keine Deutung des Romans vorgenommen. Ich finde, man kann an Büchern und Filmen auch so, ohne diese Interpretation, seinen Spaß haben. Ich hatte auch keine Ahnung, als ich die Bücher zum ersten Mal gelesen habe, dass Stephenie Meyer eine Mormonin ist. Das habe ich aus den Büchern nicht herausgelesen.

Berliner Illustrirte Zeitung: Passiert es Ihnen manchmal, dass Sie zum Fan werden und einen anderen Star bewundern?

Robert Pattinson: Sie meinen bewundern, so dass es mich einschüchtert? Eher weniger. Aber ich kenne dieses Gefühl aus einer anderen Situation sehr gut. Und zwar aus den Talkshows, in die ich oft eingeladen werde. Wenn ich da sitze und mir überlege, dass ich jetzt mindestens so lustig sein müsste wie der Moderator, schwitze ich Blut und Wasser. Solche Situationen mag ich überhaupt nicht.

Berliner Illustrirte Zeitung: Woher kommt es eigentlich, dass Sie und Ihre Filmpartnerin Kristen Stewart so eine Chemie auf der Leinwand entwickeln? Es gab da schon Gerüchte.

Robert Pattinson: Keine Ahnung, wovon Sie da sprechen. Ich ... ich ... man kann schon sagen, dass ...

Berliner Illustrirte Zeitung: Man könnte es eine Affäre nennen. Zumindest sieht es auf Bildern so aus.

Robert Pattinson: Kein Kommentar. Aber ich kann Ihnen beschreiben, wie wir arbeiten. Zum einen hat Kristen eine unglaubliche Energie, die alle mitreißt. Und dann haben wir beide die Eigenschaft, dass wir es den Menschen um uns herum nicht eben leicht machen. Wir sind nicht mit der ersten Einstellung zufrieden, wir wollen immer mehr, immer besser sein. Vielleicht ergänzen wir uns da so, dass es eine ganz bestimmte Chemie ergibt.

Berliner Illustrirte Zeitung: Wie spielt man eine so tiefe Liebe, die tödlich enden könnte, wenn man noch so jung an Jahren ist?

Robert Pattinson: Sie meinen, ich müsste schon heftig an Liebeskummer gelitten haben, um so eine Rolle spielen zu können? Da bin ich in der großartigen Lage, den Ball einfach an Kristen weitergeben zu können. Die meiste Zeit spiele ich ja einen Charakter, den sie sich schön träumt, mutig träumt, von dem sie Geheimnisse und deren Offenlegung erwartet. Fragen Sie doch Kristen, vielleicht weiß die eine perfekte Antwort.