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Scientology steckt hinter Anti-Drogenkampagne

Scientology wirbt auch bei kleinen Händlern am Kaiserdamm in Charlottenburg um Aufmerksamkeit. Zu zweit haben dort Scientologen oder von ihnen Beauftragte Geschäfte besucht, um Werbeplakate anzubringen. Da Scientology darauf zur Anti-Drogen-Kampagne nur in einer klein gedruckten Zeile am unteren Rand auftaucht, ist etlichen Händlern nicht bewusst, dass es sich um die umstrittene Sekte handelt.

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Andere wissen es zwar, hängen das Plakat dennoch ins Schaufenster. "Es richtet sich doch gegen Drogen. Das ist gut", meint ein Händler. Auch zwei benachbarte Geschäftsfrauen finden nichts dabei. Schließlich hängen sie auch von anderen Veranstaltern Plakate in ihre Schaufenster.

Ein anderer Händler hingegen warf das Duo achtkantig aus dem Laden. "Sie haben nicht gesagt, dass sie von Scientology kommen. Erst im Infoheft, das sie mir zum Schluss gaben, entdeckte ich das", ärgert sich der Geschäftsmann. Die Entgegennahme des Plakats wollten sie sich mit einem Stempel bestätigen lassen.

Nach Einschätzung von Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte (SPD) haben die Werbebemühungen von Scientology im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf aber nachgelassen. "Unsere Strategie, die Menschen über Scientology aufzuklären, hat gefruchtet. Aufzuklären, ohne zu verteufeln, war genau der richtige Weg. Ihre Broschüren und Faltblätter versuchen sie auch in den Bürgerämtern auszulegen. Unsere Mitarbeiter sind aber geschult. Sie erkennen die Flyer und entfernen sie", berichtet Schulte. Erst jüngst habe die Stadtbücherei von Scientology unaufgefordert eine Bücherkiste mit Scientology-Büchern zugeschickt bekommen. Auch die werde entsorgt. Organisationen wie "Sag nein zu Drogen, sag ja zum Leben" seien genauso wie die Hilfe für angebliche Psychiatrieopfer Tochterunternehmen von Scientology. In den Schulen sei darüber informiert worden. Es handle sich um "das Deckmäntelchen vermeintlicher Lebenshilfe".

Die Werbestände an der Wilmersdorfer Straße Ecke Pestalozzistraße, am Kurfürstendamm Ecke Uhlandstraße und auf dem Joachimstaler Platz seien zwar noch genehmigt. Scientology habe aber gegen Auflagen verstoßen und Heizpilze und Stühle aufgestellt. Diese Verstöße würden geahndet.

Kerstin Jüngling, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin, warnt ebenfalls vor den Broschüren, deren Herkunft erst auf den dritten Blick zeigten, woher sie kämen: "Einziges Ziel der Kampagne ist es, neue Mitglieder anzuwerben."

Als Versuch der Sekte, hier Fuß zu fassen, werten Berliner auch den Fragebogen "Oxford Persönlichkeits-Analyse", der ihnen kürzlich in den Briefkasten flatterte. Es handle sich "aus datenschutz- und persönlichkeitsrechtlichen Aspekten um ein höchst zweifelhaftes und weitreichendes Ausspähmanöver der Sekte, mit dem der unbefangene Antwortgeber zur Enthüllung sehr persönlicher Daten und auch finanzielle Details zur Vermögenssituation veranlasst werden solle", kritisiert ein Jurist.