Far Out - Die Party ist aus

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Andreas Gandzior

Die letzte Party ist gefeiert, die Musik verstummt: Die Diskothek "Far Out" am Lehniner Platz gegenüber der Schaubühne hat den Betrieb eingestellt.

Wilmersdorf Die letzte Party ist gefeiert, die Musik verstummt: Die Diskothek "Far Out" am Lehniner Platz gegenüber der Schaubühne hat den Betrieb eingestellt. Nach mehr als 23 Jahren hat der Tanztempel am Kurfürstendamm seine Pforten geschlossen. Ende Juni wurde das Insolvenzantragsverfahren über das Vermögen der Far Out Gastronomie und Veranstaltungs- GmbH Berlin angeordnet, Anfang September das Insolvenzverfahren eröffnet.

"Die Gesellschaft hat komplett aufgehört und wird aus dem Handelsregister gelöscht", sagt Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus. Das Far Out sei besonders in den 80er-Jahren für viele junge Berliner eine Institution gewesen, und die Gesellschaft habe hohe Gewinne erwirtschaftet. Nach dem Mauerfall habe sich die Szene aber geändert und viele Besucher seien abgewandert.

"Diskotheken unterliegen einem gewissen Zyklus", so Voigt-Salus. "Es war schon erstaunlich, wie lange sich das Far Out gehalten hat." Nach Aussage des Insolvenzverwalters sei aber kaum noch in das Geschäft investiert worden. Nach und nach hätten sich auch die Gesellschafter auszahlen lassen. Auch eine Eigentumswohnung der Gesellschaft sei verkauft worden. "Die Finanzdecke ist immer dünner geworden", so Voigt-Salus. Hohe Personalkosten mit Löhnen, die in der Gastronomie heute nicht mehr üblich seien, und eine sehr hohe Miete hätten die Gesellschaft in die finanzielle Misere gebracht.

"Gespräche mit dem Vermieter waren nicht mehr möglich, da sich bereits enorme Mietschulden angehäuft hatten", berichtet der Rechtsanwalt. Jetzt wird geprüft, was noch da ist, Verbindlichkeiten werden getilgt", sagt Voigt-Salus.

"Das Aus für die Disko hat sich schon über einen längeren Zeitraum abgezeichnet", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen möchte. "Die Löhne wurden immer häufiger mit Verspätung bezahlt. Während der Fußball-Weltmeisterschaft lief das Geschäft ganz schlecht." An durchschnittlichen Abenden seien immer 200 bis 300 Gäste im Far Out gewesen, während der WM seien es nur 15 bis 20 gewesen. Der Ex-Mitarbeiter sieht auch die heißen Sommermonate als Nachteil für den Tanzbetrieb. "Die Leute gehen dann doch lieber in einen Biergarten, als bei bis zu 50 Grad Hitze zu tanzen. Die Klimaanlage hat das nicht mehr geschafft."

Das Far Out eröffnete 1983 und stand - da es Anhängern der Bhagwan-Sekte gehörte - von Beginn an unter Beobachtung. Themen wie Gehirnwäsche und Sexparties machten die Runde, Eltern junger Disko-Besucher warnten ihre Kinder vor Rauschgift. Neugierige Teens und Twens bevölkerten den Flachbau mit der riesigen Tanzfläche, voller Erwartungen auf das Verbotene. Doch diese sollten sich nicht erfüllen, die Bhagwan-Diskothek war wie jeder andere wirtschaftlich geführte Tanztempel. "Drogen waren verboten, wurden aber genommen, und was sich in Sachen Sex abspielte, hatte mit Pubertät und Lust zu tun, aber nichts mit indischer Erleuchtungslehre aus Poona", sagt der frühere Stammgast Peter M. Über der tanzenden Menge habe ein großes Bild von Bhagwan gehangen, die Angestellten seien nach der Kleiderordnung der Sekte in Rot- und Orange-Tönen gekleidet gewesen. "Die Coolness, die in anderen Läden unter den Gästen herrschte, hat man im Far Out vergeblich gesucht", so Peter M. weiter.

"Das Schönste war doch immer die Musikvielfalt", schwärmt Cordula Schmitz. "Plötzlich wurde mitten in der Nacht ein Wiener Walzer gespielt, danach AC/DC, dann wieder Disko-Musik. Es war immer etwas für jeden dabei. Außerdem musste man sich nie extra stylen, wie in vielen anderen Läden", sagt die 42-Jährige.

Auch die Themenabende etwa zu "After-Work-Partys" oder "Forever-young-Partys" für über 30-Jährige konnten am Ende nicht genügend Gäste anlocken.