Ärger um "Reichssportfeldstraße"

Die Initiative "Flatowallee am Olympiastadion" wirft dem Bezirksamt fehlende Sensibilität im Umgang mit der deutschen Geschichte vor.

Charlottenburg Die Initiative "Flatowallee am Olympiastadion" wirft dem Bezirksamt fehlende Sensibilität im Umgang mit der deutschen Geschichte vor. "Bei der Suche eines Berlin-Besuchers nach der Flatowallee auf einer der Charlottenburger Informationstafeln der Firma Wall wurde dieser nicht fündig. Mehr als neun Jahre nach der Umbenennung wird immer noch die Bezeichnung ,Reichssportfeldstraße' auf dem vom Bezirksamt zur Verfügung gestellten Kartenmaterial verwendet", ärgern sich Otto Eigen und Gottfried Arend von der Initiative, die vier Jahre lang kämpfte, um die Umbenennung der Zufahrtsstraße von der Heerstraße zum Olympiastadion gegen große Widerstände durchzusetzen. Die frühere Reichssportfeldstraße war 1997 nach den jüdischen Turn-Olympiasiegern Felix und Alfred Flatow, die vom NS-Regime im KZ Theresienstadt umgebracht wurden, in Flatowallee umbenannt worden. Die CDU und Anwohner hatten sich gegen eine Umbenennung der 1936 von den Nazis benannten Straße ausgesprochen.

Den Stein ins Rollen brachte der SPD-Bezirksverordnete Joachim Kuntze. Er hatte das Bezirksamt auf den Fehler aufmerksam gemacht. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) antwortete ihm, daß eine Korrektur erst 2007 erfolge. Es gebe mit der Firma Wall die Vereinbarung, daß die Pläne in den Stadtinformationsanlagen nach zehn Jahren überarbeitet werden. Mit dieser Antwort gab sich Kuntze nicht zufrieden und wandte sich an die Initiative um Otto Eigen. Der schickte Wall alle Unterlagen und fragte, ob das Problem schneller zu beheben sei.

Beate Stoffers, Sprecherin der Wall AG, entschuldigte sich: "Es tut uns sehr leid, daß uns der Fehler nicht schon früher aufgefallen ist. Selbstverständlich tauschen wir unverzüglich alle acht Tafeln im Bereich Charlottenburg aus." In solch einem Fall spiele die Zehn-Jahres-Vereinbarung gar keine Rolle. "Die Erinnerung an die NS-Opfer liegt Herrn Wall am Herzen. Er setzt sich doch gerade für die Mahnorte ein", so die Sprecherin. Wall reagierte schnell. Der Plan am Olympiastadion war bereits gestern ausgetauscht.