Plädoyer für Muslim-Gemeinde

Im Streit um den geplanten Neubau einer Moschee an der Tiniusstraße 5 im Ortsteil Heinersdorf hat sich jetzt die Chefin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, zu Wort gemeldet.

Im Streit um den geplanten Neubau einer Moschee an der Tiniusstraße 5 im Ortsteil Heinersdorf hat sich jetzt die Chefin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, zu Wort gemeldet. Sie plädiert für eine nüchterne, sachorientierte Auseinandersetzung: "Wir schätzen die Ahmadiyya Muslim Gemeinde weder als extremistisch noch gewalttätig ein", sagte Schmid. Zudem sei die seit 1988 in Berlin ansässige Gemeinschaft noch nie durch aggressive Propaganda aufgefallen.

Dennoch bangen viele um ihre Vorstadtruhe. Zudem spaltet die unterschiedliche Bewertung der muslimischen Glaubensgemeinschaft nun auch die Reihen der CDU. Denn auch dort gehen die Meinungen zum Für und Wider einer Moschee in Heinersdorf auseinander. "Ich lege mein Amt als Ortsgruppenvorsitzender der CDU nieder", verkündete gestern Karl Hennig. Seit mehr als zehn Jahren leitet er die Ortsgruppe der Christdemokraten in Prenzlauer Berg an der Schönhauser Allee. Hintergrund seines Schrittes sei die prinzipiell ablehnende Haltung des CDU-Kreisvorstandes gegen den Moscheeneubau in Pankow. Mit seiner toleranten Haltung zum Bau des Gotteshauses der Ahmadiyya Muslime stehe er im Widerspruch zum Vorstand, erklärt Hennig. Seit mehreren Jahren arbeitet er mit Muslimen im Ortsverband zusammen. "Ich erlebe die Muslime als sozial engagiert und stets um Integration bemüht", sagt er.

Doch die Pankower CDU unterstützt das von der eigens gegründeten Bürgerinitiative, "Interessengemeinschaft Pankow-Heinersdorfer Bürger" beantragte Bürgerbegehren. Dessen Ziel ist, wie berichtet: Das Bezirksamt soll dem Verein Ahmadiyya Muslim Jamaat empfehlen, auf den Neubau einer Moschee und eines islamischen Gemeindezentrums in Bezirk Pankow zu verzichten. "Wir stellen, wie auch die Bürgerinitiative, in keiner Weise die Religionsfreiheit in Frage. Wir fordern jedoch von den Verantwortlichen im Bezirk, auch die Befürchtungen und Ängste der Anwohner zu berücksichtigen", sagt Friedbert Pflüger, Spitzenkandidat der Berliner CDU für die Abgeordnetenhauswahl im September. Ein Gotteshaus sei der Mittelpunkt der jeweiligen Gemeinde. Auf Grund der fehlenden Gemeindemitglieder in der unmittelbaren und weiteren Umgebung scheine Heinersdorf für den Bau einer Moschee ein denkbar ungeeigneter Standort.

Indes werfen Kritiker den Christdemokraten und der BI Populismus vor. "Ich kenne die Ahmadiyya Muslim Gemeinde seit Jahren und kann die Aufregung in der Weißenseer Kirchengemeinde nicht verstehen", sagt Eberhard Guntjahr, Superintendent des Kirchenkreises Reinickendorf. Er wolle in den kommenden Wochen mit seinen Kollegen aus Weißensee sprechen und so den Weg für einen sachlichen Dialog zwischen den Anwohnern und der Muslim-Gemeinde ebnen. Seit Jahren ist die Ahmadiyya Gemeinde in Reinickendorf ansässig und pflegt den Kontakt zu anderen Konfessionen.

Bereits vor einem Jahr hatte die Gemeinde beim Bezirk Pankow eine Bauvoranfrage für das Moschee-Projekt gestellt. Diese wurde jetzt vom zuständigen Baustadtrat, Martin Federlein (CDU), positiv beschieden, so daß laut geltendem Baurecht dem Neubau nichts Grundsätzliches mehr im Wege steht. "Wir suchen den Dialog und wollen an dem Standort unsere Moschee bauen", bekräftigt der Imam der Ahmadiyya Muslim Gemeinde.