Nonnen behalten Wohnrecht im Kloster Alt-Lankwitz

Manchmal hat das Schlechte auch sein Gutes. Davon sind heute auch die vier Nonnen im Kloster Alt-Lankwitz überzeugt.

Manchmal hat das Schlechte auch sein Gutes. Davon sind heute auch die vier Nonnen im Kloster Alt-Lankwitz überzeugt. Nach einer turbulenten Zeit, in der sich die katholischen Ordensfrauen mit so irdischen Dingen wie einem Insolvenzverfahren, einem Gerichtsprozeß und dem Verkauf ihres Anwesens beschäftigen mußten, stehen sie jetzt vor einem Neuanfang.

Die Christkönigschwestern werden das 30 000 Quadratmeter große Klostergelände an der Dorfaue Alt-Lankwitz in Zukunft nicht nur mit einem weiteren Orden teilen, sondern auch noch einige hundert neue Bewohner dazubekommen. Im Sommer soll der Bau von zirka 150 Wohnungen im Klostergarten beginnen. Der Bauantrag ist eingereicht. "Wir haben nichts verloren sondern nur etwas dazugewonnen", sagt Schwester Stephana.

Noch vor gut drei Jahren mußten die Nonnen um ihren Verbleib im Kloster fürchten. Sie waren von zwei Betrügern, die bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt sind, um Millionen geprellt und in den wirtschaftlichen Ruin getrieben worden. Im Februar 2003 meldeten die Schwestern Insolvenz an. Das von ihnen betriebene Krankenheim "Theodosius" wurde geschlossen.

Um die Gläubigerbanken zu befriedigen, mußten die Nonnen ihr gesamtes Grundstück verkaufen. Vor mehr als einem Jahr erwarb Douglas Fernando, Geschäftsführer der Avila Management & Consulting GmbH, das Klostergelände für drei Millionen Euro. Der Bauunternehmer aus Sri Lanka hatte bereits die Immobilienfirma des Bistums, das "Petruswerk", und die Pfarrei St. Johannes Capristan in Tempelhof gekauft. "Die Nonnen können doch nicht auf der Straße sitzen", begründet Fernando sein Engagement in Alt-Lankwitz. Er wolle das 80jährige Klosterleben an der Dorfaue weiter ermöglichen. Den Nonnen hat er deshalb ein lebenslanges Wohn- und Nutzungsrecht eingeräumt. "Das ist eine große Erleichterung für uns", sagt die 76jährige Schwester Stephana.

So wird die Tradition erhalten, es wird sich aber auch eine Menge ändern. Douglas Fernando will das Krankenheim "Theodosius" abreißen lassen. Statt dessen werden zirka 150 neue Wohnungen im Klosterpark entstehen - 75 Prozent davon für betreutes Senioren-Wohnen. Der Malteser Hilfsdienst soll die Pflege der Bewohner übernehmen. Die restlichen Wohnungen sind für junge Familien gedacht. Fernando will damit ein generationsübergreifendes Modell des Zusammenlebens etablieren. 20 Millionen Euro investiert der Bauherr in das Projekt, das im Sommer 2007 fertiggestellt sein soll. Der Bauantrag liegt dem Stadtplanungsamt von Steglitz-Zehlendorf vor. Noch vor dem Sommer solle eine Entscheidung fallen, heißt es dort. Aber auch an die Zukunft des religiösen Lebens an der Dorfaue hat der Bauunternehmer gedacht. Die Nonnen sind zwischen 72 und 86 Jahren alt und bald selbst auf Hilfe angewiesen. Als Douglas Fernando von der Gemeinschaft "Chemin Neuf", die seit 1992 im Dienst der katholischen Gemeinde "Herz-Jesu" in Prenzlauer Berg tätig ist, um Hilfe bei der Suche eines weiteren Domizils gebeten wurde, hat er nicht lange gezögert - und ihnen ein Teil des Mutterhauses in Alt-Lankwitz zur Verfügung gestellt.

Vor kurzem sind vier Mitglieder der aus Frankreich stammenden katholischen Lebensgemeinschaft in Lankwitz eingezogen. Dem Orden mit ökumenischer Berufung gehören weltweit zirka 1200 Mitglieder verschiedener Kirchen an. "Wir sind jetzt dabei, das Leben mit den Schwestern zu organisieren", sagt Pater Christophe Jakob. Auch für seinen Orden sei es ein Neuanfang in Lankwitz, allerdings mit einer sehr langfristigen Perspektive. Eines Tages möchte er an der Dorfaue Seminare und Exerzitien veranstalten. Aber zunächst müsse er erst einmal Fuß fassen.