Baubeginn für Zentralbibliothek der Humboldt-Uni

Für die neue Zentralbibliothek der Humboldt-Universität wird seit gestern das Baugelände hinter den S-Bahnbögen zwischen Geschwister-Scholl- und Planckstraße in Mitte geebnet. Zwanzig Pappeln fielen beim ersten Einsatz der Kettensägen, in den nächsten Tagen werden ehemalige Baracken (noch aus DDR-Zeiten) auf dem Areal abgerissen. Für Anfang des Jahres ist dann der erste Spatenstich für das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum vorgesehen, das 2008 bezogen werden soll. Insgesamt wird die Bibliothek mehr als 75 Millionen Euro kosten, 36 Millionen Euro werden vom Bund übernommen.

Nach jahrelanger Diskussion über ein neues Gebäude und den Standort der Zentralbibliothek waren Anfang 2005 die Würfel gefallen. Das Preisgericht der Findungskommission - unter Leitung des Cottbusser Professors Axel Oestreich - entschied sich für den Entwurf des Schweizer Architekten Max Dudler und lobte den "großstädtischen Auftritt" seines Modells. Der elfgeschossige Glasbau würde sich zeitgemäß in die "präsente Kulturlandschaft der Museumsinsel einpassen", wurde argumentiert. Dazu Andreas Enge, Architekt des Dudler-Teams: "Mit der geplanten Gemäldegalerie und der unmittelbaren Nähe zum Bode-Museum wird ein Kontext hergestellt." Herzstück des Grimm-Zentrums wird der in seinen Ausmaßen einmalige Lesesaal sein: 70 Meter lang (im 100 Meter langen Gebäude), 12 Meter breit und 20 Meter hoch. Die Haupttreppe der Humboldt-Bibliothek verläuft längs des Saals im Inneren und wird ab der oberen Etagen nach außen hin verlagert. Ein weiterer Lesesaal für historische Bücher ist im achten Stockwerk vorgesehen. Große Sichtfenster werden hier nach Vorstellungen des Architekten für einen "grandiosen Ausblick" über die Stadt und für Muße-Momente beim Studium der Lektüre sorgen.

Um den Lesebereich aufzulockern, wird eine großzügige Cafeteria für kulinarische Abwechslung sorgen. Zusätzlich soll in einem großen Zeitungslesebereich reichlich Gelegenheit zum Studium der Weltpresse gegeben werden, dazu ist ein Computer- und Medienbereich vorgesehen.

Nach Max Dudlers Plänen soll das Grimm-Zentrum mit der Fassaden- und Innengestaltung an die Typologie eines Bücherregals erinnern. "Es wird ein multimediales Haus mit allen seinen Facetten", so der Architekt.

Der rund 2,8 Millionen Bücher umfassende Bestand der Humboldt-Uni ist bislang auf 16 Zweig-Bibliotheken mit 40 Standorten verteilt (180 Mitarbeiter). Nachdem wegen Eigenbedarfs die Staatsbibliothek an der Dorotheenstraße zahllose Werke der HU nicht mehr unterbringen konnte, sind diese nun als Zwischenlösung im Campus-Nord untergebracht. Bis zur Eröffnung des neuen Zentrums lagern die Bücher im ehemaligen Institut der Chemie an der Hessischen Straße.