Wie ein riesiges Bücherregal

Noch in diesem Jahr ist Baubeginn für das neue "Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum" der Humboldt-Universität in Mitte. Nach jahrelanger Diskussion über ein neues Gebäude der Zentralbibliothek wurden schließlich Nägel mit Köpfen gemacht. Nachdem der Standort hinter den S-Bahn-Bögen zwischen Geschwister-Scholl- und Planckstraße im vergangenen Sommer beschlossen wurde, überzeugte jetzt der Entwurf des Schweizer Architekten Max Dudler das Preisgericht der Findungskommission. Insgesamt sind rund 75 Millionen Euro für den Neubau veranschlagt, wobei Landesmittel und Geld der Humboldt-Uni aus Grundstücksverkäufen in die Finanzierung einfließen; 36 Millionen Euro übernimmt der Bund. 2008 soll alles fertig sein.

Die hochkarätigen Juroren unter Leitung des Cottbusser Professors Axel Oestreich waren vom "großstädtischen Auftritt" des Dudler-Modells angetan. Der elfgeschossige Glasbau würde sich zeitgemäß in die "präsente Kulturlandschaft der Museumsinsel einpassen", heißt es.

Das Herzstück des "Grimm-Zentrums" wird der in seinem Ausmaß einmalige Lesesaal sein: 70 Meter lang, 12 Meter breit, 20 Meter hoch. Er zieht sich durch das gesamte Gebäude. Die Haupttreppe der Bibliothek verläuft längs des Saals im Inneren und wird erst in den obersten Geschossen nach außen verlagert. Ein weiterer Lesesaal ist im 8. Obergeschoß für die historischen Buchbestände vorgesehen. Aus dieser Etage soll ein "grandioser Überblick" über die Stadt für Muße-Momente beim Studium sorgen. Daneben werden eine Cafeteria und ein großer Zeitungslesebereich zur Auflockerung der Bibliothek beitragen. Nach Dudlers Plänen soll die Fassaden- und Innengestaltung an die Typologie eines Bücherregals erinnern. "Ich habe ein multimediales Haus mit allen Facetten konzipiert", sagte Max Dudler dieser Zeitung.

Bis zur Fertigstellung des "Grimm-Zentrums" müssen die 2,3 Millionen Bücher der HU in verschiedene Zweigstellen ausgelagert werden. Ein Großteil der Bände ist im Moment noch im Haus 1 der Staatsbibliothek an der Dorotheenstraße eingemietet. Seit einigen Tagen sind Mitarbeiter damit beschäftigt, Bücherkisten zu packen. Als Zwischenlösung ist der Campus Nord, das ehemalige Institut der Chemie an der Hessischen Straße 1-2, vorgesehen. Bis zum 30. Mai soll der Umzug vollzogen sein. Im "Jakob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum" sollen die bisher auf 40 Standorten verstreuten 16 Zweigbibliotheken mit ihren 180 Mitarbeitern konzentriert werden - 2,8 Millionen Bücher finden in den Regalen Platz.