Bezirk will Sportplätze schließen

In Treptow-Köpenick sollen laut Sportstättenentwicklungsplan sechs Sportanlagen geschlossen werden. Als Gründe für die Schließungen nennt Sportstadtrat Joachim Stahr (CDU) eine Überversorgung des Bezirks mit Sportplätzen, die zu einer zu geringen Auslastung führt. Auf einigen Plätzen wird nur wenige Stunden pro Woche Fußball gespielt. Dadurch wird die vom Senat festgesetzte Nutzungszeit unterschritten, die finanzielle Förderung deckt nicht mehr die Kosten, die dem Bezirk durch den Betrieb der Plätze entstehen. Außerdem sollen Fußballplätze mit schlechter Ausstattung (Rasenplätze mit fehlender Beleuchtung oder maroden Sanitäranlagen) geschlossen werden. Dafür sollen andere Plätze saniert werden, sie sollen Kunstrasenflächen und neue Sanitärgebäude erhalten. Ziel ist es, dort dann mehrere Vereine zusammen unterzubringen.

Als erster Platz soll auf Beschluß des Bezirksamtes vom November vergangenen Jahres die Sportanlage Eiche an der Wendenschloßstraße 6 geschlossen werden. Der Sportausschuß nahm den Beschluß des Bezirksamtes gegen die Stimmen der PDS zustimmend zur Kenntnis. Als Ausweichplatz soll dem TSV Eiche die sanierte Sportanlage an der Dörpfeldstraße zur Verfügung stehen - ein Umzug, dem der Vereinsvorsitzende Jörg Zabian nur zustimmen mag, wenn dem Verein dort Lager- und Versammlungsmöglichkeiten eingeräumt werden.

Die zweite vom Bezirksamt festgesetzte Schließung der Sportanlage "Ernst Thälmann" am Eichgestell 4 wurde vom Sportausschuß zurückgestellt: Erst sollen Gespräche mit dem dort beheimateten Verein "SG Oberspree" geführt werden, um dessen Mannschaften anderweitig unterzubringen. Als Ausweichplatz wird unter anderem die Alte Försterei angeboten, die, wie Sportamtschef Steffen Senkbeil betonte, nicht dem FC Union, sondern dem Bezirk gehört.

Das Defizit des Bezirks für die Unterhaltung der Anlagen wird allein für 2005 auf 2,8 Millionen Euro geschätzt. Weitere Plätze, die geschlossen werden sollen, sind die Sportanlagen "Sterndamm", "Paul Zobel", "Plänterwald" und "Birkenwäldchen".

"Wir haben die Vereine vor drei Jahren angeschrieben, sie über die notwendigen Schließungen wegen der zu geringen Auslastungen der Plätze informiert. Die Vereine wollten sich um mehr Mitglieder bemühen, aber das ist nicht passiert", zeigte sich Senkbeil enttäuscht über die "Gutsherrenmentalität" der Vereine. Diese verlangten den Erhalt aller von ihnen oft nur mit wenigen Mannschaften kostenlos genutzten Plätze. "Trotz der genannten Schließungen gibt es im Bezirk immer noch ein Überangebot an Nutzungszeiten von 30 Prozent", rechnete Senkbeil vor. Das letzte Wort hat das Abgeordnetenhaus, eine endgültige Schließung von Sportstätten darf laut Sportfördergesetz nicht aus finanziellen Gründen erfolgen. Darauf weist der Geschäftsführer der Sportarbeitsgemeinschaft Treptow-Köpenick, Wolfgang Dürr, hin. Die Arbeitsgemeinschaft spricht sich gegen Schließungen aus, solange es in Berlin noch zu wenige Sportstätten gibt.