Beschwerden

Fixerstube am Kottbusser Tor muss schließen

Am Kottbusser Tor gehören Dealer und Drogenkonsumenten zum täglichen Bild, schon jahrzehntelang. Um den Süchtigen zu helfen, ist vor fünf Jahren der Druckraum an der Dresdener Straße 15 eingerichtet worden, in dem sich Junkies unter sauberen Bedingungen spritzen können.

Nun muss er zum 31. März 2009 schließen. Auch der Kontaktladen für Drogenabhängige, den der Verein Fixpunkt seit 1996 an der Dresdener Straße betreibt, soll ausziehen. "Der Mietvertrag ist vom Vermieter fristgerecht gekündigt worden", teilt Friedrichshain-Kreuzbergs Gesundheitsstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke) mit. Der Grund: Die Nachbarschaft habe sich nach Angaben des Vermieters beeinträchtigt gefühlt. Nachvollziehen kann der Stadtrat die Entscheidung nicht. "Wir haben in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen mit dem Druckraum gemacht, auch hinsichtlich der Integration durch die Nachbarn", sagt er. Die eigentliche Ursache sieht er woanders. "Die Situation am Kottbusser Tor hat sich im vergangenen halben Jahr zugespitzt." Vor etwa 14 Tagen habe das Bezirksamt einen Brief vom Quartiersrat bekommen, mit dem Vorschlag, die Drogenszene auf die Mittelinsel des Platzes zu verbannen und dort Räume für die Süchtigen einzurichten. "Wir stehen diesem Vorschlag ablehnend gegenüber", sagt Bürgermeister Franz Schulz (Grüne). Auch für Mildner-Spindler ist diese Idee unvorstellbar.

Das Bezirksamt hat im Herbst 2008 einen Beschwerdebrief bekommen, den 80 Gewerbetreibende im Umfeld des Kottbusser Tors unterzeichnet haben. Sie beklagen zunehmenden Drogenhandel, auf dem Platz und im U-Bahnhof. Unterschrieben hat auch der Handwerker Ibrahim Contur, der seit 20 Jahren am Kotti Schuhreparaturen und Schlüsseldienst anbietet. "Der Drogenhandel schreckt Kunden ab", sagt er. Deshalb hat es Ende 2008 bereits ein erstes Gespräch mit den Händlern, dem Bezirksamt, der BVG und der Polizei gegeben. Ende Februar oder Anfang März soll ein zweites Treffen stattfinden. "Die BVG will den U-Bahnhof stärker überwachen, die Polizei will mehr Präsenz am Platz zeigen", sagt der Stadtrat. Das Bezirksamt sucht ein neues Domizil für den Druckraum.

Auch aus Sicht des Vereins Fixpunkt hat der Drogenhandel am Kotti zugenommen. Seit etwa 30 Jahren werde dort gedealt, sagt Fixpunkt-Geschäftsführerin Astrid Leicht, "mal weniger, seit einem halben Jahr wieder mehr". Dadurch sei die Bevölkerung im Umfeld stärker belastet. Die Unruhe unter Anwohnern werde größer.

Der Druckraum hat von Montag bis Freitag geöffnet, vier Stunden am Tag. Im Durchschnitt kommen täglich etwa 20 Konsumenten. Zu den Nachbarn habe es ein recht gutes Verhältnis gegeben, sagt Astrid Leicht. Im Zuge des wachsenden Drogenhandels am Kotti habe es jedoch auch massive Beschwerden über den Druckraum gegeben, obwohl sich dort nichts verändert habe. "Wir sind mit dem Vermieter im Gespräch über eine Verlängerung des Vertrages bis Ende Juni." Erwogen wird auch, den Raum in einem Container einzurichten, der auf einem bezirkseigenen Gelände ohne Anwohner stehen soll.

"Die Drogenabhängigen haben kein Aggressionspotenzial, sie sind mit sich selbst beschäftigt", sagt die Kreuzbergerin Greta Namboutin (34). "Diese Menschen sind zu bedauern." Ein Imbissbesitzer an der Dresdener Straße sagt: "Es wäre gut, wenn der Druckraum weg wäre." Den Gastwirt stören die Süchtigen und die Dealer auf der Straße. "Es ist schwierig hier und es wird immer schlimmer."

Dagegen verzeichnet die Polizei keinen Anstieg der Drogendelikte. Es gebe täglich Einsätze am Kottbusser Tor, sagte eine Sprecherin. Doch die Probleme seien mit polizeilichen Mitteln allein nicht zu lösen. Ähnlich sieht es die BVG. "Wir können durch unser Hausrecht für Ordnung sorgen, aber wir können nicht den Drogenhandel bekämpfen", sagt Sprecher Klaus Wazlak.