Stadtplanung

SPD stoppt geplantes Messehotel am Funkturm

Die Berliner SPD hat ein Stopp-Signal gesetzt: Der geplante Hotelbau am Hammarskjöldplatz ist jetzt von der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus abgelehnt worden. Sie fasste einen entsprechenden Beschluss und bat die für den Bebauungsplan zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, ihre Vorarbeiten einzustellen.

"Wir wollen keine Bebauung am Hammarskjöldplatz", stellte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Christian Gaebler, klar. "Es gibt genügend andere Standorte für einen Hotelbau. Das geplante Hochhaus aber wäre mit etwa 92 Metern sogar noch höher als das RBB-Fernsehzentrum. Und zusätzliche Messetagungsplätze benötigen wir auch nicht." Damit wäre das städtebauliche Ensemble der Messe mit dem 138 Meter hohen Funkturm stark beeinträchtigt. Daher werde man den Bebauungsplänen, die die Verwaltung im Parlament noch vorstellen will, nicht zustimmen. "Man hätte erst mit uns reden müssen, bevor es zum Verkauf kommt", sagte Gaebler.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung reagierte ebenso überrascht wie Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke), der das Projekt stets unterstützte. "Der Beschluss der SPD-Fraktion, den geplanten Hotelneubau am Hammarskjöldplatz aus städtebaulichen Gründen abzulehnen, ist nicht nachvollziehbar", sagte Wolf. "Gerade die SPD-geführte Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat sich im Zusammenhang mit der Entwicklung des nördlichen Umfeldes der Messe Berlin, die vom Senat seit 2001 intensiv begleitet worden ist, stets für die städtebauliche Aufwertung dieses Bereiches starkgemacht. Dies sollte nach dem Willen aller Beteiligter insbesondere durch die Ansiedlung von dringend benötigten Hotels erreicht werden."

Da auch das Abgeordnetenhaus regelmäßig über den jeweils aktuellen Sachstand unterrichtet worden sei und zu keiner Zeit den vorgestellten Planungen widersprochen habe, "verwundert diese Kehrtwendung umso mehr", so der Wirtschaftssenator. Die Ohrfeige für Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sieht man in ihrer Verwaltung gelassen. "Wir arbeiten intensiv am Bebauungsplan. Er soll demnächst vorgelegt werden", sagte Sprecher Marko Rosteck. Zur Ablehnung durch die SPD-Fraktion des Abgeordnetenhauses sagte der Pressesprecher von Junge-Reyer: "Wir werden das überdenken, gehen aber davon aus, das wir den Bebauungsplan so fortführen wie geplant."

Die spanische Hotelgruppe Barceló will das Vier-Sterne-Kongresshotel mit 400 Zimmern errichten. Sie hat das Grundstück 2007 nach einem Investorenauswahlverfahren gekauft und plante bisher, auch eine Kongressfläche von 2500 Quadratmetern zu errichten. Entworfen hat den Bau das Berliner Büro Grüntuch Ernst Architekten aus der Auguststraße, die sich 2003 in einem Wettbewerb durchsetzten.

Die Messe Berlin sah darin bislang keine große Konkurrenz, sondern eher eine Ergänzung. Sie ging von einer Kapazität von 1000 bis 1400 Plätzen aus. Im Vergleich dazu bietet das ICC eine Kapazität von rund 14 000 Plätzen. Die kleineren Kongressmöglichkeiten des neuen Hotels kämen dem Geschäft der Messe eher entgegen, heißt es bei der Messe. So könne sich das Unternehmen auf die großen Veranstaltungen mit mehr als 2000 Teilnehmern konzentrieren.

Dagegen sieht der RBB eher Probleme: Wenn das Hotel das Fernsehzentrum (70 Meter hoch) überrage, könne das die Richtfunkstrecken, die nötig seien, verdecken. Auch in der CDU gibt es bislang jede Menge Zweifel an dem Hochhausbau - unter anderem auch bei Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler. Er sieht wie die SPD das Bauensemble der Messe aus den 30er-Jahren zerstört. Es böten sich allerlei alternative Standorte an. So kämen zwei unbebaute Parkplätze an der Neuen Kantstraße in Frage, aber auch der Zentrale Omnibusbahnhof.