Schutt-Transport über den Spielplatz

Kinder stehen am Bauzaun und halten sich mit ihren Händen an den verzinkten Streben fest, schauen den Lkw zu, die Bauschutt auf einer provisorischen Straße abfahren - die den Spielplatz teilt. Denn direkt neben dem Gelände mit Klettergarten, Sandkasten und Holzhaus an der Lehrter Straße 29-34 wird derzeit die ehemalige Schleicherfabrik abgerissen. Früher war dort eine Schleiferei, auch eine Räucherei soll sich auf dem Gelände befunden haben. Der Abriss erfolgt "aus Sicherheitsgründen", schreibt Dirk Lamprecht (CDU), Stadtrat für Wirtschaft und Immobilien, an den Betroffenenrat Lehrter Straße. Für die in unmittelbarer Nachbarschaft spielenden Kinder bestehe allerdings keine Gefahr.

Dies sieht Sabine Born vom Betroffenenrat Lehrter Straße anders. Denn auf dem einstigen Industrieareal wechselten im Laufe der Jahre die Nutzer. "Während der Abrissarbeiten wird das Material ständig auf mögliche Schadstoffe geprüft", versucht Lamprecht den Anwohnern die Ängste zu nehmen. Mögliche Umweltgifte und gefährlichen Stoffe sollen auf diese Weise sofort erkannt werden. Sollte es für die auf dem angrenzenden Grundstück spielenden Kinder eine zu hohe Staubbelastung geben, werde der Spielplatz sofort geräumt, sagt Lamprecht.

Doch trotz dieser Versprechen des Bezirkes sind die Anwohner sauer. "Viel zu spät und nur scheibchenweise wurden wir über Ausmaß und Zeitpunkt der Abrissarbeiten des ehemaligen Fabrikgeländes informiert", sagt Sabine Born. Urplötzlich war ein Loch in der Mauer, die bisher den Spielplatz zum Fabrikgelände abgrenzte. Und im gleichen Atemzuge wurde mitten durch das Spielplatzareal eine Asphaltstraße gelegt. Auf ihr fahren derzeit die Lkws und bringen in Containern den Bauschutt weg. Bis Ende Oktober sollen 8000 Kubikmeter Schutt abtransportiert sein.

Indes tummeln sich die Kleinen weiterhin auf dem Areal. "Das hier ist die einzige Spielmöglichkeit weit und breit", sagt Anwohnerin Daniela Mladenovic. Allerdings geht sie derzeit mit ihrer zweijährigen Tochter dort nicht mehr spielen. Weil sie nicht weiß, ob der Staub ihrer Tochter nicht doch gefährlich werden könnte. "Viele Fragen sind bis heute noch offen", sagt Sabine Born. So gibt es bisher keine Antwort, wann der Sand des Spielplatzes ausgewechselt wird und welche Pläne das Bezirksamt Mitte mit dem einstigen Industrieareal hat.

Mehrere Vorschläge der Anwohner liegen bereits auf dem Tisch des Amtes. "Die Gestaltung als Grünfläche oder als Mietergärten wäre eine Alternative", sagt Sabine Born. Doch die Pläne der Anwohner bleiben vorerst ein Traum. Denn Wirtschaftsstadtrat Lamprecht teilt den Anwohnern in einem Schreiben abschließend mit, "dass der Haushalt des Bezirkes Mitte derzeit einer Haushaltssperre unterliegt". Mit dieser Formulierung werde jegliches Bürgerengagement von vornherein "beerdigt", moniert Sabine Braun.

Schon einmal hatte es geheißen, es sei kein Geld vorhanden. 1995 hatte allerdings eine testamentarische Verfügung der "Kiezmutter" Klara Franke (1911-1995) den Bau des nach ihr benannten Spielplatzes ermöglicht.