Erinnerung an Martin Luther King

An jenem 13. September vor 40 Jahren war insbesondere im Ostteil Berlins alles anders: Die Stimmung an diesem Sonntag war eine Mischung aus Spannung, Freude und Neugierde. Der amerikanische Friedenspfarrer Martin Luther King (damals 31 Jahre alt) war gekommen, um abends von der Kanzel der Marienkirche in Mitte zu predigen. Für die Bevölkerung im Osten war dieses Ereignis nicht allein Gottesdienst, sondern zugleich ein politischer Akt. Stunden zuvor hatten sich in der Waldbühne im Westen der Stadt zum "Tag der Kirche" mehr als 22 000 Menschen versammelt, um King zu hören. Heute und morgen erinnert die St. Mariengemeinde (Ecke Spandauer-/Karl-Liebknecht-Straße) mit zahlreichen Veranstaltungen an den Besuch.

Auf Einladung des damaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Willy Brandt, war Martin Luther King - wenige Wochen bevor er den Friedensnobelpreis entgegennahm - in die geteilte Stadt gekommen. Nachdem er sich ins Goldene Buch im Rathaus Schöneberg eingetragen hatte, nahm der Baptistenpfarrer aus Atlanta (Georgia), der 1968 erschossen wurde, an einer Gedenkfeier für den ermordeten US-Präsidenten John-F.-Kennedy teil. Nach dem Auftritt in der Waldbühne mit dem evangelischen Bischof Otto Dibelius folgte am jenem Sonntag die Fahrt in den Osten der Stadt. Schon drei Stunden vor dem Gottesdienst musste die Marienkirche wegen Überfüllung geschlossen werden. Die Kirchenleitung entschloss sich, die Menschen in die nahe gelegene Sophienkirche (Hackescher Markt) umzuleiten, wo Luther King später einen zweiten Gottesdienst hielt.

Zeitzeugin Klara Runge (76) berichtet: "Als er die Kanzel emporstieg, applaudierten alle." Sie erinnert sich, dass Luther King rief: "... in Ost und West leben Menschen, und keine von Menschenhand geschaffene Mauer kann sie für immer trennen. Vor Christus gibt es kein West und kein Ost."

Programm heute: 16.30 Uhr Orgelvesper mit Texten von Luther King, 18 Uhr "M.L. King - vor 40 Jahren in Berlin" (Professor Heinrich Grosse), 19.30 Uhr "Wirkungsgeschichte Kings in der DDR" (King-Zentrum, Werdau), 20 Uhr Dokumentarfilm (1970). Sonntag 10.30 Uhr Gottesdienst zum Gedenken (Pfarrer Gregor Hohberg und Johannes Krug). Info: Tel. 24 75 95 10